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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 06:20 Uhr

Tag der Befreiung : Schütt entging dem Lager

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wie die Menschen in der Region die letzten Tage des II. Weltkrieges erlebten

Zwischen dem 15. und 26. April wurden noch einmal westlich von Ludwigslust alle Kräfte mobil gemacht mit dem Auftrag: „Befreiung des Führers“. Folgende Einheiten waren in unserer Gegend stationiert: Artillerie-Regiment in Redefin, Pionierbataillon in Kuhstorf, Nachrichten-Abteilung in Strohkirchen, Feld-Ersatz-Bataillon in Groß Krams und I. Bataillon in Picher. Der Divisionsgefechtsstand war in Jasnitz. Auch der junge Walter Schütt (geb. 21.11.29) wäre beinahe Kriegs- bzw. Nachkriegsopfer geworden. Er war im Wehrertüchtigungslager in Zarrentin, kam nicht zum Arbeitsdienst, entzog sich der Musterung zur SS und wurde für die Wehrmacht gemustert und eingezogen. Schon am 1. Mai 1945 traf er wieder in Belsch ein. Ohne triftigen Grund geriet er bald in die Fänge der sowjetischen Besatzungsmacht. Nach Verhören durch Kriegs- und Zivilkommandanten in Gößlow, Redefin und Belsch wurde er bei Walter Güldenpenning für eine Nacht in den Keller gesperrt. Walter hatte sich ein bisschen mit dem Belscher Kommandanten – ein Serbe – angefreundet. Am nächsten Morgen brachte der Kommandant Walter zu seinen Eltern. Dadurch entging er einem schrecklichen Schicksal, dem Internierungslager „Fünf Eichen“ zwischen Neubrandenburg und Burg Stargard gelegen. SS-Leute und besonders aktive Nazis, auch Bürgermeister und Ortsbauernführer sollten hart bestraft werden. Drei ehrenwerte human handelnde Belscher, früher Mitglieder der verbotenen SPD, Fritz Saß, Willi Lammert und Fritz Schütt, jetzt im antifaschistischen Block tätig, strichen die für die Internierung vorgesehenen Männer und bewahrten sie vor dem fast sicheren Tod. Ironie des Schicksals: Vater Fritz Schütt bewahrt aktive Nazis vor dem Internierungslager, während der eigene knapp 16- jährige Sohn, sicher unschuldig, beinahe dort gelandet wäre. In den ersten Nachkriegswochen war Westmecklenburg bis an die Linie Wismar- Ostufer Schweriner See - Grabow - Dömitz von den Engländern besetzt. Am 1. Juli 1945 besetzte die Rote Armee unser Gebiet bis an die schon auf Jalta festgelegte Demarkationslinie und bis 1990 bestehende innerdeutsche Grenze.

Die Soldaten der Roten Armee haben der Bevölkerung von Mecklenburg oft großes Leid gebracht, traten aber bei uns schon ruhiger und besonnener auf, dennoch kam es noch zu Überfällen, Plünderungen, Vergewaltigungen und auch Tötungen in den ersten Nachkriegsjahren.

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