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Schöne Zeit für Kinder im „Camp Storch“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Im Ferienlager des Hospiz aus Minsk halten sich den ganzen Sommer lang Kindergruppen auf

Pauline Hegner hat ihr Abitur am Ludwigsluster Goethe-Gymnasium gemacht und schickt sich nun an, die Welt zu entdecken. Bevor die junge Frau ihr Studium antritt, arbeitet sie in der weißrussischen Hauptstadt Minsk  in einem Kinderhospiz. Heute meldet sich die junge Frau wieder einmal in der SVZ zu Wort.

Sommer, Sonne, Kinderlachen – dies sind die ersten drei Worte, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an den vergangenen Monat denke, den ich draußen im Grünen mitten im belarussischen Nirgendwo verbrachte. Dort befindet sich nämlich das „Camp Storch“, also das Ferienlager des Hospiz, in dem sich den ganzen Sommer lang Kindergruppen aufhalten. Ich half dort bei zwei Camps mit und kann die insgesamt vier Wochen wohl als die anstrengendsten, aber auch die schönsten meines Freiwilligendienstes bezeichnen.

Die erste Gruppe bestand ausschließlich aus gesunden Kindern, die alllerdings jeweils in ihren Familien auf schwere Krankheitsgeschichten zurückblicken.

Die genauen Hintergründe jedes Einzelnen kenne ich nicht, es ist aber auch nicht Ziel des Camps, diese mit den Kindern direkt aufzuarbeiten, sondern eher, ihnen zwei Wochen Unbeschwertheit zu schenken.

Dieses Projekt wird nicht vom Hospiz allein auf die Beine gestellt, sondern mithilfe einer Organisation aus Wales, die seit Jahren sowohl finanziell als auch personell das Sommercamp unterstützt. So waren unter den Betreuern nicht nur Belarussen und wir Deutsche vertreten, sondern auch Freiwillige aus Wales.


Auch Freiwillige aus Wales mit dabei


Dass sie den Weg und auch die Kosten nicht scheuen, zwei Wochen lang unentgeltlich für das belarussische Kinderhospiz zu arbeiten, sagt schon einiges über ihre Motivation aus, und so überraschte es nicht, mit welchem Elan und Kreativität alle an die Aufgabe herangingen: Jeden Tag wurde ein anderes Thema für die Kinder vorbereitet.

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir der Reise-Tag, an dem die Kinder sich zunächst Pässe bastelten und dann mithilfe verschiedener Stationen und Spiele quer durch Europa reisten, und der Business-Tag. Damals sollten die Kinder sich zunächst ihre eigenen kleinen Geschäfte aufbauen, die wir Betreuer dann besuchten und mit Spielgeld bezahlten.

Nachmittags konnten die Kinder ihr verdientes Geld dann in „Las Vegas“, das u.a. aus einer Saftbar, einem Casino und einer großen Disko bestand, wieder ausgeben. Dazu kamen noch der Halloween-Tag, Neptun-Tag, Gegenteil-Tag, an dem die Kinder die Erwachsenen sein durften, und vieles mehr.

Die zweite Gruppe, mit der Kinder mit Behinderungen ins Camp kamen, bedeutete dann noch ein bisschen mehr Arbeit für die Freiwilligen, da zur Planung des Programms auch die Pflege der Kinder, einschließlich Toilette und Dusche, hinzukam.

Davon abgesehen unterschieden sich die zwei Gruppen aber nicht sehr voneinander, da der Grundsatz in allem stets lautete: Wir machen mit den eingeschränkten Kindern alles, was wir auch mit den den gesunden machen würden. Und wenn es schwierig wird, helfen eben die Freiwilligen – besser könnte man Gleichbehandlung wohl nicht ausdrücken. Natürlich gab es so immer viel zu tun, aber gerade durch diese sehr persönliche Unterstützung entstanden enge Freundschaften zwischen Freiwilligen und Kindern. So ist die Liste der schönen Erlebnisse während der letzten Wochen endlos und es fällt schwer, die besondere Atmosphäre im Camp in wenigen Worten zusammenzufassen.

Ich habe das Fereinlager stets als einen Ort voll Wärme und Leichtigkeit wahrgenommen und die Tränen der Kinder am Abreisetag bestätigten, wie wohl sie sich dort gefühlt hatten. Am besten fasste es wohl Katharina* (*Name geändertzusammen, eine 16-Jährige im Rollstuhl, die zum ersten Mal ins „Camp Storch“ gefahren war: „Es ist wie eine andere Welt, mit so viel Freude und Lachen. Hier kann man wirklich seine Sorgen und Komplexe, die man zu Hause vielleicht hat, vollkommen ablegen.“



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erstellt am 26.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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