Grebs : „Sorgen werden immer größer“

Die CDU-Landtagsabgeordneten und Vertreter des Kreisbauernverbandes besuchten gestern auch die Grebser Landerzeuger GmbH.
Die CDU-Landtagsabgeordneten und Vertreter des Kreisbauernverbandes besuchten gestern auch die Grebser Landerzeuger GmbH.

Ständig neue Vorschriften und Auflagen belasten die Landwirtschaft. CDU-Landtagsabgeordnete besuchen Grebser Landerzeuger

von
14. Juni 2017, 07:00 Uhr

Die Ferkelaufzucht hatten sie schon aufgegeben, als die Preise im Keller waren. Rund ein Jahr später stallten die Grebser Landerzeuger doch wieder Schweine ein. „Wir haben sehr gute Leute in diesem Bereich und all die Jahre immer investiert“, erklärte Rüdiger Thee, einer der Geschäftsführer, den Ausstieg aus dem Ausstieg. „Und wir wollen auch die Abwärme von unserer Biogasanlage sinnvoll nutzen.“ Als im vergangenen Herbst die ersten Ferkel kamen, waren auch die Schweinepreise wieder gestiegen. Entspannen können die Landerzeuger trotzdem nicht, wie Mitglieder des Arbeitskreises Landwirtschaft und Umwelt der CDU-Landtagsfraktion und weitere Abgeordnete bei ihrem gestrigen Besuch in Grebs erfuhren.

Mit dem ab 2019 geltenden Verbot, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren, und dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg, wonach die Kastenstände für Sauen breiter sein müssten, sind auf die Landwirte neue Herausforderungen zugekommen. Werden breitere Kastenstände zum verbindlichen Standard, müssten die Grebser Landwirte den gerade umgebauten Stall erneut umbauen. Was die Aufenthaltsdauer in den Kastenständen angeht, in denen die Tiere besamt werden, haben die Grebser schon vorgesorgt. „Wir lassen sie schon sechs bis sieben Tage nach der Besamung wieder laufen“, so Rüdiger Thee mit Blick auf die sonst üblichen vier Wochen. Doch unproblematisch sei das auch nicht, weil manches Tier in der Gruppe aggressiv sei.

Um das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration umzusetzen, sind verschiedene Alternativen im Gespräch: die Mast unkastrierter Jungeber, die Betäubung mit einem Gas und eine Impfung gegen den typischen Ebergeruch, den wohl kaum jemand in Schnitzel & Co. haben möchte. Der Bauernverband MV hat gemeinsam mit anderen Verbänden einen vierten Weg vorgeschlagen: Den Bauern selbst die Möglichkeit einzuräumen, den Ferkeln eine örtliche Betäubung zu geben. Für diesen Zweck müssten jedoch die entsprechenden Mittel zugelassen werden, beschrieb Dr. Manfred Leberecht, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ludwigslust, ein Hemmnis. Arbeitskreis-Leiterin Beate Schlupp betonte: „Wir müssen eine Lösung finden, die für die Landwirte wirtschaftlich tragbar ist.“ Gunnar Hennings, Referent für Landwirtschaft in der Fraktion, ergänzte: „Es geht darum, eine wettbewerbsfähige Schweinehaltung in MV sicherzustellen.“ Weil es innerhalb der EU unterschiedliche Regelungen zur Ferkelkastration gibt, wird befürchtet, dass die Ferkelproduktion ins Ausland verlagert wird, wenn ständig neue Auflagen die Produktion in Deutschland immer teurer machen. „Wir sind dabei, die Ferkelproduktion ins Ausland zu treiben“, so Manfred Leberecht. Die CDU wolle versuchen, einen Antrag zu dem vierten Weg in den Schweriner Landtag zu bringen, versicherte Beate Schlupp.

Probleme gibt es für die Landwirtschaft jedoch noch mehr: Milchpreis, Fachkräftegewinnung, der bürokratische Aufwand und nicht zuletzt das Image. Detlef Möller, ebenfalls Geschäftsführer der Grebser Landerzeuger GmbH, brachte es auf den Punkt: „Unsere Sorgen werden immer größer – was die wirtschaftliche Zukunft angeht, aber auch was den Stellenwert der Landwirtschaft angeht.“ Er monierte zudem, dass die Intervalle zwischen Veränderungen und neuen Forderungen immer kürzer werden. „Es ist kaum zu schaffen.“

Weitere Stationen der gestrigen Tour waren die Agrarprodukte Göhlen eG und die MAM Nord Besitz-Blücher eG.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen