Ludwigslust : „Schwedenkelch“ wieder zuhause

Pastor Albrecht Lotz (2.v.l.) mit dem von Silberschmied Thomas Wurm (Mitte) restaurierten Kelch. Vom Landeskirchenamt war Dr. Antje Heling-Grewolls bei der Übergabe dabei, für die Sparkassenstiftung Arne Laß (r.). Stefan Bockentin, 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderats, präsentiert die ebenfalls restaurierte Patene. Fotos: andreas münchow
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Pastor Albrecht Lotz (2.v.l.) mit dem von Silberschmied Thomas Wurm (Mitte) restaurierten Kelch. Vom Landeskirchenamt war Dr. Antje Heling-Grewolls bei der Übergabe dabei, für die Sparkassenstiftung Arne Laß (r.). Stefan Bockentin, 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderats, präsentiert die ebenfalls restaurierte Patene. Fotos: andreas münchow

Restaurator Thomas Wurm aus Erfurt übergab Kostbarkeit im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirche in Ludwigslust

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05. Mai 2017, 19:00 Uhr

Eine Kostbarkeit ist nach Ludwigslust zurückgekehrt: Der sogenannte „Schwedenkelch“ hat nun wieder seinen Platz in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gefunden. Der Erfurter Silberschmied Thomas Wurm hat den Kelch einschließlich der Patene in monatelanger Filigranarbeit restauriert. Jetzt hat der Restaurator den Schatz im Ludwigsluster Gemeindehaus an Pastor Albrecht Lotz übergeben.

Als Thomas Wurm und sein Kollege Uwe Nossmann den Kelch vor fast genau einem Jahr zwecks Restaurierung erhielten, sah es um den Schatz nicht gut aus. „Die Oberfläche war zum Teil zerkratzt und verunreinigt, der Fuß wies Verformungen, Risse und Brüche auf. Thomas Wurm: „Schäfte und Nodus hatten Schäden am Email, Fassungen der Steine waren beschädigt, einige Steine fehlten völlig. Die Kuppa hatte sehr viele Weinfraßlöcher, Risse und Brüche, der Boden begann sich durchzusetzen. Und auch die Patene (Teller – d. Red.) hatte Beulen und einen langen Riss.“

In der Erfurter Werkstatt zerlegten die Restauratoren den Kelch in seine Einzelteile, nahmen Schmutz und Rost ab. Und natürlich wurden sämtliche Schäden, die im Verlauf der Jahrhunderte entstanden, beseitigt. „Vor allem der Nodus (Griff – d. Red.) wies Schäden auf. Die kamen auch daher, wenn einst die Bischöfe mit ihren stark beringten Fingern den Kelch anfassten“, so Thomas Wurm mit einem Schmunzeln.

Glücklicherweise gab es stets Anhaltspunkte zum früheren Aussehen, beispielsweise welche Farben das Email aufwies oder welche Edelsteine fehlten.


Im Original wiederhergestellt


„So konnten wir selbst da, wo scheinbar keine Farben mehr waren, dank 40-facher Vergrößerung unter dem Mikroskop Reste finden. Es gab so keine Zweifel, wie das Ganze einst im Original ausgesehen hat“, so Thomas Wurm. Dank vorhandener Edelsteine konnten fehlende Steine originalgetreu ersetzt werden.

Klar, dass sich Pastor Albrecht Lotz über den restaurierten Kelch freut. „Die Kirche ist für mich kein Museum und der Kelch so auch kein Museumsstück. Wir verwenden ihn zu besonderen Feierlichkeiten, also bei der Konfirmation und der Goldenen Konfirmation“, sagt Pastor Lotz und ergänzt: „Dadurch, dass er nichts Alltägliches ist, ist der Kelch etwas Besonderes. Wir trinken aus ihm nicht irgendeinen Wein oder Traubensaft, sondern einen ganz besonderen Rotwein: Indem wir teilhaben an Leben und Sterben Jesu sowie seiner Auferstehung drücken wir das Besondere aus.“

Dr. Antje Heling-Grewolls, Kunst- und Kulturgutreferentin im Landeskirchenamt, betonte die Bedeutung des Kelchs als Kulturgut: „Wir haben hier ein Objekt aus vorreformatorischer Zeit. Und das ist ein großer Glücksfall. Denn viele Kelche aus jener vorreformatorischen Zeit gingen einst verloren, weil sie zum Beispiel eingeschmolzen und zu Geld gemacht wurden.“


Kelch als Brautgabe nach Mecklenburg


Auf welche Weise der „Schwedenkelch“ nach Ludwigslust gekommen sein könnte, gibt ein Schreiben vom 13. August 1956 Auskunft.

Darin fragt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg in der Außenstelle Schwerin des Instituts für Denkmalpflege der DDR an, ob der Kelch für eine Ausstellung in Stockholm entliehen werden kann. Zum Kelch heißt es in dem Schreiben, dass jener „von dem schwedischen Ritter Ulf Abörnesson kurz nach dem Jahre 1330 in Auftrag gegeben und wahrscheinlich von König Gustav Wasa seiner Tochter Elisabeth, der Gemahlin Herzog Christophs von Mecklenburg, als Brautgabe geschenkt worden ist. Auf diese Weise dürfte er nach Ludwigslust gekommen sein.“

Erkenntnissen von Referentin Dr. Antje Heling-Grewolls zufolge ist ungeklärt, ob der Kelch schon bei der Einweihung der Ludwigsluster Schlosskirche 1770 zu ihrem Inventar gehörte. Klar sei aber, dass er aus dem Besitz der mecklenburgischen Herzöge in die Schlosskirche kam. „Der Kelch könnte schon durch Carl Ulfson, den Sohn des Ulf, nach Mecklenburg gekommen sein, denn er war Rath des mecklenburgischen Herzogs Albrecht und besorgte 1365 in dessen Abwesenheit in Mecklenburg die Regierungsgeschäfte und führte den Armeebefehl“, so Dr. Antje Heling-Grewolls.

Neben der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Norddeutschland unterstützte auch die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin für die Region Ludwigslust / Hagenow, die Restaurierung des Kelchs. Arne Laß, Vorstandsmitglied in der Stiftung, sagte: „Es handelt sich um ein ganz besonderes Stück und so war es für uns sofort klar, dass wir das Ganze unterstützen. Und jetzt, wo ich die Kostbarkeit hier sehe, ist es nochmals etwas ganz Anderes, als nur einen Antrag in der Hand zu haben.“

Wie Pastor Albrecht Lotz betont, war auch die Ludwigsluster Kirchengemeinde mit einem Eigenanteil an der Restaurierung beteiligt.

Der „Schwedenkelch“ ist übrigens 1163 Gramm schwer, 20 Zentimeter hoch und mit etwa 100 Edelsteinen besetzt. Laut Pastor Lotz ist der Silberkelch einer der wertvollsten seiner Art in Norddeutschland. Er werde sicher aufbewahrt, wenn er nicht genutzt wird, allerdings nicht in der Kirche, wie Küster Thomas Konradt sagte.

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