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Ewald Rathsack aus Neustadt-Glewe : Schuhmacher aus Leidenschaft

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Das Reich von Ewald Rathsack aus Neustadt-Glewe ist klein. In seiner Werkstatt näht, nagelt und klebt er Schuhe seiner Kunden zusammen. Auch mit 82 Jahren ist er noch immer mit Herzblut bei der Sache.

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erstellt am 21.Dez.2012 | 06:13 Uhr

Neustadt-Glewe | Das Reich von Ewald Rathsack ist klein. Werkzeugtisch, Schleif- und Nähmaschinen, Regale - alles vielleicht gerade mal 40 Quadratmeter. Aber für den 82-Jährigen ist die Werkstatt in der Neustädter Bahnhofstraße sein Leben: "Ich bin heute der einzige Schuhmacher in Neustadt-Glewe." Wer mit kaputten Schuhen oder Stiefeln zu Rathsack kommt, dem wird garantiert geholfen. Denn seine Lebensmaxime fasst der Schuhmacher so zusammen: "Den Satz ´Das geht nicht`, den gibt es bei mir nicht."

Meist kommen die Kunden mit Schuhen, deren Sohlen sich gelöst haben. Was dann zu tun ist, entscheidet Rathsack je nachdem, wie das Material beschaffen ist. "Manchmal klebe ich die Sohle halt wieder an", sagt er. Aber nicht immer würde das auch wirklich halten. "Heute haben viele Schuhe Nähte, die gar keine sind. Die Naht ist meist nur Attrappe. Dann sorge ich für eine richtige Naht und nähe die Sohle fest an das Oberleder der Schuhe. Das hält auf jedenfall", weiß Ewald Rathsack.

Vor allem viele Damen kommen in seine Werkstatt und bringen ihre Stiefel zur Reparatur. Meist haben sich die Absätze gelöst und müssen wieder angenagelt werden. Manchmal geht das ganz schnell und die Kundinnen können ihre heilen Stiefel oder Absatzschuhe gleich mitnehmen. Winterzeit ist für Reißverschlüsse keine gute Zeit. "Die gehen in der Kälte schnell mal kaputt", erzählt Rathsack. Für solche Fälle hat er Reißverschlüsse als Meterware auf Lager, näht sie in Stiefel oder Jacken ein. Manchmal reißt aber nur der Schieber vom Reißverschluss ab. Auch diese Schieber liegen im Schubfach bereit.

"Einen solchen Schieber habe ich zuletzt auch unserer Pastorin in einen Stiefel-Reißverschluss eingenäht", erinnert sich Ewald Rathsack. Pastorin Silke Draeger: "Herr Rathsack arbeitet schnell und gut. Es ist schön, dass wir einen wie ihn in der Stadt haben."

Ewald Rathsack hat sein Handwerk in der Lehre von 1947 bis 1950 erlernt. Danach arbeitete er viele Jahre im Lederwerk, allerdings nicht in deren Schuhmacherei. 1984 beantragte er, privater Schuhmacher zu werden. Seitdem führt er seine Werkstatt mit einer Unterbrechung zwischen 1996 und 2001, als sein Enkel das Geschäft leitete.

"Der Kundenstrom hat nachgelassen", trauert Ewald Rathsack ein wenig. "Doch ich mache diese Arbeit gerne, weil ich den Menschen halfen kann. Solange ich körperlich und geistig auf der Höhe bin, mache ich weiter."

Offiziell hat er dienstags und donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Aber viele Kunden finden ihn meist auch an den anderen Tagen in der Werkstatt.

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