Rüterberg : Sie füllt den Garten ins Glas

„Nichts tun fällt mir schwer“, sagt Katharina Behrens und verbringt viel Zeit im eigenen Garten und im Wald.   Fotos: Hennes (3)
„Nichts tun fällt mir schwer“, sagt Katharina Behrens und verbringt viel Zeit im eigenen Garten und im Wald. Fotos: Hennes (3)

Katharina Behrens sammelt Früchte jeder Art und macht daraus Aufstriche - zur Freude von Nachbarn und Durchreisenden

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27. August 2015, 21:00 Uhr

Neulich im Garten der Familie Behrens. Die Sonne ist längst untergegangen. Es regnet in Strömen. Während die Nachbarn ringsherum ihre Rollläden herunterlassen, flackert draußen am Brombeerbusch der Behrens’ noch Licht. Katharina Behrens sammelt Früchte. Mit der Taschenlampe unter dem Arm, sucht sie nach den weichen reifen Beeren ganz tief in der Mitte des Strauches. „Wenn ich einen Topf auf dem Herd habe, in dem noch Platz ist, dann gehe ich auch spontan raus und pflücke“, erzählt sie. „Die Nachbarn müssen denken, ich bin verrückt. Aber manchmal passiert das eben auch mal abends um zehn.“

Katharina Behrens (32), dreifache Mutter, arbeitet als Krankenpflegerin im Schichtdienst. Es gibt immer viel zu tun, ihr Tag ist ausgefüllt. Abends um acht, wenn die Kinder in ihren Zimmern verschwunden sind, dann ruft Katharina kurz durchs Haus: „Ich gehe jetzt pflücken.“ Für sie ist das der beste Ausgleich zum Alltag. „Ich finde so zurück zur Ruhe.“

Angefangen hat alles vor zwei Jahren an der wilden Brombeerhecke im Dorf. Dort schimmelten die Beeren und fielen ungenutzt zu Boden. „Ich fand das schade und habe begonnen, aus den Beeren Marmelade zu machen.“ Und weil Brombeermarmelade auf die Dauer eintönig wird, stockt die 32-Jährige schon bald ihre Zutaten auf. Sie sammelt beim Nachbarn die Pflaumen, bei den Schwiegereltern die Sauerkirschen. Im Wald bei Lübtheen pflückt sie Blaubeeren und in Dömitz erntet sie Sanddorn. Von einer anderen Nachbarin bekommt Katharina den Tipp, Rosenblüten zu verarbeiten. Später sammelt sie auch Holunderblüten, sogar Kürbis wird ausprobiert. Fast achtzig verschiedene Sorten Fruchtaufstriche hat die 32-Jährige dieses Jahr in hunderte Gläser gefüllt. Seit Brigitte Königstedt, Betreiberin des Wohnmobilstellplatzes im Ort, sie bat, einen kleinen Verkaufstisch für die Womo-Touristen aufzustellen, kommen die Anfragen aus ganz Deutschland. Weil ihre Gläser länger als 24 Stunden in der Auslage stehen und sie ihre Gläser heute auch verschickt, hat Katharina Behrens inzwischen ein Nebengewerbe angemeldet. „Es bleibt mein Hobby“, sagt sie. „Und so lange es zeitlich möglich ist, werde ich weitermachen.“ Selbst wenn sie wie neulich dafür bis kurz vor Mitternacht in der Küche steht. Die Motivation kommt oft von ganz allein. Als sie in der Zeitung las, dass „Erdbeere-Balsamico“ zum Eis des Jahres gekürt wurde, probierte sie die Mischung gleich zuhause. Mit Erdbeeren aus dem Garten und Balsamico-Essig. Der Aufstrich ist heute so beliebt, dass sie nachkochen musste. „Ich experimentiere gern“, sagt sie. „Das ist ähnlich wie beim Malen eines Bildes. Man fängt an und weiß nie, was am Ende dabei herauskommt.“ Ihre neueste Kreation füllt ein kleines Becherchen auf dem Küchentisch. „Heidelbeere-Rosmarin“. Katharinas Mann ist der erste, der probieren darf. Auch Katharinas Kinder entscheiden mit, was ins Glas kommt und was nicht. Für sie tüftelt die Mama gerade an einer ganz besonderen Spezialität: „Sauerkirsche mit Schokotropfen.“

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