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Ludwigsluster Tageblatt

20. September 2017 | 20:25 Uhr

Neustadt-Glewe : Sie erlernen den Tiefdruck

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christa Schenk hatte Teilnehmer des Malzirkels diesmal in ihr Atelier nach Neustadt-Glewe eingeladen

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 07:00 Uhr

„Das sieht doch schon ganz gut aus, nur beim nächsten Mal etwas mehr Farbe nehmen.“

So ein Bild im Tiefdruckverfahren herzustellen, ist gar nicht so einfach. Doch die rund ein Dutzend Frauen und ein Mann, die sich an diesem Nachmittag treffen, wollen genau dies lernen. Und haben dafür genau die richtige „Lehrerin“ – nämlich die Neustädter Künstlerin Christa Schenk.

Zuhause ist der Malkurs sonst eigentlich in den Räumen des Behindertenverbandes in Ludwigslust. Doch diesmal hat Christa Schenk ihre „Schüler“ in die eigene Werkstatt in Neustadt-Glewe eingeladen. „Wir haben vor ein paar Tagen im Ludwigsluster Schlossgarten gemeinsam Skizzen von der Steinernen Brücke angefertigt. Nun wollen wir daraus Radierungen herstellen“, erläutert Christa Schenk.

Die Kursteilnehmer haben daheim bereits Vorarbeit geleistet und mit der Radiernadel die Linien aus der Skizze in eine Plexiglas-Platte geritzt. An diesem Nachmittag nun soll daraus in besagtem Tiefdruckverfahren eine Radierung entstehen.

In Kurzform geht das so: Die Farbe wird auf die Platte gebracht und fließt in die eingeritzten Linien. Anschließend wird die überschüssige Farbe abgewischt. „Dann kommt der spannende Teil“, weiß Christa Schenk. Dabei wird nämlich die Platte auf Tiefdruckpapier gelegt und durch eine Mangel gezogen, ähnlich Omas einstiger Wäschemangel. Durch den enormen Druck wird die Skizze von der Platte praktisch auf das Papier gebracht.

Monika Spiehs aus Sülte kam über einen Bekannten in den Malzirkel. „Er war mal im Rahmen von ,Kunst offen’ im Atelier von Christa Schenk und total begeistert. Diese Möglichkeit habe ich dann auch mal genutzt und – ja, nun bin ich im Malzirkel.“

Übrigens hat Monika Spiehs zuhause noch eine Zeichnung der Sülter Kirche angefertigt und die Skizze ebenfalls auf eine Plexiglas-Platte übertragen. An diesem Nachmittag will sie daraus auch eine Radierung nach eingangs erwähnter Methode entstehen lassen. Der eigentlich spannende Moment ist, wenn nach der „Bearbeitung“ durch die Mangel die Schutzhülle hochgenommen wird und das Bild zum Vorschein kommt. „Sieht doch super aus“, lobt Christa Schenk, als die Kirche in blauer Farbe zum Vorschein kommt.

Christina Buske aus Ludwigslust ist seit einem Jahr im Zirkel von Christa Schenk. „Ich habe bei ihr das Malen gelernt. Eigentlich male ich außer Porträts alles“, verrät Christina Buske. Der einzige Mann in der Runde ist Rainer Linow aus den Ludwigsluster Lewitz-Werkstätten. „Ich bin seit 2015 dabei. Es hatte sich herumgesprochen, dass man hier malen kann und so bin ich in den Zirkel gegangen.“

Übrigens wird an diesem Nachmittag nicht nur gearbeitet. Einige haben selbstgebackenen Kuchen und Naschereien mitgebracht, sogar eine Platte mit belegten Brötchen ist dabei. Christa Schenk ihrerseits spendiert unter anderem Kaffee.

Natürlich wird an der Kaffeetafel auch geplaudert. Christa Schenk schmunzelt, als sie die Geschichte eines ihrer Bilder erzählt, dass heute noch in ihrer Werkstatt zu sehen ist. Es zeigt eine Gruppe wohl jüngerer Leute, die auf das Meer blicken. „Es sollte 1989, also noch vor der Wende, in einer Kreisausstellung gezeigt werden. Nur der Name des Bildes passte den Machthabern nicht. Ich hatte es nämlich ,Fernsucht’ genannt. Da kam dann doch wirklich jemand von der Partei zu mir und meinte, die Leute auf dem Bild würden alle Richtung Westen gucken. Das und dazu der Titel ,Fernsucht’ würden nun überhaupt nicht zusammen passen. Also musste ich die Arbeit umtiteln und nannte es dann ,Ein Schiff wird kommen’.“

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