Neu Kaliss : „Solche Mädels brauchen wir“

Naike steuert zum ersten Mal einen Gabelstapler.
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Naike steuert zum ersten Mal einen Gabelstapler.

Beim Girls Day in Neu-Kalisser Papierfabrik packen Schülerinnen mit an und beeindrucken mit ihrer Neugier und viel Geschick

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27. März 2014, 08:25 Uhr

Kaum sitzt Naike auf dem Gabelstapler, greift sie zum Schalthebel und schiebt ihn nach vorn. „Oh, du bist gut“, sagt Logistikerin Daniela Demuth-Schulz. „Bewirb dich bei uns, dich nehmen wir.“ Naike sei ein visueller Typ, lobt Daniela Demuth-Schulz. „Sie begreift schnell und setzt es sofort um. Solche Mädels brauchen wir.“

Bevor Naike aber den Stapler in der Produktionshalle bewegen darf, sitzt sie mit vierzig anderen jungen Mädchen aus Malliß, Ludwigslust und Dömitz am frühen Morgen oben in der Kantine. Dort begrüßt der Geschäftsführer John Paul Fender die Schülerinnen. „Irgendwie ungerecht“, sagt er. „Die Herren feiern am Herrentag und die Girls arbeiten am Girlsday.“ Naike sieht das anders. „Ich find’s toll, dass wir hier heute mal mitmachen können. Jeder kennt die Papierfabrik, aber keiner von uns weiß, was genau hier drin passiert.“

John Paul Fender erklärt den Mädchen kurz die Papierherstellung und wirbt für die Arbeit in der Produktion. „Unsere Papiermacher sind nur Männer. Wir brauchen aber auch Frauen.“

Er erzählt von Bianka Sewert. Sie ist die erste junge Frau in der Firmengeschichte der Papierfabrik, die in Neu Kaliß eine Ausbildung zum Papiertechnologen macht. Auch Bianka hat die Papierfabrik das erste Mal auf einem Girls Day von innen gesehen. „Ich wusste schon damals, dass ich nicht im Büro arbeiten werde. Technik ist mehr mein Ding“, sagt die heute 18-Jährige. „Mädchen, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollen, brauchen hier aber nicht anfangen. Denn wir arbeiten auch mal in der Schlosserei oder bei den Elektrikern.“

Wie wohl sich Frauen in dieser Männerarbeitswelt fühlen, erleben die Mädchen im Lager bei Daniela Demuth-Schulz. Sie ist die einzige Frau im Team und schwärmt geradezu von den Kollegen: „Hier fällt kein falsches Wort. Bei uns herrscht Ehrlichkeit.“ Sicher müsse man sich durchsetzen können. „Aber das ist zuhause mit dem Bruder ja auch nicht anders.“

Von den Mädels bekommt die 52-Jährige nach ihrer Führung spontan Applaus. Auch AWT-Lehrer Ronald Festner ist begeistert. Er weiß, dass zwei seiner Schülerinnen sich für einen Beruf in der Fabrik interessieren. „Nach diesem Tag hier sind sie sicher noch motivierter.“

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