Grabow : Sie macht Kinder zu Gemüse-Fans

Verona Rolke am Dampfgarer. Das Gemüse wird auf Sieben in Thermobehälter geschoben, damit es knackig bleibt.
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Verona Rolke am Dampfgarer. Das Gemüse wird auf Sieben in Thermobehälter geschoben, damit es knackig bleibt.

Yvonne Partes aus Grabow leitet die einzige DGE-zertifizierte Küche im Landkreis

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19. Januar 2018, 20:45 Uhr

Sie dürfen das Fleisch ablehnen. Und wenn es sein muss, auch mal die Kartoffeln. Aber wenn die Kinder bei der Essenausgabe das Gemüse verweigern, dann bleiben die Küchenfrauen eisern. „Ein Nein wird hier nicht akzeptiert“, sagt Yvonne Partes. „Wer kein Gemüse will, kriegt trotzdem einen Löffel. Wir nennen das Mäuseportion.“

Yvonne Partes ist Inhaberin von „imMENSAppetitlich“, dem einzigen nach DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zertifizierten Essenanbieter im Landkreis. Vor knapp zwei Jahren ist die 47-Jährige mit ihrem Team in den Ratskeller auf den Marktplatz nach Grabow gezogen. Von der Zentralküche im Hinterhof aus beliefert das kleine Unternehmen inzwischen sieben Kindergärten und vier Schulen. „Anfangs mussten wir ganz schön ackern, um Eltern und Pädagogen von unserem Konzept zu überzeugen“, sagt die Grabowerin. „Inzwischen geht die Initiative oft von den Eltern aus. Kitas melden sich bei uns, weil Eltern das Thema so wichtig ist.“ 825 Portionen verlassen täglich die Küche. Mehr als eintausend sollen es nicht werden. „Es muss überschaubar und persönlich bleiben, sonst verliert das Essen an Qualität“, sagt Partes. Wenn es nach ihr ginge, dann sollte es für gesunde Ernährung ein Gesetz geben. „Jedes Kind hat ein Recht auf gesundes Essen. Egal aus welchen sozialen Verhältnissen es kommt.“

Kinder an gesundes Essen heranzuführen sei ein Prozess, so Partes. „Das braucht Zeit und Kreativität.“ Wenn Porree in großen Mengen zurückkommt, dann wird Porree beim nächsten Mal püriert und als Soße kredenzt. Und wenn Kinder bei Kürbis oder roter Beete die Nase rümpfen, dann stampft der Koch das Gemüse so lange zwischen die Kartoffeln, bis das Püree knallorange oder violett wird. „Das sieht dann spannend aus und wird auch noch gern gegessen“, sagt Yvonne Partes. Auch sie musste sich erst an die strengen Vorgaben der DGE für das Zertifikat gewöhnen. Keine Butter, keine Sahne, mäßig Salz und nur 60 Gramm Zucker auf ein Kilo Quarkspeise. In dicken Ordnern sammelt sie Lieferscheine und dokumentiert Transportzeiten und die Temperaturen des Essens zum Zeitpunkt der Auslieferung. Aufklärung ist ihr wichtig. Sie besucht Ernährungsmessen, sitzt neben Starköchin Sarah Wiener in Talkrunden und referiert in Kitas auf Elternabenden. In Ludwigslust beliefert das Unternehmen inzwischen drei Schulen. Auch die Kita Parkviertel ist zum Grabower Caterer gewechselt. Skeptisch waren die Kinder auch bei uns erst, erzählt Kita-Leiterin Corina Kaiser. So sei Vollkornbrot anfangs nicht gut angekommen, weil die Kinder viel länger kauen müssen. Seit es das Brot häppchenweise gibt, essen die Kinder es problemlos. Die Kita arbeitet nach dem „Schüsselprinzip“. Es gibt ein Restaurant, in dem sich die Kinder aus Schüsseln auf den Tischen selbst bedienen. Gemüse landet inzwischen wie selbstverständlich auf jedem Teller. Und die Rohkost vorneweg holen sich die Kinder auch allein – von der Salattheke.

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