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Ludwigsluster Tageblatt

17. Oktober 2017 | 20:58 Uhr

Neustadt-Glewe : Sie lernen für die Integration

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Institut für Berufsbildung und Umschulung (ibu) in Neustadt-Glewe finanziert Unterricht für Flüchtlinge / Drei Dozenten im Einsatz

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2015 | 07:00 Uhr

„Ich laufe, du läufst, er läuft...“ Barbara Wendlandt schreibt die konjugierten Wörter an die Wandtafel und lässt sie von ihren Schülern nachsprechen. Die Schüler – das sind 25 Flüchtlinge, die „Schule“: Das Institut für Berufsbildung und Umschulung (ibu) in Neustadt-Glewe. Hier werden seit dieser Woche Flüchtlinge unterrichtet.

Ibu-Geschäftsführer Christian Rosenkranz erläutert: „Wir wollen einen Beitrag leisten, dass die Flüchtlinge die bestehende Situation bewältigen können und bei uns so schnell wie möglich integriert werden. Ein wesentlicher Schlüssel dabei ist die deutsche Sprache.“

Seit dieser Woche unterrichten drei Dozenten die Flüchtlinge, die in ehemals leeren Wohnungen in Neustadt-Glewe eine Unterkunft gefunden haben. „Neben unserer Sprache sollen sie dabei auch die deutsche Kultur kennen lernen, verstehen, warum wir zum Beispiel so seltsame Dinge an uns haben, wie Pünktlichkeit“, schmunzelt Rosenkranz. Die Flüchtlinge, die meisten kommen aus Syrien, aber auch z. B. aus Eritrea, dem Irak oder Ghana, werden bis Februar 2016 in insgesamt 300 Unterrichtsstunden (außer donnerstags jeweils montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr) unterrichtet. Ziel ist es laut Rosenkranz, dass sie viel über uns, wir aber auch über sie lernen.

Samir Allaham (46) kam mit seinen Söhnen Ayham (19) und Amjad (17) aus Syriens Hauptstadt Damaskus nach Neustadt-Glewe. Er war Taxifahrer, würde bei uns gerne wieder als Kraftfahrer arbeiten, am liebsten als Fernfahrer auf Brummis. Er spricht nur seine Muttersprache, doch beide Söhne und ein weiterer Flüchtling übersetzen für den SVZ-Reporter ins Englische. In den ersten drei Tagen haben sie auch schon einige deutsche Wörter gelernt: „Dankeschön“ oder „Guten Tag“ zum Beispiel.

Barbara Wendlandt hat ihnen aber auch schon die Sinne erklärt und eben auch konjugieren lassen: z. B. schmecken, hören, fühlen. „Mit den Umlauten haben sie noch Probleme, die kennen sie aus ihrer Sprache nicht“, so Wendlandt.

Die frühere Lehrerin für Mathe und Sozialkunde am Fachgymnasium in Ludwiglsust, die seit 2010 im Ruhestand ist, wurde von einer ibu-Mitarbeiterin angesprochen. „Für mich gab es kein Zögern, dass ich hier helfen werde“, sagt Barbara Wendlandt. „Ich hatte mir schon zuvor über das Thema Gedanken gemacht.“

Der Unterricht wird vom ibu finanziert, sagt Geschäftsführer Rosenkranz. „Lehrmaterial, wie Bücher, sponsern Firmen des Gewerbevereins Neustadt-Glewe: Die Dockweiler AG, das Architekturbüro Buck, Barbara Bonnem und das Blumengeschäft „Amber“ von Inhaberin Jana Nützmann“, sagt Christian Rosenkranz, der auch Vorsitzender des Gewerbevereins ist.

Nach seinen Worten könnten die Flüchtlinge, wenn sie unsere Sprache gelernt haben, in Unternehmen des Gewerbevereins Praktika absolvieren. „Entsprechend ihren Wünschen und Fähigkeiten“, betont Rosenkranz. Das gegenwärtige Projekt werde gemeinsam mit dem Landkreis und der Stadtverwaltung durchgeführt und sei Bestandteil des Bemühens der Neustädter zur Integration der Flüchtlinge in der Stadt und in Deutschland, so Rosenkranz.

 

 

 

 

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