Dreilützow : Späte Suche nach Absturz-Pilot

Bereits dicht unter der Erdoberfläche bei Dreilützow  finden die  Suchenden erste Flugzeugtrümmerteile.   Fotos: Thorsten Meier
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Bereits dicht unter der Erdoberfläche bei Dreilützow finden die Suchenden erste Flugzeugtrümmerteile. Fotos: Thorsten Meier

Bei Dreilützow war im April 1945 nach Luftkampf deutsches Jagdflugzeug abgestürzt/Gebeine des Toten sollen im Ort bestattet werden

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28. März 2014, 21:15 Uhr

„Ich stand damals mit meinem Vater, im April 1945 auf dem Hof, also kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, als die beiden Kampfflugzeuge am Himmel auftauchten. Es war so zwischen 17 und 18 Uhr. Plötzlich kam eine der Maschinen laut aufheulend steil herunter und stürzte ein Stück weiter auf dem Acker ab“, erinnert sich Josef Willemborg. Damals sei der heute 82-Jährige aus Dreilützow 13 Jahre alt gewesen und habe sich am nächsten Tag nach der Schule auf die Suche nach dem Flieger gemacht, und sei fündig geworden. Ein wenig habe von den Wrackteilen noch herausgeschaut, berichtet der Senior Werner Oeltjebruns vom Verein Flieger, Flugzeuge und Schicksale e. V. Der Niedersachse war gestern mit sechs Leuten am westlichen Ortsausgang angerückt, um eine sogenannte Suchgrabung durchzuführen. Organisiert und abgesegnet vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, dem Landesamt für Innere Verwaltung sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

„Seit 1983 führen wir diese Grabungen durch und konnten bisher 20 Fliegerschicksale von deutschen und alliierten Piloten in ganz Norddeutschland klären“, berichtet der Luftwaffenhistoriker im SVZ-Gespräch.

Derweil bereitet sich der hauptamtliche Umbetter der Kriegsgräberfürsorge Joachim Kozlowski auf seinen Einsatz vor. Sein Arbeitsort sind die Schlachtfelder von einst. Im laufenden Jahr hat er 300 Tote aus dem Boden geholt. Deutschlandweit.

„Man ist so etwas wie ein Kriminaltechniker. Denn anhand der Gebeine müssen Alter und Größe sowie nach der Verletzungsart die Todesursache und andere Informationen herausgefunden, dokumentiert und gesammelt werden. Nachlassgegenstände wie Erkennungsmarken, Eheringe und andere persönliche Gegenstände helfen ebenfalls bei der Identifizierung des Toten“, erklärt Kozlowski, der übrigens auch ausgebildeter Rettungssanitäter ist. Gegen 13.45 Uhr werden die Suchenden fündig, entdecken neben Motorteilen auch sterbliche Überreste und die Erkennungsmarke. Kurz darauf steht fest, der Flieger gehörte dem Jagdgeschwader 27 an und flog eine Messerschmitt BF 109 G 14. Sollte der unbekannte Pilot demnächst einen Namen haben, wird ihm die letzte Ehre zuteil, in Dreilützow feierlich und würdig bestattet zu werden.

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