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Neuer Blickfang : Skulptur erregt Gemüter in Grabow

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit und in den sozialen Netzwerken. Unterschriftenaktion gestartet, um Vorhaben zu verhindern

von
erstellt am 09.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Über Kunst lässt sich bekanntermaßen streiten. Und so erregt derzeit auch in Grabow ein Kunstwerk die Gemüter, das allerdings erst als Entwurf vorliegt. Eine Skulptur in Form eines umgedrehten Fachwerkhauses soll ein neuer Blickfang für Grabow werden (SVZ berichtete).

In Leserbriefen und auf Facebook haben sich viele Leute zu Wort gemeldet. Zu denen, die das Vorhaben ablehnen, gehört Timo Hinrich, der in einem Leserbrief an die SVZ fragte, wozu denn so etwas gebraucht werde. „Ich glaube dass diese ,Kunst’ wohl die wenigsten Leute anspricht, noch von ihnen verstanden wird. Um Metallteile zu einem Nikolaushäuschen zusammenzuschweißen, braucht man doch keinen Bildhauer, das kann jeder ausgebildete Schweißer. Ich habe mit vielen Grabowern gesprochen und wir finden diese Konstruktion grottenschlecht. Das dafür rausgeschmissene Geld könnte in andere Projekte sinnvoll investiert werden. Ich hoffe die Stadtvertreter sehen dies auch so und verhindern dieses Projekt.“

Dr. Uwe Sonnemann äußert sich auf der Internetseite www.grabow-erinnerungen.de u.a. wie folgt: „Über Kunstwerke sind die Meinungen oft unterschiedlich. Auch nach Diskussionen mit verschiedenen Bürgern aus Grabow hat sich meine Meinung nicht geändert. Eine solche Skulptur braucht Grabow nicht.“ Eine Unterschriftensammlung ist nun gestartet worden, um dieses neue „Wahrzeichen“ von Grabow zu verhindern. Initiiert ist diese Aktion von Harald Kleemann, Timo Hinrich und Maik Tlotzeck.

In einer der SVZ vorliegenden Erklärung nimmt die Stadt Grabow zu der in den sozialen Netzwerken lebhaft geführten Diskussion Stellung. Dort heißt es u.a.: „Was macht Grabow aus? Was soll von Grabow ,in Erinnerung bleiben? Reicht uns Küsschen, Waldbad, Wohnmobil-Stellplatz und sanierte Fachwerkhäuser? Wenn nicht, was soll noch kommen und wie schaffen wir das?“ Mit dem Projekt „Grabow 2020“ stehe als Ziel, die Stadt entscheidend voran zu bringen. 2015 wurde die Möglichkeit signalisiert, auf dem Kreisel ein Kunstwerk als Blickfang zu installieren. Aus diesem Grund holte sich die Arbeitsgruppe „Grabow 2020“ Hilfe bei Prof. Dr. Wolfgang Vogt vom Skulpturenpark Pampin. Nach Diskussion über Ziele und Rahmenbedingungen empfahl er den Mecklenburger Künstler Reinhard Buch, der schon viele Projekte für Städte vorweisen kann.

Das Projekt und sein Entwurf wurde sowohl als Variante auf dem Kreisel als auch als „Blickfang“ auf der Freifläche am Ortseingang, im Bauausschuss sowie in der Stadtvertretung vorgestellt und fand ohne Ausnahmen Anerkennung.

Im nächsten Schritt wurden sowohl die Skulpturen der Industriestandorte als auch die Skulptur des auf dem Kopf stehenden Fachwerkhauses Anfang 2016 im Zuge der Haushaltsplanung und im Rahmen des Projektes „Kunst im Raum“ im Finanzausschuss beraten. Mit dem Haushaltsbeschluss der Stadtvertretung und der Genehmigung durch die Rechtsaufsicht sei die Umsetzung bereits Anfang dieses Jahres vertraglich geregelt worden, heißt es in der Erklärung.

Christine Eichen hat dazu ihre ganz eigene Sichtweise. „Ich finde es gut, dass ausgehend von der Grundidee zu dieser Skulptur das Alte mal auf den Kopf gestellt wird, um zu zeigen, was wir haben und das aus neuer Perspektive zu beleuchten“, sagt die Inhaberin des Reisebüros Schwarz . „Wir haben nicht nur Altes und Denkwürdiges, sondern auch viel Modernes, das gezeigt werden kann. Ich finde es wichtig, dass auch unseren Gästen und Besuchern der Stadt zu präsentieren. Weil mit dem Kunstwerk, das zunächst erst einmal ein Entwurf ist, ein Versuch unternommen wird, die Historie mit der Zukunft zu verbinden. Und das sollte auch den jungen Leuten vermittelt werden.“

Stephan Krischke, Inhaber des Mobilfunk-Shops in Grabow dazu: „Kurz gesagt finde ich gut, dass die Grabower ein Kunstwerk am Eingang der Stadt bekommen. Über Form und Ausführung lässt sich streiten.“ Simone Koltzau, Werkleiterin der Grabower Süßwaren GmbH stellt fest, dass in der Vergangenheit in der Stadt schon viel gemacht wurde. „Wenn man die Umgehungsstraße entlangfährt, sieht man, wie schön Grabow geworden ist. Und wenn sich die Stadt um ein neues Wahrzeichen bemüht, ist das doch sehr in Ordnung. Ich kann mir zwar noch nicht genau vorstellen, wie das Kunstobjekt aussehen wird, aber es haben sich viele Leute Gedanken gemacht, wie man noch mehr die Aufmerksamkeit auf Grabow lenken kann. Und zudem ist ja so ein Kunstwerk ja auch eine gute Werbung für unsere Stadt.“

Ob es eine gute Idee sei, aus Kunstprojekten eine basisdemokratische Aktion zu machen, bei der sich alle einbringen können, damit es am Ende allen gefällt, bezweifelt die Stadt. Es werde sich kein namhafter Künstler finden, der einen Entwurf mache und diesen so lange „schleife“ bis er allen Beteiligten gefällt. Das widerspreche allen Grundsätzen der Kunst. „Das sehen sicherlich einige Bürger anders, aber das ist auch gut so“, heißt es in der Erklärung der Stadt. „Wir hoffen, dass die Kunstaktionen, die wir initiieren, genau solche Diskussionen anstoßen, das Miteinander fördern und dazu führen, dass wir, auch bei unterschiedlichen Meinungen, einander achten und zusammen für unsere Stadt arbeiten.“
 

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