Ludwigslust : Soli und voller Klang als Dessert

Die weiteste Anreise unter den weit über 800 Besuchern aus Nah und Fern hatten wohl die Eltern der rumänischen Geigerin Junica Condai (Mitte am Tisch stehend).  Fotos: Harald Schulz
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Die weiteste Anreise unter den weit über 800 Besuchern aus Nah und Fern hatten wohl die Eltern der rumänischen Geigerin Junica Condai (Mitte am Tisch stehend). Fotos: Harald Schulz

Mecklenburgische Staatskapelle kredenzte im Ludwigsluster Schlosspark eine facettenreich-musikalische Weltreise

svz.de von
08. August 2016, 12:00 Uhr

Sommer, Sonne, musikalisch-prickelndes Picknick-Ambiente im Grünen. Das galt am gestrigen Sonntag eben nicht für den Treffpunkt Berliner Grunewald. Nein, der Tiegel für weit über 800 erwartungsvolle Sommerfrischler war das „MeckProms 2016“-Konzert der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin am Schweizerhaus, mitten im Grün des Ludwigsluster Schlossparks. Der fast zwei Stunden facettenreich gespannte Klangbogen fand musikalisch auf sehr hohem Niveau statt.

Dabei führte 1. Kapellmeister Gregor Rot und seine glänzend aufgelegten Orchester-Mitglieder launig erklärend wie musikalisch wohlklingend durch die Welten von Oper, Operette, Filmmusiken, Märschen und Tänzen. Das Ensemble bescherte gern gehörte Höhepunkte musikalischen Könnens als bestens unterhaltsamen musikalischen Fächer und garantierte damit zugleich leichte Unterhaltung als Happening am für eine kurze Zeit wiederbelebten Schweizerhaus.

Fulminant eröffnete die Staatskapelle den Konzertreigen mit der Titelmelodie des gleichnamigen Kino-Welterfolgs „Pirates of the caribbean“.

Ein musikalisches Weltkulturerbe folgte mit Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ - zelebriert von der Ungarin Marta Kosztolányi. Ihre vorgetragene Arie „Un bell di vedremo“ aus dem zweiten Akt der 1904 uraufgeführten Oper klang im vollem Orchestersound zu den Besuchern und bis weit in den Park hinein.

Luftholen fürs Publikum, weiter höchste Konzentration bei den Gastgebern an ihren Instrumenten: Das „Scherzetto“ für Klarinette und Orchester von Malcom Arnold verlangte von Solist Hans-Matthias Glaßmann feinfühlige Dominanz und von seinem Orchesterkollegium prickelnd-inspirierende Begleitung. Nicht weniger an konzertantem Miteinander forderten von der Staatskapelle die etwas mehr als zwei Minuten „Libertango“ von Astor Piazzolla, damit die Konzertgäste sich auch weiter an Sekt, Saft, Kaffee, Häppchen und vor allem an bester Konzertmusik erfreuen konnten.


Trio rieb das Sandpaper Ballet


Die Arie des Fürsten Gremien aus der Oper „Eugen Onegin“, von Pjotr Tschaikowsky um 1878 geschrieben, bildete dann den Gegenpol zum sich anschließenden klangvoll sprühenden Säbeltanz von Aram Chatschaturjan. Der im Jahre 1978 verstorbene Armenier gehört aktuell und international zu den bedeutenden Komponisten seiner Zeit.

Nach dem ebenfalls brillant gesungenen Solo von Kosztolányi über das Wahrnehmen von Zigeunergeigen aus der Operette „Gräfin Mariza“ des Ungarn Imre Kálmáns hob das Staatsorchester mit dem Ungarischen Tanz Nr. 1 zu einem sommerlich-musikalischen Sturm am Schweizerhaus an. Launig, beschwingt und leicht verdaulich unterhielt das Ensemble und drei vor Humor sprühende Solisten auch im Anschluss mit Leroy Andersons „Sandpaper Ballett“.

Auf einen stimmungsvollen Ausflug in afrikanische Kulturlandschaften nahm die Staatskapelle dann ihre Gäste mit dem Thema von John Barrys „Out of Africa“ mit. Minuten später begeisterte Igor Storozhenko mit seinem Solo „Lied des warägischen Kaufmanns“ aus der Korsakow-Oper „Sadko“ das Publikum erneut, aber komplett anders im Bass-Keller.

Mit dem Endspurt dieser Stippvisite widmete sich das Orchester Johann Strauß (Sohn) und seinem „Ägyptischen Marsch“ sowie dem fulminanten „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“. Als die Arie „Ne andò lontana” aus Alfredo Catalanis Oper „La Wally, Ebben?“ erklang, säuselte für manchen Besucher ein instrumentaler Hauch der Maria Callas durch den Schlosspark. Ein feiner Konzertausklang, der allerdings nicht ohne Zugaben enden sollte. Gregor Rot und die Staatskapelle hinterließen musikalische Spuren im Schlosspark.

Was aber den Konzertgästen aufstieß, die auf dem Ludwigsluster Schlossplatz geparkt hatten, war, dass hinter den Scheibenwischern eine Ankündigung der Stadt für Falschparkgebühren gepappt war.

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