Ludwigslust : Schulsozialarbeit: Kinder vor verschlossener Tür

Seit zwei Wochen bleibt diese Tür verschlossen. Die Fritz-Reuter-Schule sucht jetzt dringend nach einem Nachfolger für Schulsozialarbeiterin Corinna Wolf.
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Seit zwei Wochen bleibt diese Tür verschlossen. Die Fritz-Reuter-Schule sucht jetzt dringend nach einem Nachfolger für Schulsozialarbeiterin Corinna Wolf.

Nach Weggang vor Corinna Wolf kündigt Jugendhilfeverein die Trägerschaft für Stelle an Fritz-Reuter-Schule

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11. März 2016, 09:45 Uhr

Wieder sorgen Neuigkeiten aus der Schulsozialarbeit für Unruhe bei Eltern und Lehrern. Nachdem die AWO im vergangenen Jahr die Trägerschaft für alle ihre Schulstandorte im Landkreis abgegeben hat, zieht sich offenbar nun auch der Jugendhilfeverein e.V. aus den Schulen zurück. Wie Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach auf der jüngsten Sozialausschusssitzung auf Nachfrage eines besorgten Vaters informierte, habe der Verein die Trägerschaft für die Schulsozialarbeit in der Fritz-Reuter-Grundschule gekündigt. Anlass dafür, so die Geschäftsführerin Liane Bäu gegenüber SVZ, sei die freiwillige Kündigung der Schulsozialarbeiterin vor den Winterferien gewesen. „Wir haben aber keineswegs vor, uns ganz aus den Schulen zurückzuziehen. Die Regionale Schule in Grabow ist davon nicht betroffen“, so Bäu.

Tatsächlich aber glauben die Pädagogen an den betroffenen Schulen, dass die Träger den immensen Verwaltungsaufwand für die Beschäftigung eines Schulsozialarbeiters scheuen. Die Drittelfinanzierung der Stelle und die an die EU-Förderung geknüpften Auflagen waren auch für die AWO mit ein Grund, keine Schulsozialarbeiter mehr einzustellen. „Dazu kommt, dass Schulsozialarbeiter sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln“, sagt Cornelia Schubring, Leiterin der Reuterschule. „Eigentlich müsste Schulsozialarbeit Sache des Schulamtes sein und nicht die der freien Träger.“ Den Weggang von Schulsozialarbeiterin Corinna Wolf kann die Schule kaum verkraften. Sie fehle in doppelter Hinsicht, so Schubring. „Als Mensch, weil sie Vertrauen zu Lehrern, Schülern und Eltern aufgebaut hat. Und als Fachkraft, weil sie Projekte entwickelt hat, die nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken sind.“ Schlange hätten die Kinder in den Pausen vor Corinna Wolfs Büro gestanden. Auch während der Schulstunden sei sie oft der Rettungsanker für die Lehrer gewesen, habe sich um Kinder gekümmert, damit der Unterricht ungestört weitergehen konnte. Schulleiterin Schubring fühlt sich mit dem Problem jetzt allein gelassen und fragt sich: „Darf ein Schulsozialarbeiter eigentlich gehen, ohne dass die Nachfolge gesichert ist?“

Auf ihrer Internetseite sucht die Reuterschule jetzt auf eigene Initiative nach einem Schulsozialarbeiter, obwohl das eigentlich Aufgabe des Trägers ist. „Einfach wird die Suche nicht“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach. „Wir wissen ja, dass es momentan überall an Fachkräften mangelt.“

Beim Landkreis hält man sich zum neuen möglichen Träger noch bedeckt. Es gebe zwei Bewerber, heißt es im Fachbereich Kinder- und Jugendarbeit. Der Jugendhilfeausschuss werde dazu in seiner nächsten Sitzung am 20. April in Ludwigslust beraten.

Dass Corinna Wolf für eine neue feste Anstellung als Krankenhaus-Sozialarbeiterin ihre Sozialarbeiterstelle in der Schule gekündigt hat, verübeln ihr weder Lehrer noch Eltern. „Ich habe Verständnis dafür“, sagt Elternratsvorsitzender Jens Nelius. „Wer immer nur in Jahresverträgen beschäftigt wird, sucht sich was Sicheres.“ Schulleiterin Cornelia Schubring erklärt es so: „Gute Leute gehen da hin, wo sie ordentliche Verträge bekommen.“

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