Neustadt-Glewe : Sie sind auf dem „guten Holzweg“

Unter Anleitung von Klaus Kiecksee, ibu-Bereichsleiter Holz (r.), lernen die Jugendlichen, Holz zu bearbeiten.  Fotos: andreas münchow
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Unter Anleitung von Klaus Kiecksee, ibu-Bereichsleiter Holz (r.), lernen die Jugendlichen, Holz zu bearbeiten. Fotos: andreas münchow

Projekt bei ibu Neustadt-Glewe soll junge Flüchtlinge besser integrieren helfen / Sozialministerin Birgit Hesse übergab Fördermittelbescheid

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15. August 2016, 10:00 Uhr

Sie spielen gerne Fußball, schwimmen oft und wollen vor allem viel lernen, um eine Perspektive bei uns zu haben – junge Flüchtlinge aus den verschiedensten Ländern. Im Institut für Berufsbildung und Umschulung Neustadt-Glewe startete gestern nun in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft ein Projekt, das den Jugendlichen den Werkstoff Holz näher bringen soll. Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) überreichte dazu im Institut den entsprechenden Förderbescheid in Höhe von 5000 Euro. Anwesend war auch die CDU-Landtagsabgeordnete Maika Friemann-Jennert.

„Ein guter Holzweg“, so heißt das Projekt, in dem die Jugendlichen in ihrer Freizeit mit Holz arbeiten werden. Ibu-Projektleiterin Birgit Kuhlemann: „Wir wollen so das Interesse der Kinder und Jugendlichen für das Handwerk allgemein und speziell für Holzberufe wecken, gleichzeitig aber auch dazu beitragen, dass sie sich leichter in Neustadt-Glewe integrieren können können.“

Um Letzteres zu erreichen, ist geplant, in dem Projekt 30 ausländische und deutsche Kinder und Jugendliche gemeinsam zu betreuen. Birgit Kuhlemann: „Unsere Idee ist, jeweils zehn Kinder aus dem ibu-Wohnheim (hier leben junge Flüchtlinge – d. R.) und aus in der Stadt lebenden Asylfamilien, die Interesse an Holz bekundet haben, in das Projekt einzubinden, dazu ebenso zehn deutsche Kinder.“

Wie gesagt, soll das Ganze eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung darstellen – nach dem täglichen Schulbesuch bzw. im Anschluss an Deutschkurse. Sadaquat (17) aus Afghanistan ist weniger als ein Jahr in Deutschland, spricht unsere Sprache aber schon recht gut. „Ich spiele sehr gerne Fußball und gehe oft zum Schwimmen. Jetzt würde ich gerne ausprobieren, wie das mit dem Holz geht“, sagt er. Ghassan (16) aus Syrien hatte bisher auch nichts mit Holz zu tun, findet aber: „Das ist bestimmt interessant.“

Für die praktische Umsetzung des Projekts ist Klaus Kiecksee, Bereichsleiter Holz bei ibu, verantwortlich. „Wir werden hier ganz normale Gebrauchsgegenstände herstellen. Die Projektteilnehmer sollen nämlich sehen, dass das, was sie hier machen, auch im täglichen Leben genutzt werden kann.“ Und so entstanden hier probehalber bereits erste Fußbänke und Bilderrahmen. Das Projekt soll auch Exkursionen u. a. in Betriebe der Region beinhalten.

Ministerin Birgit Hesse betonte, sie sei auch deshalb auf das Projekt aufmerksam geworden, weil hier Einheimische und Flüchtlinge zusammen gebracht werden. „Hier wird etwas geschaffen, das weiter geführt werden kann“, sagte sie.

Die jetzt bereit gestellten Mittel für das Projekt kommen aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Das Land bringt gerade einen Integrationsfonds auf den Weg. Aus diesem sollen in Mecklenburg-Vorpommern von 2016 bis 2018 jährlich eine Million Euro für Integrationsprojekte bereit gestellt werden. „Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Städten und Gemeinden können sich ab sofort gerne im Ministerium melden, wenn sie entsprechende Projekte planen“, so die Ministerin.

Nach ihren Worten laufe die Integration in Neustadt-Glewe gut, was auch immer vom Engagement der handelnden Personen abhänge. Was Neustadt-Glewes Bürgermeisterin Doreen Radelow (SPD) bestätigte: „Vorurteile können auch durch gemeinsames Wirken abgebaut werden. Deshalb sind solche Begegnungen von Jugendlichen, wie jetzt in dem neuen Projekt, wichtig.“

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