Grabow : Skelettfunde auf dem Kirchenplatz

Archäologe Rolf Schulze legt die Skelette aus der Baugrube am Kirchplatz in Grabow frei.
Archäologe Rolf Schulze legt die Skelette aus der Baugrube am Kirchplatz in Grabow frei.

Archäologe Rolf Schulze legte im Zuge von Bauarbeiten in Grabow sterbliche Überreste aus der Zeit zwischen 1725 und 1809 frei

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31. Juli 2015, 06:30 Uhr

Der Bagger hat Pause, die Arbeiten im Zuge der Umgestaltung des Areals am Kirchenplatz ruhen. Archäologe Rolf Schulze aus Schwerin greift zum Pinsel, befreit das Skelett vom Sand. In der Baugrube auf dem Kirchplatz in Grabow liegen in einer Tiefe von 60 Zentimeter bis zu einem Meter noch zwei weitere Skelette. „Das links außen liegende, kleinere, stammt von einem Jugendlichen, das in der Mitte von einer Frau. Interessant ist das rechts außen liegende Skelett, weil der Beerdigte mit dem Gesicht nach unten in der Erde liegt. Der Tote ist damals auf dem Bauch liegend beerdigt worden. Dabei handelte es sich um eine Sonderbestattung“, erklärt Rolf Schulze gestern gegenüber SVZ. Wahrscheinlich, so der Archäologe weiter, war die Person im Leben auf eine besondere Art auffällig, die den Aberglauben der Leute hervorrief. „Sie glaubten wohl, dass diese Person nach dem Tod als Wiedergänger zurückkommt und ihnen Schaden zufügen könnte.“ Die sterblichen Überreste auf dem Kirchplatz stammen vom damaligen Friedhof um die Kirche. „Die Funde datieren aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand 1725 und vor dem Einmarsch der französischen Truppen in Grabow um 1809“, ergänzt der Archäologe. Das Friedhofsgelände und der angrenzende Bereich bis hin zur Schau(m)manufaktur gehören zum eingetragenen Bodendenkmal, das die gesamte Altstadt und den Kirchplatz umfasst. „Im Keller des Hauses der heutigen Schau(m)manufaktur habe ich bei Grabungen weitere sechs Skelette gefunden. Sie lagen dort aber schon deutlich länger als diese hier am Kirchplatz. Sie hatten keine Särge und die Toten waren auch tiefer bestattet, etwa 2 Meter tief. Vermutlich stammen die Skelette aus dem Mittelalter.“

Grabungen in ganz Mecklenburg

Die Toten, deren Skelette nun durch die Baggerarbeiten zutage gekommen waren, wurden in Särgen beerdigt. Entsprechende Spuren, wie Reste von Sargbrettern, hat Rolf Schulze sichergestellt. Der 35-Jährige, der in Trebel im Wendland zu Hause ist, und derzeit an seiner Doktorarbeit schreibt, gräbt schon seit 2000 in Mecklenburg. 2006 hat er seinen Abschluss als Archäologe gemacht. In unserer Region hat er im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Schwerin, wo er angestellt ist, schon des öfteren Grabungen durchgeführt. Die Archäologie hat es ihm schon seit jungen Jahren angetan, und hier in MV und speziell in unserem Landkreis Ludwigslust-Parchim, wie in der Region Brüel-Sternberg, hat der junge Mann schon eine Reihe besonderer Funde ans Tageslicht gebracht.

Was passiert nun mit den hier entdeckten Skeletten? „Nun, zunächst werden die Funde dokumentiert, fotografisch, zeichnerisch und elektronisch, das heißt, sie werden auf dem PC dreidimensional aufgenommen. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, werden die Skelette dem Boden entnommen, dem Bestatter übergeben, der diese dann auf dem Friedhof beisetzt.“ Weitere Untersuchungen und Nachforschungen zu den Toten, wie DNA-Proben, die über Alter, Todesursache oder über Verwandschaftsverhältnisse Auskunft geben, sind nicht vorgesehen. Nach Aussage von Rolf Schulze handelt es sich um eine Rettungsgrabung, nicht um eine Grabung zu Forschungszwecken. Die Arbeit der Archäologen wird auch in den nächsten Wochen baubegleitend fortgesetzt. Die Arbeiten im Durchgang zur Rathausgasse können erst einmal weitergehen, weil es dort keine Bestattungen gab“, so Rolf Schulze. „Aber ich bin mir sicher, dass wir demnächst noch Spuren weiterer Bestattungen in Form von Skeletten finden werden.“

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