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Ludwigsluster Tageblatt

20. Oktober 2017 | 10:59 Uhr

Ludwigslust : Schnecken für karibischen Sand

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

SHA GmbH produziert Fördertechnik für Kunden auf der ganzen Welt / Neue Krane für zusätzliche Produktionshalle in Ludwigslust

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 06:59 Uhr

Langsam neigt Tom Henning das kleine Glas zur Seite. Das gelbe Pulver darin bleibt zunächst an der Innenwand haften, dann kippt gleich eine ganze Ecke zur Seite. „Schwefel. Wie man das am besten befördert, um kleinere Mengen dosieren zu können, muss man ausprobieren“, sagt der Unternehmer und greift den nächsten Behälter. Glassplitter. „Da müssen wir zusehen, dass der Verschleiß an den Förderschnecken nicht zu groß ist.“ Tom Henning ist geschäftsführender Gesellschafter der Ing. Siegmund Henning Anlagentechnik GmbH (SHA GmbH), die Anlagen für Transport und Lagerung von Schüttgut konstruiert und produziert. „Die Anforderungen an unsere Produkte werden immer spezieller.“ Kundenspezifische Lösungen seien gefragt.  In diesem Jahr strebt der kleine Spezialmaschinenbauer, der in Warlow und Ludwigslust fertigt, einen neuen Umsatzrekord an und hat dafür auf dem Ludwigsluster Industriegelände eine weitere Produktionshalle hergerichtet. Mit dem Einbau zweier Brückenkrane wurde jetzt der Schlusspunkt unter die Investition gesetzt.

Mehr als 15 Meter ist der gelbe Träger lang, an dem die Krankatze mit Haken künftig entlanglaufen soll. Vorsichtig wird er durch das Tor manövriert und in der Halle abgelegt. So kann Frank Weber von der Abus Kransysteme GmbH aus Gummersbach weitere Teile anbringen, ehe der Kraftprotz unter die Decke gehoben wird. Bis zu fünf Tonnen kann der neue Brückenkran heben – genauso viel wie der zweite Kran in der Halle, der schon vor ein paar Monaten eingebaut worden war. „Damit sind wir hier nun in der Lage, Bauteile von bis zu zehn Tonnen Gewicht zu heben“, erklärt Tom Henning. Der zweite neue Brückenkran ist für die Edelstahlfertigung in der Nachbarhalle gedacht.

Die Förderschnecken aus dem Hause Henning haben Durchmesser von drei Zentimetern bis zu einem Meter. Fast überall auf der Welt kommen sie zum Einsatz, vor allem in Baustoff- und Glasindustrie, in Chemieanlagenbau und Lebensmitteltechnologie. Die anspruchsvollsten Anlagen, die derzeit realisiert werden, gehen in die weißrussische Reifenindustrie und die Glasindustrie in Südafrika. Auch auf der Karibikinsel Aruba arbeiten Schnecken aus Ludwigslust. Sie befördern dort Sand und Zement. Die meisten Kunden hat das Unternehmen allerdings in Deutschland.

Nach einer krisenbedingten Delle ist die SHA GmbH wieder auf Wachstumskurs – personell und mit Blick auf die Produktionsmenge. Als sich Anfang des vergangenen Jahres beim Blick in die Auftragsbücher abzeichnete, dass der Umsatz im Vergleich zu 2012 um mehr als 20 Prozent steigen würde, war klar, dass die Produktionsstätten in Warlow und Am Industriegelände 6 nicht mehr ausreichen würden. „Wir entschieden uns, eine seit zwei Jahren ungenutzte Halle auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu kaufen, weil sie schneller nutzbar sein würde als ein Neubau“, erklärt Tom Henning. Mehr als eine halbe Million Euro investierte die SHA GmbH in Kauf, Umbau und technische Ausrüstung. „In diesem Zuge haben wir die Produktionsabläufe im ganzen Unternehmen angeschaut und sind unter anderem zu dem Schluss gekommen, die gesamte Schweißfertigung in der neuen Halle zu konzentrieren.“ Außerdem sei die Spezialisierung der Mitarbeiter, deren Zahl sich in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt hat und derzeit bei 50 liegt, vorangetrieben worden. So schweiße zum Beispiel der Schweißer nun den ganzen Tag und müsse nicht mehr zwischendurch in die Endmontage. „Diese Veränderungen haben zu einer höheren Effektivität und Qualität geführt“, so der Firmenchef. Und das sei angesichts des Produktionsvolumens auch erforderlich.

Die Spezialisierung erfordert auch spezialisierte Fachkräfte. Aktuell ist das Unternehmen auf der Suche nach einem Zerspanungsmechaniker, mittelfristig sind erfahrene Schweißer, etwa Industrie- oder Konstruktionsmechaniker, gefragt. Einfach ist die Suche nicht – das zeigte sich auch beim Nachwuchs. Für das 2013 begonnene Lehrjahr gelang es nicht, einen Auszubildenden einzustellen. Es gab zwar Bewerber, die brachten aber nicht die erforderlichen Voraussetzungen mit. So hat das Unternehmen derzeit nur einen Lehrling zum Konstruktionsmechaniker.

Das ursprünglich von Tom Hennings Vater gegründete Unternehmen beschäftigt sich schon seit 1996 mit Förderschnecken. Nachdem die Anlagen zunächst nur projektiert und vertrieben wurden, startete 2003 in Warlow die eigene Fertigung. Vier Jahre später erweiterte die SHA GmbH ihre Produktionsstätten und mietete eine Halle auf dem einstigen Bama-Gelände. Knapp zwei Jahre darauf erfolgte der Umzug auf das Industriegelände – auf das Areal der Firma Orca Silobau, deren Teilhaber Tom Henning ist. Auch der vor Jahren geplante Neubau am Warlower Ortsrand sei nicht gänzlich vom Tisch. „Konkrete Planungen gibt es derzeit aber nicht“, so Henning.

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