Wöbbelin/Dömitz : Sie retteten das Leben ihrer genetischen Zwillinge

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Jana Podlipnik (47) und Dennis Schink (23) spendeten Stammzellen für sterbenskranke Menschen

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12. Juni 2015, 07:00 Uhr

Vor 16 Jahren hatte sich Jana Podlipnik in der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD) registrieren lassen. 14 Jahre später klingelt in ihrem Büro der Wöbbeliner Grundschule das Telefon. Jemand von der DSD meldet sich, sagt, dass die Schulleiterin als Spenderin in Frage kommt. „Das hat bei mir schon am Telefon ein großes Glücksgefühl ausgelöst“, sagt sie. „Ich konnte helfen und womöglich Leben retten.“ Nach medizinischen Voruntersuchungen muss sie sich selbst zehn Tage ein Medikament in die Bauchfalte spritzen, das die Produktion von Stammzellen anregt. Dann fährt sie nach Berlin, übernachtet in einem Hotel und spendet am nächsten Morgen ihre Stammzellen. „Das ist ganz einfach und tut gar nicht weh“, sagt sie. Vier Stunden läuft ihr Blut aus dem einen Arm über Katheter in eine Zentrifuge. Dort werden die benötigten Blutstammzellen herausgefiltert, bevor das Blut danach wieder in den anderen Arm zurückgeführt wird.

Wer die Stammzellen von Jana Podlipnik benötigt, erfährt die Wöbbeliner Lehrerin nicht. „Ich wusste nur, dass es jemand aus dem Ausland ist.“ Der Empfänger hat sich neun Monate später bei der DSD bedankt. „Das war das Schönste. Zu wissen, dass ein anderer Mensch irgendwo auf der Welt weiterleben kann, weil man selbst was abgibt.“ Mit ihrer Geschichte erfährt Jana Podlipnik nicht nur Respekt bei Freunden und in der Familie, sie überzeugt auch ihre Tochter, ihre Schwester, ihren Schwager und eine Kollegin, sich als Stammzellspender zu registrieren.

Dennis Schink musste nicht überzeugt werden. Der 23-jährige Kranken- und Altenpfleger aus Dömitz ist seit seinem 18. Lebensjahr Blutspender und ehrenamtlicher Helfer beim DRK. Bei der großen Typisierungsaktion für den siebenjährigen krebskranken Luis aus Ludwigslust hatte sich Dennis vor zwei Jahren als Stammzellspender registrieren lassen. Auch bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat Dennis ein Typisierungspaket mit Röhrchen und Wattestäbchen angefordert und es mit seiner Speichelprobe zurückgeschickt. Ende März wird auch Dennis von der DSD angerufen. „Ich war aufgeregt und plötzlich auch ein bisschen unsicher“, erzählt er. Dennis sollten direkt aus dem Knochenmark Stammzellen entnommen werden. In einer OP unter Vollnarkose. „Eine Woche vorher habe ich plötzlich gezweifelt“, erzählt er. Aber da hatten die Ärzte bei dem kranken Empfänger der Spende schon die Medikamente runtergefahren, um ihn auf die Transplantation vorzubereiten. Auch Dennis’ Freundin Laura macht ihm Mut: „Du hast das jetzt angeleiert. Du ziehst das jetzt durch.“ Anders als bei Jana Podlipnik wird der 23-Jährige, der unter einem Herzfehler leidet, im Vorfeld sehr aufwendig untersucht. Ärzte erläutern ihm die Prozedur, zeigen ihm die Nadeln mit Gewinde, mit denen ihm die Stammzellen aus dem Beckenknochen entnommen werden. Eineinhalb Stunden dauert die OP. Dennis braucht ein paar Stunden, sich zu erholen. Noch Tage später schmerzt sein Rücken. Aber auf die Frage, ob er noch einmal spenden würde, antwortet er sofort mit Ja. Auch Dennis hat einen Brief erhalten. Von der Mutter des Empfängers seiner Stammzellen. „Das Kind heißt Jonny und meine Spende war die letzte Chance, das es am Leben bleibt“, sagt Dennis. Für die DSD sind solche Treffer wie bei Dennis Schink und Jana Podlipnik „riesige Glücksfälle“, sagt Pressesprecherin Grit Gröbel. Nur zehn Prozent der weltweit registrierten Spender würden zu medizinischen Vortests gebeten. Von denen wiederum spenden tatsächlich nur noch ein Prozent.

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