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Alt Jabel : „Schmiet nicht weg, bring’s zum Preister“

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Lütt Museum sammelt Alltagsgegenstände / Neue Ausstellung über Flüchtlinge

von
erstellt am 15.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Bügeleisen, Küchenwaagen, Trachten, Truhen, Schreibmaschinen, Waschbretter, Stickkästen, Lampenschirme... Was in den Wintermonaten vor Feuchtigkeit und Kälte geschützt unter Folie und in Kisten verpackt war, haben die Museumsfreunde vom „Lütt Museum“ in Alt Jabel jetzt wieder ans Tageslicht geholt. „Oh, das ist immer ein Haufen Arbeit“, sagt Heinz Warnke vom Vorstand. „Wir kriegen uns jedes Mal das Streiten, wenn wir überlegen, wo genau was im letzten Jahr gestanden hat.“

Seit dieser Woche nun steht wieder alles an seinem Platz. Die alte Schuleinrichtung oben auf dem Dachboden, die Spinnräder vor der Giebelwand. Und gleich daneben hängen die Ordenskragen der Tewswooser Guttempler, die erst kürzlich auf einem Dachboden entdeckt worden sind. „Schmiet nicht weg, bring’s lieber zum Preister - das sagen sich die Leute, wenn zuhause entrümpelt wird“, erzählt Pastor Christoph Tuttas. Zum Glück. Denn immer wieder stehen Einheimische aus Alt Jabel, Vielank, Tewswoos, Brenz oder Neu Jabel mit neuen Ausstellungsstücken vor der Pfarramtstür. „Große Schätze sind das nicht“, sagt Heinz Warnke vom Museumsvorstand. „Aber jedes persönliche Stück hat seine Geschichte und weckt Erinnerungen. Viele Kinder sehen manche Sachen hier bei uns zum ersten Mal in ihrem Leben. Wir retten einfach vieles vor dem Vergessen.“

Zwei, drei Mal im Jahr führt Heinz Warnke Reisegruppen, die mit Bussen nach Alt Jabel kommen, durch den ehemaligen Pfarrstall. „Wir wollen den Gästen immer was Neues präsentieren“, sagt Warnke.

Dieses Jahr ist es die Ausstellung „Fern der Heimat - neue Heimat Mecklenburg“. Die ersten Dokumentationen dazu hängen bereits an der Wand. Die Geschichte vom ehemaligen Vielanker Bürgermeister und Schwimmmeister Ludwig Weiss, zum Beispiel. Der Karpatendeutsche kam nach seiner Ausweisung aus der Slowakei 1946 nach Alt Jabel und blieb. Ein Foto zeigt ihn mit seiner Familie. Daneben ein paar Zeilen, die seine Flucht und die Ankunft in Mecklenburg beschreiben. Warnke wünscht sich noch viel mehr dieser Flüchtlingsgeschichten für die Ausstellung. Der Museumsvorstand hat dafür Formblätter vorbereitet. „Wer also bei uns seine Geschichte von Flucht und Vertreibung erzählen möchte, ist herzlich willkommen.“

Dieses Jahr geht das Lütt Museum in seine 15. Saison. Die Ausstellung zur Geschichte der Jabeler Heide ist an Sonn- und Feiertagen von 15 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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