Ludwigslust : Schulsozialarbeit: Freier Träger gibt auf

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Arbeiterwohlfahrt kündigt sieben Fachkräften und nennt als Grund die strengen Auflagen der Förderung: Schulen in Dömitz, Neustadt-Glewe und Lulu betroffen

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22. September 2015, 12:00 Uhr

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich die Arbeiterwohlfahrt aus der Schulsozialarbeit. Der Kreisverband hat zum Ende des Jahres allen Kollegen an seinen sieben  Standorten im Landkreis gekündigt.  Betroffen sind die beiden Förderschulen in Ludwigslust und Dömitz, die Regionalen Schulen in Neustadt-Glewe, Rastow, Lübtheen, Zarrentin und Picher (SVZ berichtete). Mit ihrer Entscheidung hat Awo-Kreisgeschäftsführerin Caroline Bockmeyer für Erstaunen beim Landkreis  gesorgt. So ganz aus dem Nichts  kam die Nachricht aber nicht. „Wir wissen seit  zwei Jahren, dass die freien Träger mit der überbordenden Bürokratie  überlastet sind“, sagt Wolfgang Schmülling, Beigeordneter des Landrats. „Viele sind es leid, so viel Zeit und Aufwand in die  Verwaltung der Schulsozialarbeit zu stecken ohne dafür zusätzliche Verwaltungspauschalen zu bekommen.“

Auch Caroline Bockmeyer, selbst Mitglied im Kreis-Jugendhilfeausschuss, hatte das mehrfach in den Sitzungen moniert. „Wir dokumentieren und dokumentieren. Dabei geht uns immer mehr Zeit für die eigentliche Arbeit verloren. Und unterm Strich buttern wir zu.“

Der Hauptgrund für ihre Entscheidung aber sei ein anderer: Für die Förderung aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds muss sich der freie Träger verpflichten, die Schulsozialarbeiter nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu bezahlen. „Unser Verband hat mit Verdi aber einen eigenen Tarif ausgehandelt“, sagt Caroline Bockmeyer. „Würden wir die ESF-geförderten Schulsozialarbeiter nun nach TVöD bezahlen, wären unsere anderen Sozialarbeiter, z.B. aus der sozialpädagogischen Familienarbeit, schlechter gestellt.“ Das schaffe sozialen Unfrieden. Die Entscheidung sei also eine rein moralische gewesen.  „Entweder es geht allen gleich gut oder gleich schlecht“, sagt sie. Natürlich mache diese Entscheidung „auch ganz persönlich etwas mit ihr“. Aber hier gehe es darum, endlich mal Flagge zu zeigen. „Und eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass andere Träger das ähnlich sehen.“

Den gekündigten sieben Kolleginnen hat die Awo neue Stellen  innerhalb des Verbandes  angeboten, darunter zwei Erzieher-Stellen, die einer  Kitaleiterin und die einer Sozialpädagogin im Kinder- und Jugendhaus Dömitz. Keine habe ein Angebot angenommen, statt dessen hätten bereits zwei Kolleginnen ihren Aufhebungsvertrag unterschrieben und die Schulen in Rastow und Dömitz verlassen.  Die anderen Kollegen hoffen, dass es irgendwie weitergeht. In Neustadt-Glewe hat bereits der Sozialausschuss signalisiert, dass eine Lösung gefunden wird. „Wir sind mit mehreren Trägern im Gespräch“, sagt Ausschussvorsitzende Silvia Weinaug und garantiert: „Es wird weitergehen.“  Schulleiterin Ute Ott hofft jetzt, dass die Kollegin bleiben kann. „Sie hat über Jahre Vertrauen zu den Kindern  aufgebaut und gute Arbeit geleistet. Wir brauchen sie.“

Laut Wolfgang Schmülling vom Landkreis werde derzeit intensiv daran gearbeitet, für alle offenen Stellen  einen  Träger  zu finden.  Der Wunsch, die kreiseigene Gesellschaft BBS Start könne die  Stellen komplett übernehmen, hatte sich schnell  zerschlagen. Die Gespräche scheiterten  auch hier an der Frage zum  Gehalt.

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