Pilzberater in Ludwigslust : „So merkwürdig wie das Wetter“

Brigitte Schurig sucht die richtigen Karteikarten raus und beantwortet gleichzeitig die Fragen der Besucher.
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Brigitte Schurig sucht die richtigen Karteikarten raus und beantwortet gleichzeitig die Fragen der Besucher.

Pilzberaterinnen des Landkreises stellen beim Museumsabend im Natureum über 150 Pilzarten aus und informieren über Gefahren

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21. September 2017, 12:00 Uhr

Eselsohr, Kartoffelbovist, Fliegenpilz, Korkstachling und Perlpilz – die Pilzsachverständige Brigitte Schurig sucht eifrig nach den richtigen Karteikarten für die Pilzausstellung im Dachgeschoss des Natuerums. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Hannelore Michael und Elfi Hruby bereitet sie die vielfältigen Ausstellungsstücke vor, während die ersten Besucher des Museumsabends rund um das Thema Pilze schon mit vollen Körben in der Tür stehen.

„Das Pilzjahr ist genauso merkwürdig wie das Wetter in diesem Jahr“, erklärt Pilzberaterin Hannelore Michael. Es hätte zwar viel geregnet, allerdings sei die Feuchtigkeit nicht bis ganz unten bei den Pilzen angekommen. Trotzdem ist der Umfang der Ausstellung groß. „Dieses Jahr stellen wir etwa 150 Pilzarten aus, im vergangenen Jahr waren es nur 70“, erklärt Uwe Jueg, Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg.

Denn auch die Besucher bringen die verschiedensten Pilze mit, um sie bestimmen zu lassen und dann der Ausstellung zu schenken. So auch Ilse Schmaltz aus Groß Laasch. „Ich habe vor allem essbare Pilze für die Ausstellung mitgebracht. Aber auch einige giftige, bei denen es mich sehr interessiert, was das für Pilze sind.“ In ihrem Körbchen befindet sich auch ein Baumpilz von der Birke. „Den kann man trocknen und dann als Tee gegen Magenbeschwerden trinken“, erklärt Pilzberaterin Hannelore Michael der Groß Laascherin. „Das überlege ich mir aber nochmal, ich bin nicht so experimentierfreudig mit Pilzen“, gesteht Inge Schmaltz.

Dass es aber durchaus experimentierfreudige Pilzsammler gibt, weiß Brigitte Schurig nur zu gut. Sie berät medizinische Notfälle, die ihr von Krankenhäusern weitergeleitet werden. „Auch in diesem Jahr gab es in Schwerin wieder eine Vergiftung durch Panterpilze, diese greifen die Nerven an.“ Außerdem hat eine Kollegin eine Vergiftung durch den grünen Knollenblätterpilz beraten. „Das ist der schlimmste Pilz überhaupt. Wird hier nicht das Gegengift aus einer Distelart verabreicht, sterben die Betroffenen an Leber- und Nierenversagen“, erklärt Brigitte Schurig. Die Expertin rät außerdem, sich bei der Pilzbestimmung nicht auf das Internet zu verlassen. „Da kann ja jeder reinschreiben, wir arbeiten deshalb nur mit Büchern.“

Und genau so ein Exemplar eines grünen Knollenblätterpilzes brachten dann Nils und Karina Thiede für die Ausstellung mit. „Der bekommt sofort ein rotes Schild“, so Hannelore Michael. Das Ehepaar aus Parchim ist immer beim Pilzabend dabei. „Pilze sammeln ist einfach mein Hobby“, so Karina Thiede. In diesem Jahr steuerten sie gleich 40 Arten zu der Ausstellung bei. Die Pilze fanden sie im eigenen Garten, bei den Schwiegereltern oder nur wenige Kilometer außerhalb von Parchim. „Also meiner Meinung nach ist das ein richtiges Pilzjahr“, sagt Karina Thiede.

Nach dem Vortrag von Hannelore Michael, in dem es allgemein um Pilze und die Gefahren einer Vergiftung ging, konnten alle Besucher wieder Köstlichkeiten aus und mit Pilzen genießen. „In diesem Jahr habe ich mich mal an Pilzpralinen probiert, außerdem gibt es Pilzsuppe und Pilzbutter auf frischem Brot“, so Hannelore Michael. Und diese konnten dann ganz ohne Bedenken verzehrt werden.

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