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Ehemaliges Konzentrationslager Wöbbelin : Sonden orten verborgene Geschichte

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Junge Leute, die mit eigenartig anmutenden Geräten über ein Feld ziehen - in dieser Woche nahe der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Wöbbelin an der B 106 zu beobachten. Acht Hektar nehmen acht Studenten unter die Lupe.

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erstellt am 15.Mär.2012 | 12:40 Uhr

wöbbelin | Junge Leute, die mit eigenartig anmutenden Geräten über ein Feld ziehen - in dieser Woche nahe der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Wöbbelin an der B 106 zu beobachten. Im Zuge einer Bachelor-Arbeit des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel sind acht Studenten sechs Tage lang bei geomagnetischen Untersuchungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Acht Hektar nehmen sie unter die Lupe. Die Ergebnisse dienen der wissenschaftlichen Arbeit der Studentin Juliane Frank (25) aus Schwerin, die ehrenamtlich im Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mitarbeitet und sich hier besonders um die Betreuung von Zeitzeugen kümmert. Ausgangspunkt ist für sie eine archäologische Bestandsaufnahme des ehemaligen Lagergeländes, insbesondere des SS-Bereiches.

"Bisher konnten keine Baupläne des Konzentrationslagers Wöbbelin in den Archiven gefunden werden. Ein Lageplan wurde auf der Basis von Fotos und Filmaufnahmen der amerikanischen Befreier aus dem Zeitraum vom 3. bis 14. Mai 1945 rekonstruiert", erklärt Ramona Ramsenthaler die Bedeutung der studentischen Untersuchungen. Die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin kennt die bisherigen Forschungsergebnisse zum Lager aus dem Effeff.

Zwei Monate Grauen mit 1000 Opfern

Das letzte Außenlager des KZ Neuengamme wurde erst im Februar und März 1945 mit Hilfe von Firmen aus Ludwigslust und Umgebung direkt an der Straße zwischen Wöbbelin und Ludwigslust gebaut. Das nicht fertig gestellte Konzentrationslager wurde ab Mitte April zum Auffanglager für fünf Transporte, überwiegend aus Außenlagern des KZ Neuengamme. Am Ende waren es ca. 5000 Häftlinge, von denen mehr als 1000 ums Leben kamen, die meisten von ihnen sind verhungert.

Mit Hilfe der Geomagnetik, einer eigentlich gar nicht so neuen naturwissenschaftlichen Methode, ist es möglich, oberflächlich nicht mehr sichtbare Fundamente aufzudecken, ohne dabei in den Boden eingreifen zu müssen. In der Ur- und Frühgeschichtsforschung werde sie schon seit den siebziger Jahren eingesetzt. Neu sei allerdings, dass die Methode jetzt auch in der Neuzeit-Archäologie Anwendung finde, erklärt Dr. Carsten Mischka, Dozent am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Kieler Universität. Er hat bereits mit bayerischen Kollegen die Umgebung des berühmten Limes, des früheren römischen Grenzwalles auf diese Weise vermessen und leitet die Studenten in Wöbbelin an. Für die künftigen Akademiker ist es eine Lehrveranstaltung, während der sie die Handhabung der teuren Messgeräte erlernen und üben, wie sie benutzt werden müssen, um optimale Messergebnisse zu erhalten.

Mit Förster-Sonden dem Lagergrundriss auf der Spur

Zum Einsatz kommen so genannte Förster-Sonden, die nach ihrem Erfinder Friedrich Förster bezeichnet werden, der sie 1937 einführte. Die Förster-Group mit Sitz im baden-württembergischen Reutlingen ist heute ein weltweit agierendes Wirtschaftsunternehmen.

Das System, das ursprünglich aus der Kampfmittelerkennung stamme, so Carsten Mischka, sei vielseitig einsetzbar. Der Magnet erspäht im aktuellen Untersuchungsfall Eisenmineralien, die in gebrannten Ziegeln angereichert sind.

Das Projekt wird unterstützt durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV, Dezernat Archäologie, den Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust, den Förderverein der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und die Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte Schwerin, Fachwerk im Kulturbund.

Nach Auskunft von Ramona Ramsenthaler haben die Untersuchungen spannende Ergebnisse zu Tage gefördert. Sie sollen im Herbst in Wöbbelin vorgestellt werden - dann hat Juliane Frank ihre Bachelor-Arbeit verteidigt.

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