Ludwigslust : Spanier mögen unser Schwarzbrot

Drei junge Leute aus Barcelona trafen im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein, um eine Ausbildung zu absolvieren / GiB Ludwigslust betreut sie

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04. Februar 2014, 07:00 Uhr

Es ist viel kälter als zu Hause, ziemlich trübe und etwas Schnee liegt auch noch. Für die drei jungen Spanier eröffnete sich eine ganz neue Welt, als sie jetzt auf dem Ludwigsluster Bahnhof eintrafen. Doch Julissa Chavarria Bueno (35), Jonatan Espejo Barrio (26) und Manuel Enrique Aviles Valero (32) aus Barcelona hatten sich zu Hause zumindest mental auf das Wetter in Deutschland eingestellt. Mussten sie auch, denn der Landkreis Ludwigslust-Parchim soll in den kommenden Jahren die neue Heimat der jungen Frau und der beiden Männer sein. Sie alle waren zuletzt in ihrer Heimat arbeitslos.

Sie werden zunächst für drei Monate ein Praktikum im Hotel „Christine“ in Lübz absolvieren. Anschließend, so ist es geplant, wollen sie im Hotel ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau (Julissa) zum Hotelfachmann (Jonatan) und zum Koch (Manuel) beginnen. Und nach deren Abschluss, wenn möglich, bei uns arbeiten. Als so genannter „Kümmerer“ agiert für die drei Spanier die Gesellschaft für innovative Beschäftigung (GiB) Ludwigslust. GiB-Projektleiterin Peggy Hildebrand: „Wir haben gemeinsam mit den Handelskammern Schwerin und Ludwigslust, der Arbeitsagentur Schwerin sowie Bildungsträgern Kontakt nach Barcelona hergestellt. Die drei jungen Spanier haben dort die Sprachschule besucht und sich auf ihre Ausbildung in Deutschland vorbereitet.“

Hintergrund ist das Bundesprogramm MobiPro-EU, das junge Menschen aus Europa, die in Deutschland eine betriebliche Ausbildung oder eine Beschäftigung aufnehmen möchten, fördert. „Wie in ganz Deutschland, spüren auch viele Firmen im Landkreis Ludwigslust-Parchim vor allem aufgrund des demografischen Wandels einen Mangel an Fachkräften und bekommen inzwischen oft auch ihre Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt“, erläutert Peggy Hildebrand. Ein anderes Motiv für das Programm ist die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten in vielen Ländern. In Spanien zum Beispiel ist jeder zweite junge Mensch ohne Job.

Wie gesagt, tritt in unserer Region die Ludwigsluster GiB als „Kümmerer“ für die Ausländer auf. Die Gesellschaft kümmert sich um deren persönliche Belange, ist Ansprechpartner bei Problemen. Peggy Hildebrand: „Unsere Aufgabe ist es, die Menschen in das Leben hier zu integrieren, ihnen die Mentalität nahe zu bringen und sie auch in Freizeitaktivitäten einzubeziehen.“ Im konkreten Fall der drei Spanier begann das „Kümmern“ damit, dass Peggy Hildebrand sie auf dem Ludwigsluster Bahnhof in Empfang nahm und im Auto nach Lübz brachte.

Auch, wenn sie erst wenige Tage bei uns sind, konnten die jungen Spanier erste Eindrücke sammeln. Jonatan meint: „Ich finde es gut, dass es hier so ruhig ist, nicht so ein Trubel herrscht, wie in Barcelona.“ Alle Drei haben sich fest vorgenommen, die Natur in Mecklenburg kennenzulernen, so oft, wie möglich, zu joggen. Besonders hat es Julissa, Jonatan und Manuel unser Schwarzbrot angetan, dass sie bisher nicht kannten. Diana Treichel von der Leitung des Hotels „Christine“ in Lübz versicherte, dass man alles tun wolle, damit sich die jungen Spanier hier wohlfühlen.

Eine Besonderheit des Bundesprogramms MobiPro-EU ist, dass jeder Auszubildende bereits in der dreimonatigen Praktikumszeit 200 Euro Vergütung von dem Ausbildungsbetrieb erhält. In der Ausbildung selbst gibt es dann die normale Vergütung.

Peggy Hildebrand: „Wir werden das erwähnte Bundesprogramm auch in unserem Landkreis weiter führen. Denn vor allem kleine und mittelständische Unternehmen aus der Metall- und der Kfz-Branche, Malerbetriebe, Friseure sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Altenpflege haben Bedarf an Fachkräften.“ Hildebrand steht deshalb auch ständig im Kontakt mit entsprechenden Unternehmen, weiß, wer Fachkräfte ausbilden möchte. Voraussetzung für Bewerber ist, dass sie über einen in ihrem Herkunftsland erworbenen Schulabschluss verfügen und keine abgeschlossene betriebliche Berufsausbildung in der Heimat haben.

Übrigens werden bereits in wenigen Wochen junge Leute aus Ungarn bei uns eintreffen, die in Vorbereitung einer Ausbildung ebenfalls ein Praktikum in Firmen aufnehmen wollen. Auch um sie wird sich die GiB kümmern. „Es gibt für 60 Ungaren verbindliche Praktikazusagen von Unternehmen unserer Region“, sagt Peggy Hildebrand.

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