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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 16:20 Uhr

Ludwigslust : Späte Rettung im Theaternebel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die fünf Ludwigsluster Feuerwehren proben den Ernstfall bei einem simuliertem Brand im Baumarkt und bemerken Fehler in der Alarmierungskette

von
erstellt am 17.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Kurz nach acht Uhr wird Bodo Thees unruhig. Zehn lange Minuten schon dringt der ohrenbetäubende Lärm der Rauchmelder aus dem Baumarkt. Der Qualm in den Gängen wird immer dichter. Kunden und Mitarbeiter sind längst raus aus dem Haus. Doch die Funkpieper der Feuerwehrmänner bleiben still. Keine Sirene tönt. Nichts. „Mensch. Hier stimmt was nicht“, sagt Thees. Wenn der Rauchmelder anspringt, dann wird der Sicherheitsdienst informiert und der sollte nach Rücksprache mit dem Baumarktleiter die Leitstelle in Schwerin anrufen. Doch die Leitstelle weiß von nichts. Schließlich ist es der Marktleiter, der den Sicherheitswachdienst anruft und vom Qualm berichtet. Noch einmal vergehen fünf Minuten bis endlich die Sirene tönt. „Jetzt wäre der Markt schon zur Hälfte abgebrannt“, sagt Thees und schüttelt den Kopf. „Gut, dass es nur eine Übung ist.“

Thees ist als einer der wenigen Eingeweihten schon am Einsatzort als der Notruf in den Feuerwachen eintrifft.

Nach der Alarmierung geht alles ganz schnell. Blaulichter fahren durch die Straßen von Kummer, Hornkaten, Glaisin, Techentin und Ludwigslust. Die Techentiner sind als erste da. Michael Schalock saß gerade auf dem Sofa als sein Pieper anging. Im Laufschritt zur Wache schafft er es in einer Minute. Dass es sich am Freitagabend um eine Übung handeln könnte, kommt ihm nicht in den Sinn. „Ich gehe immer vom Schlimmsten aus“, sagt er. Schalock teilt die Atemschutzgeräte zu. Jeweils zu zweit kriechen die Männer damit durch die verrauchten Gänge. Festgezurrte Seile an der Eingangsschranke sorgen dafür, dass sie den Weg zurück finden. Draußen haben sich inzwischen die ersten Schaulustigen versammelt. Felix (5) hat mit seinem Vater aus der Wohnung von gegenüber die Blaulichter gesehen. „Wir sind echt froh, dass es nur eine Übung ist“, sagt der Papa. Felix sieht zu, wie die Feuerwehrmänner Menschen - Statisten vom THW - aus dem Markt tragen. Auch Puppen liegen auf Tragen. Puppen, die sogar „Helft mir“ rufen. „Wir wollen die Situation so realistisch wie möglich gestalten“, sagt Christian Porst von der Ludwigsluster Feuerwehr. Es gebe heute sogar schon Möglichkeiten, die Visiere der Helme schwarz zu färben - so wirke der Rauch noch realer.

Nach zwei Stunden ist das Feuer gelöscht, die Vermissten sind in Sicherheit. Für die Retter und Statisten gibt es Bockwurst und Brötchen vom Baumarktleiter. Die Einsatzleitung wird die Übung mit allen Wehrleitern später auswerten. Schnell geklärt werden muss das Versagen der Alarmierungskette. Bodo Thees: „Es helfen die besten Retter nichts, wenn sie zu spät gerufen werden.“

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