Über 200 Jahre verschollene Ludwigsluster Architekturdokumente gefunden : Sensationeller Fund vorgestellt

Sigrid Puntigam zeigt  eine historische Zeichnung der Stadtkirche Ludwigslust. dpa
Sigrid Puntigam zeigt eine historische Zeichnung der Stadtkirche Ludwigslust. dpa

Eine wissenschaftliche Sensation: Die Kunsthistorikerin Sigrid Puntigam entdeckte in der Landesbibliothek in Schwerin einen "Planschatz" von 330 bisher unbekannten Architekturzeichnungen.

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07. Oktober 2011, 07:57 Uhr

Schwerin/Ludwigslust | Eine wissenschaftliche Sensation ist der Kunsthistorikerin Sigrid Puntigam gelungen. Sie entdeckte in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin einen "Planschatz" von 330 bisher unbekannten Architekturzeichnungen, darunter verschollene Skizzen des Ludwigsluster Schlosses.

Bei Recherchearbeiten zum Schloss Ludwigslust, die sie im Auftrag der Landesschlösserverwaltung im Hauptarchiv betrieb, entdeckte sie auf der Rückseite eines Dokuments einen Verweis, dass sich die Plandokumente in der Landesbibliothek befinden sollten. Nach eigenen Angaben ließ sie daraufhin sofort "alles stehen und liegen, da dieser Fund für einen Kunsthistoriker einen Sechser im Lotto darstellt" und fand diese tatsächlich unter der angegebenen Bezeichnung. Diese Sammlungen dienten, neben Büchern, zur Ideenfindung und Planung neuen Bauprojekten. An dieser unberührten Sammlung kann nun anhand schriftlicher Verweise und Zeichnungen den Fragen nachgegangen werden, was die Herzöge interessierte und worin der wirkliche Anteil des Bauherren in der Planung lag. Da auch Pläne zum Landbau-, Gartenbau-, und Kirchenbauwesen enthalten sind, werden spektakuläre neue Ergebnisse erwartet, die die mecklenburgische Architektur in ein komplett neues Licht setzen. Diese sei bisher unterbewertet, so Sigrid Puntigam weiter. So wurde unter anderem der Vorgängerbau des Schlosses Ludwigslust, das Jagdschloss Klenow, das bisher immer für einen einfachen Bau gehalten wurde, sehr ambitioniert geplant. Davon zeugen die Entwürfe Johann Friedrich Künneckes, der hierbei wirkte. Für Ludwigslust ist dieser Fund auch deshalb besonders bedeutend, da hier Pläne des Schlosses, der Böden, des Treppenhauses oder der Gartenanlage von Johann Joachim Busch enthalten sind, die teilweise direkt so umgesetzt wurden und bisher als nicht mehr existent galten.

Die Antwort auf die Frage, warum die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Objekte bisher nicht zugeordnet wurden, liegt darin, dass eine Plansammlung sonst nur in Spezialmuseen oder bestimmten Kupferstichkabinetten vorhanden ist. Sie gehört nicht zu den klassischen Sammelobjekten einer Bibliothek und wurde deshalb bisher nicht gelistet. Nach dem Umzug der Landesbibliothek 2004 waren sich die Leiter der Bibliothek einig, dass sie "etwas Besonderes" in ihrem Bestand hatten, benötigten aber den Anstoß durch Sigrid Puntigam, die den tatsächlichen Wert einschätzen konnte. Im weiteren Verlauf soll die Sammlung nun vollkommen inventarisiert werden, dem folgt ein Symposium mit Experten, bevor ein Bestandskatalog erstellt werden kann und eine Ausstellung für die Öffentlichkeit stattfindet.

Zum weiteren Fundus gehören Briefe bedeutender Architekten aus dem 18. Jahrhundert sowie verschiedene Skizzen, so auch des Schlosses in Schwedt, das bisher als eines der wenigen zugeordnet werden konnte. Aber auch spektakuläre Entwürfe, die nicht für Mecklenburg gedacht waren und überregionale Bauwerke, die erst noch zugeordnet werden müssen, finden sich. "Diese Orte wissen nicht, dass diese Skizzen hier liegen und existieren", so Sigrid Puntigam. Auch das "Prunkstück" der Sammlung, der Gartenplan des Schweriner Schlossgartens, wird nicht zu großen "Restaurierungsaktionen" führen, da es sich um Entwürfe handelt, die nicht unbedingt so umgesetzt worden sind. Dennoch wird dieser Fund "die Architektur bereichern".

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