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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:53 Uhr

Ludwigslust : Schülern die „Hölle“ ersparen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ehemalige Drogenabhängige berichten beim Präventionstag im Ludwigsluster Goethe-Gymnasium von ihren Erfahrungen

von
erstellt am 09.Apr.2014 | 18:00 Uhr

„Ich möchte nicht, dass die Jugendlichen durch die gleiche Hölle wie ich gehen müssen. Deshalb bin ich heute hier.“ Der das sagt, weiß wovon er spricht. Tommy Fritsche war früher drogenabhängig. Am Mittwoch war der 25-Jährige gemeinsam mit zwei weiteren ehemals Rauschgiftabhängigen ins Ludwigsluster Goethe-Gymnasium gekommen. Ramona Stein, Lehrerin und Kooperationsmanagerin am Gymnasium, hatte, wie schon in der Vergangenheit, erneut einen Präventionstag gegen Sucht für die 9. Klassen organisiert.

Tommy Fritsche, Julia Klug (26) und Robert Kunath (34) sind bereits entgiftet, also „clean“ und werden derzeit in der Fachklinik für Drogenabhängige „Schloss Tessin“ behandelt. Hier geht es vor allem darum, die psychischen Folgen des früheren Drogenkonsums zu behandeln, wie Olaf Saretzki, Lehrer in der Klinik, erläuterte. Die Patienten aus der Klinik und Frank Plamp (45), ehemaliger Alkoholiker, berichteten darüber, wie sie einst in den Drogen- bzw. Alkoholsumpf gerieten, die Sucht erlebten und von ihr loskamen. Geduldig beantworteten sie die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema. Auf eine entsprechende Frage beschrieb Tommy Fritsche, der aus Senftenberg (Brandenburg) stammt, sein einstiges Problem: „Ich habe von 2011 bis Ende 2013 Drogen genommen, vor allem Crystal und LSD. Ausgangspunkt war die Trennung von Freundin und Kind. Ohne Drogen ging dann nichts mehr. Durch das Rauschgift habe ich manchmal sieben und mehr Tage nicht geschlafen, kaum gegessen oder getrunken. Irgendwann verkraftet der Körper das nicht mehr. Rausgekommen aus der Sache bin ich, als ich meiner Mutter sagte, dass ich Crystal nehme. Sie ging mit mir dann zur Suchtberatung.“

Julia Klug geriet nach eigener Aussage durch den falschen Freundeskreis in Abhängigkeit. Sie nahm im Mai 2009 erstmals Crystal, zunächst ein- bis zweimal im Monat, später täglich. Sie stammt aus Regensburg in Bayern, besorgte sich das Zeug in Tschechien. Welche Auswirkungen die Drogen auch heute noch haben, beschreibt Robert Kunath, der seit zehn Jahren „clean“ ist. „Ich habe 2004 mit den Drogen aufgehört, aber noch heute spüre ich die Auswirkungen wie Halluzinationen. So bin ich einmal durch Leipzig gegangen, war fest davon überzeugt, dass es regnet. Als ich dann in einem Kaufhaus war, meinte ich immer noch, dass es regnet.“

Für die Gymnasiasten war der Präventionstag sehr lehrreich. Jessica Harbach-Turowski (15) meint: „Ich habe Respekt, wie sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und jetzt die positiven Seiten des Lebens sehen. Die Gäste haben uns deutlich gesagt, welche körperlichen und geistigen Schäden Drogen anrichten können. “ Marius Göttsching (16) findet: „Diese Menschen reden aus eigener Erfahrung über Drogenkonsum und dessen Folgen. Das ist anders, als wenn Eltern oder Lehrer mit uns darüber sprechen.“ Fabienne Andrees (14) sagt: „Ich finde es mutig, in dieser Art über die eigene Vergangenheit zu reden.“ Gleiches finden auch Isabell Meier (15) und Edward Davenport (16). „Die Problematik betrifft besonders Leute in unserem Alter. Deshalb ist es gut, direkt Betroffene zu hören“, sagt Edward.

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