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Standortbestimmung per GPS : SMS vom Wolf: Hier bin ich!

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Isegrim erobert Revier zurück: Ein GPS-Halsband fungiert als Standortfinder. Der Umweltausschuss des Kreistages beantwortet die Frage: Besteht Gefahr für den Menschen?

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Seit Herbst letzten Jahres schickt Wolfswelpe Arno regelmäßig eine SMS an seinen Betreuer. Freiwillig macht er das nicht. Er trägt vielmehr ein Halsband mit einem GPS-Sender, das ihm Wissenschaftler umgelegt haben und das den Standort des Tieres ermittelt und weiterleitet. Seitdem wissen sie nicht nur, dass Arno 34 Kilogramm schwer und damit schon ziemlich groß ist, sondern auch, dass er fast ausschließlich in der Lübtheener Heide herumstromert.

Fachlich heißt das Telemetrie und ist Teil des Wolfsmonitorings in MV. Damit erforschen die Fachleute, wie sich der Wolf verhält. Das Ziel ist einleuchtend: Isegrim hat wieder Lust auf sein angestammtes Revier und es gilt, das Zusammenleben mit dem Menschen in der heutigen Kulturlandschaft zu organisieren, Schadensrisiken zu verkleinern, Schaden zu regulieren, wenn der Wolf in Herden einfällt. Fotofallen und die Auswertung von genetischen Informationen gehören also ebenfalls zum Monitoring. Und so wissen die Fachleute, dass ein gerissenes Schaf in der Lübtheener Heide nicht von den dort lebenden Wölfen getötet wurde, sondern auf das Konto einer Fähe (weibliches Tier) geht, die aus der Region Ueckermünde zugewandert war.

All das berichtete Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) aus Güstrow vor dem Fachausschuss des Kreistages („Umwelt, Naturschutz, Abfallwirtschaft, Ordnung und Sicherheit“).

Die entscheidende Frage stellte Ausschussmitglied Siegfried Minklei: Ist der Wolf für den Menschen gefährlich? Daran scheiden sich die Geister. Kristin Zscheile verweist auf eine gut dokumentierte norwegische Studie, wonach in den letzten 60 Jahren neun Menschen durch Wolfseinwirkung ihr Leben verloren: fünf durch Tollwutübertragung, vier durch Wolfsbisse, weil sie zuvor die Tiere angefüttert hatten und diese ihr Futter einforderten.

Siegfried Minklei indessen hat anderes gelesen. Nämlich die Berichte des in Kanada lebenden Verhaltensforschers und Professors Valerius Geist, der von gefährlichen bis tödlichen Begegnungen mit dem Wolf zu berichten weiß. Und zwar erst vor wenigen Jahren.

Fazit, das auch Geist zieht: Der Mensch muss wieder lernen, mit diesem Raubtier umzugehen. Es ist weder ein Kuscheltier noch eine blutrünstige Bestie – der Wolf ist ein Wildtier mit artspezifischen Verhaltensweisen.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder immerhin, dass gegenwärtig keine Gefahr vom Wolf für den Menschen ausgeht. Die Tiere sind scheu und meiden Begegnungen. Skeptiker wie Siegfried Minklei sagen: „Noch nicht. Aber wenn sich die Population weiter entwickelt…“ Kristin Zscheile bestätigt, dass man es bisher erst mit dem Beginn einer Besiedlung des Wolfes zu tun habe. „Allerdings ist eine gewisse Dynamik nicht zu übersehen. Wir haben es mit einem Zuwachs von 30 bis 40 Prozent pro Jahr zu tun“, sagt sie. 2009 wurden sieben Rudel in Deutschland gezählt. 2014/15 waren es schon 31 Rudel.

Also gewinnt die Prävention an Bedeutung. Da kommen interessante Konstellationen ins Spiel: etwa die des Einsatzes von großen Herdenschutzhunden in Verbindung mit Herdeneseln. Letztere sind sehr wehrhaft, lautstark und aggressiv besonders gegenüber Hundeartigen.

Das Thema Wolf ist in der Gesellschaft angekommen.

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