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Prozess in Ludwigslust : Sie wollten Angst verbreiten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Prozessbeginn gegen zwei Parchimer, die im August mit „Rambomesser“ auf Gelände von Flüchtlingsunterkunft vordrangen

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 06:25 Uhr

Zwei Angeklagte, die  nichts sagen. Ein rundes Dutzend Zeugen, die sich zum Teil widersprechen. Ein Richter, der so vor einer recht komplizierten Aufgabe steht.

Gestern begann am Amtsgericht Ludwigslust der Prozess gegen zwei Parchimer, die Ende August 2015 mit einem Messer und zwei sogenannten Bengalos  bewaffnet auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Parchim vorgedrungen waren (SVZ berichtete). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlich versuchte Nötigung vor.

Einer meist mit den Händen in der Bauchtasche seines Kapuzenshirts, der andere      öfter mit leerem Blick auf die Tischplatte und beide   irgendwie stets gelangweilt:  Gleich zu Beginn verkündeten die 31- und 29-jährigen Angeklagten, die bei der Tat über zwei Promille Alkohol im Atem hatten, nichts sagen zu wollen. „Ich habe ein Messer dabei gehabt, aber die Waffe nicht gezogen. Das gebe ich zu“, so der ältere der beiden lediglich. Dann war Schweigen angesagt.

Laut Anklage waren beide am Abend  des 25. August gleich zweimal auf das Heimgelände vorgedrungen, hatten  neben den Bengalos auch ein so genanntes „Rambomesser“ mit 20 Zentimeter langer Klinge bei sich.  Ein Wachmann, der an jenem Abend  im Dienst war, hatte beobachtet, wie die beiden durch ein  offenbar ausgehebeltes Tor auf das Gelände kamen und auf eine Gruppe Flüchtlinge zugingen, die in einem kleinen Pavillon standen.  Er dachte zunächst, dass es sich um Besucher handelt. „Ich wollte noch rufen, dass sie das Tor schließen sollten, da rief plötzlich jemand ,Messer’. Die Flüchtlinge rannten daraufhin ins Gebäude“, so der Wachmann gestern vor Gericht. Die Syrer hätten ihm dann im Flur gesagt, sie seien mit einem Messer bedroht worden.  Die  Flüchtlinge bestätigten gestern, der 29-Jährige habe besagtes Messer versteckt am rechten Innenarm getragen. Weil der Wachmann offenbar die Polizei alarmierte, seien die beiden Männer dann verschwunden.

Kurz danach traf an jenem Abend die Polizei ein und  nahm die Aussagen auf. Rund eine Stunde später – die Polizisten waren wieder weg – kamen die beiden Eindringlinge  erneut  auf das Gelände. Und jetzt unterscheiden sich die Aussagen erheblich.  Die Eindringlinge  hätten  – so die Syrer – zunächst in einiger Entfernung  mit dem Wachmann gesprochen, dann sei der „Größere“ (gemeint ist der 29-Jährige) auf sie zugekommen und hätte mit dem Messer „gefuchtelt“. Der Wachmann allerdings betonte gestern, er habe das Messer erst gesehen, als die beiden Männer von erneut eingetroffenen Polizisten festgenommen worden waren.

Ein Syrer hatte die Streife, die nach dem ersten Vorfall in unmittelbarer Nähe  fahndete, auf das erneute Eindringen der beiden Männer  aufmerksam  gemacht. Und auch die Polizisten hatten bei ihrem Eintreffen zunächst kein Messer bemerkt. „Als wir angekommen sind, war ein Messer als Bedrohung nicht zu sehen“, sagte einer der  Beamten gestern. Erst bei der Durchsuchung fanden sie das Messer dann bei einem der Männer – dem 31-Jährigen.

Doch nicht nur in den Aussagen von Wachmann und Polizei einerseits und Flüchtlingen andererseits gibt es Widersprüche. Auch die Aussagen der Syrer selbst sind widersprüchlich. So hatte ein Syrer unmittelbar nach der Tat gegenüber der Polizei ausgesagt, er könne nichts dazu sagen, ob jemand mit dem Messer herumhantiert habe. Erst gestern vor Gericht sagte er, der „Größere“ habe mit dem Messer „gefuchtelt“. Ein Syrer sagte gestern, die Polizisten hätten bei ihrem Eintreffen dem Mann das Messer aus der Hand geschlagen. Andere meinten, der „Größere“ habe dem „Kleineren“ kurz nach Eintreffen der Beamten das Messer zugesteckt.

Nicht einfach also für Richter Thomas Rehbein, die Wahrheit herauszufinden.  Während der genaue Ablauf also unklar ist, dürfte das Motiv der Angeklagten klar sein.  Der 29-Jährige sagte einem Polizisten am Morgen nach dem Vorfall in der Vernehmung,  man habe den Flüchtlingen  „nur ein bisschen Angst einjagen wollen“, weil man nicht verstehe, dass Leute  ausziehen müssen, damit   andere  einziehen könnten. Gemeint war offenbar die Flüchtlingsunterkunft.

Laut Zeugenaussage eines Polizisten habe der 29-Jährige   bei der Tauglichkeitsprüfung für den Polizeigewahrsam  hinsichtlich seiner Frisur gesagt, man müsse „nicht unbedingt eine Kurzhaarfrisur haben, um etwas gegen Ausländer zu haben. Der Wachmann sagte, einer der Männer habe ihn noch vor der Festnahme gefragt: „Wie kannst du das hier unterstützen?“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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