Ludwigslust : Schnelles Internet: Es dauert

Nach der Sitzung wurde es für viele Gäste interessanter: Michael Martin von der Telekom zeigt die Ausbaupläne für Ludwigslust, Neustadt-Glewe und Grabow.
Nach der Sitzung wurde es für viele Gäste interessanter: Michael Martin von der Telekom zeigt die Ausbaupläne für Ludwigslust, Neustadt-Glewe und Grabow.

Erkenntnis eines IHK-Abends: Telekom & Co. bauen nur, wo es sich rechnet / Landkreis beantragt für Rest der Region Dobrindt-Förderung

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15. März 2016, 12:41 Uhr

Große Dateien kann Sabine Lenz nicht ins Internet übertragen – zumindest nicht ohne Tricks. „Bei mehr als 2,5 MB schmieren die Dateien ab. Deshalb lade ich sie immer erst einmal auf einen Server hoch“, erklärte die Geschäftsfrau aus Glaisin am Montag beim Runden Tisch der IHK zum Breitbandausbau. Und wenn es besonders schnell gehen muss, schlägt sie sich die Nacht um die Ohren. „Um 3 Uhr sitzt niemand auf der Leitung“, schilderte sie die Probleme, die ihr die im Ludwigsluster Ortsteil verfügbare Übertragungsgeschwindigkeit von nicht einmal 6 Mbit/s bringt. „Die Innenstädte werden aufgerüstet und die Dörfer hinken immer weiter hinterher“, beklagte sie mit Blick auf Bandbreiten von 50 oder 100 Mbit/s, die in vielen Großstädten möglich sind. Da bliebe einem irgendwann nichts Anderes übrig, als den Standort aufzugeben und in ein Gewerbegebiet zu ziehen“, ergänzte die Glaisinerin und brachte damit viele Unternehmer zum Lachen. Denn auch in Gewerbegebieten ist die Situation nicht besonders gut und trotzdem sind diese von den aktuellen Ausbauabsichten der Telekom in Ludwigslust, Neustadt-Glewe und Grabow ausdrücklich ausgenommen.

Knapp 50 Unternehmer, Bürgermeister und Kommunalpolitiker waren zum Forum in den Rathaussaal gekommen. Die meisten wollten vor allem eines wissen: Wann wird bei mir das schnelle Internet verfügbar sein? Doch obwohl Vertreter aller großen Telekommunikationsunternehmen, kleinerer Alternativanbieter sowie von Breitband-Kompetenz-Zentrum MV und Landkreis Auskunft gaben, gab es kaum neue Erkenntnisse. Nur eines wurde ganz deutlich: „Die Unternehmen haben die Beschlüsse ihres Hauses umzusetzen und dabei ist die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Ausbauprojektes das Totschlagargument“, sagte Matthias Belke, Geschäftsführer der Autoteile M&M GmbH Ludwigslust, gegenüber SVZ. Michael Martin von der Telekom hatte es in der Runde auf den Punkt gebracht: „Wenn wir heute Geld für etwas ausgeben, müssen wir damit morgen Geld verdienen.“

Ein bisschen Hoffnung versuchte Rüdiger Falk, Breitbandkoordinator beim Landkreis, zu verbreiten. „Ich bin optimistisch, dass wir 90 bis 95 Prozent bis Ende 2018 mit schnellem Internet versorgt haben werden“, formulierte er sein Ziel für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Er hat alle Bereiche des Landkreises, für die kein Telekommunikationsanbieter einen eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau geplant hat, zu mehreren Projektgebieten zusammengefügt, um für diese Fördermittel aus dem Bundesförderprogramm (Dobrindt-Milliarden) zu beantragen. „Die Fördermittel sollen die jeweilige Wirtschaftlichkeitslücke schließen“, so Falk. Die Region um Ludwigslust, Grabow, Neustadt-Glewe und Dömitz ist – trotz der Ausbauabsicht der Telekom im Städtedreieck – komplett enthalten. „Weil sich der Ausbau auf die jeweiligen Stadtkerne beschränken soll“, so der Landkreis-Mitarbeiter. Für die Randbereiche und die Gewerbegebiete wird nun der geförderte Ausbau angestrebt. Wichtig sei, dass die Gemeinden mitziehen. Sie müssten den Beschluss fassen, den Landkreis mit der Fördermittelbeantragung zu beauftragen und die geforderten Eigenmittel in ihren Haushalt einzustellen, so Falk. Sollten die Gewerbegebiete herausfallen, wären für sie noch Zuschüsse über die „Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) denkbar.

Bürgermeister Reinhard Mach scheint all dem nicht zu trauen. Er fragte Silas Bittmann, Geschäftsführer des niedersächsischen Anbieters Komnexx GmbH, ob es bei dem „ganzen Tohuwabohu der Wettbewerber“ sinnvoll sein könnte, als Stadt ein eigenes Netz zu bauen. Das bejahte dieser und verwies auf Regionen wie die Prignitz, in denen Komnexx bereits aktiv ist.

Am Ende konnten die Teilnehmer des IHK-Forums nur eines hoffen: Dass der Breitbandausbau besser funktionieren möge als die Technik – Internetverbindung und Dateien – an diesem Abend.

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