Ludwigslust : Schneegestöber im Blauen Wiesel

Oma Jedda Fine (Katherina Willert), re., erzählt Cassedy Spielberg (Anke Kreffta) von ihren Erlebnissen auf der „Titanic“.
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Oma Jedda Fine (Katherina Willert), re., erzählt Cassedy Spielberg (Anke Kreffta) von ihren Erlebnissen auf der „Titanic“.

31. Elternsinge mit „Rehkids“ und „Liedtheater Live“ in der voll besetzten Ludwigsluster Stadthalle

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24. November 2014, 07:00 Uhr

Es ist quasi wie ein Einläuten der Vorweihnachtszeit, wenn in Ludwigslust die „Elternsinge“ auf dem Programm steht. Eine volle Stadthalle zeigte auch bei der 31. Auflage des Spektakels, dass der Bann ungebrochen ist. Der Musicalabend für die ganze Familie, von mehreren Generationen für Jung und Alt gestaltet, hat seinen besonderen Reiz. Am Sonnabendabend war der jüngste Besucher drei Jahre alt, der älteste wird noch in diesem Monat neunzig Jahre. Der Rahmen mit gutem Essen, Publikumssingen und einem Quiz trägt zur Kurzweil bei.

Das Programm wie immer zweigeteilt, übernahmen die „Rehkids“ die Eröffnungsshow. Die Kinder und Jugendlichen gehören seit vielen Jahren zum Ludwigsluster Kulturspektrum. Der Nachwuchs rekrutiert sich immer wieder neu aus einem Freizeitangebot für musikalisch Interessierte, das die Regionale Schule „Peter Joseph Lenné“ unterbreitet und das eng mit dem Namen der musikalischen Leiterin des Abends, Eva-Maria Naujoks, verbunden ist.

„Der Ring“ ist der Titel des diesjährigen „Elternsinge“-Programms der „Rehkids“. Maxi feiert ihren zehnten Geburtstag und hat in der Nacht zuvor einen Traum. Darin begegnen ihr zahlreiche Misslichkeiten: Ihre Geburtstagsgäste finden die Party doof und hauen ab. Mama und Papa kriegen sich in die Wolle, und dann ist da noch Maxis große Schwester Larissa, die sich benachteiligt fühlt. Zu allem Übel fährt Maxi mit ihrem neuen Skateboard auch noch Oma und Opa vor den roten Mercedes, so dass die an ein Hindernis krachen.

Aber zum Glück hat Maxi ja einen Ring geschenkt bekommen, den jedes Mädchen der Familie erhält, wenn es zehn wird. Dreimal am Finger gedreht, erscheint sofort der hilfreiche Ringgeist Dschinn, um die Zeit zurückzuschrauben und den Gang der Dinge somit zu korrigieren. Dass er dabei jedes Mal die Erkennungsmelodie der TV-Endlos-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sang, verursachte Lachsalven beim Publikum, und auch der Geist selbst hatte zunächst leichte Probleme, ernst zu bleiben.

Irgendwann sind der Traum sowie das Stück vorbei und Maxi froh, dass sie keinen solchen Ring braucht. Aber dann greift Mama noch einmal auf den Gabentisch und holt ein Etui hervor. „Oh nein!“

Eine kurzweilige Einstimmung auf den Programmabend, der mit insgesamt fast viereinhalb Stunden trotzdem keinen Augenblick Langeweile aufkommen ließ.

Mit Spannung erwartet wurde das aktuelle Programm des Liedtheaters „Live“. Es heißt „Schneegestöber“, und wer die „Liver“ kennt, weiß, dass ihre Programme auch immer mit einem satirischen Touch daher kommen.

Ist es also nur Klamauk, was sich da im Hotel „Zum blauen Wiesel“ abspielt oder steckt dahinter ein Spiegel, den die Laienschauspieler und Sänger sich und dem Publikum vorhalten? Seht, was für Schwachsinn doch in unserem Alltag wichtig erscheint – befeuert von der Medienlandschaft – während die Welt um uns herum blutiger Ernst ist. Sexsucht und dummes Gefasel gegen Bombenterror.

Die Geschichte: Herr Lehmann, Direktor des Hotels „Zum blauen Wiesel“ erhält während eines Schäferstündchens mit Putzfrau Lieschen unter dem Hoteltresen einen beunruhigenden Anruf vom nahen Flughafen. Wegen eines Schneesturms kann eine Maschine nicht starten und die Fluggäste müssen im „Blauen Wiesel“ übernachten. Und das, obwohl gerade renoviert wird. Zu allem Überfluss erhält Lehmann noch die Warnung, einer der Gäste habe einen Bombenkoffer bei sich.

Und da sind sie alle: Lehmann und Lieschen, ein verwöhnter Musicalstar samt gestresstem Manager, Oma Jedda Fine, die mit ihrer Libido nicht zurechtkommt, das reiche, aber mit der Trennung der Eltern geschlagene Kind Cassedy Spielberg, die Möchtegern-Showgröße Georgina Kowalski und die abgehalfterte Actrice Brigitte Nielsen sowie Wladimir Sergejewitsch Rakow, Diplomat des Staates Schurkmenistan.

Sie spielen und singen sich durch die Probleme und Problemchen des Lebens – mal mit Ernst, oft mit Augenzwinkern – bis sich am Ende die Bombe als Silvesterfeuerwerk herausstellt.

Und dem Zuschauer bleibt das Nachdenken über ein „Schneegestöber“. Ist es nur eine Wetterfrage oder geht es um den ganzen Schnee, mit dem wir uns täglich so beschäftigen?

Viele haben an diesem Abend dazu beigetragen, dass auch die 31. Elternsinge ein großer Erfolg war. Und dass die musikalische Leiterin Eva-Maria Naujoks einen donnernden Extra-Applaus erhielt, das ist nur gerecht, auch wenn sie sich wehrte. Seit drei Jahrzehnten Kurzweil zu produzieren und Generationen junger Leute für die Musik zu begeistern, das ist klasse.

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