Brenz : „Schluss mit Anpassungswahn!“

Anfang Juni wurde der Grundstein für die Kita gelegt.
Anfang Juni wurde der Grundstein für die Kita gelegt.

SVZ sprach mit dem Brenzer Bürgermeister Henry Topp über das zu Ende gehende Jahr und die Perspektiven für das Dorf

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12. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Die Gemeinde Brenz ist vom Alter der Einwohner her eine der jüngsten in MV. Im Interview mit SVZ-Redakteur Andreas Münchow blickt Bürgermeister Henry Topp (Foto) auf das zurückliegende Jahr zurück, sagt, warum er stolz auf sein Dorf ist und welche Fragen ihn bewegen.

Im Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr, welches war das aus Ihrer Sicht wichtigste Ereignis für Brenz?
Für unsere kleine Gemeinde ist alles wichtig, was wir tun oder lassen. Vieles ist eben nicht selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Abriss, Baubeginn, der Fördermittelbescheid und die Grundsteinlegung am Kindertag, durch die Kinder der Kita selbst vorgenommen, waren für mich das Herausragende in 2017.

Welche weiteren Vorhaben gingen 2017 in der Gemeinde in Erfüllung?
Unsere Straßen, Gehwege, die Gehwegbeleuchtung sind nun fast alle in Ordnung. Der Radweg von Brenz nach Spornitz war ein 20 Jahre alter Traum. Er wird bestens genutzt.

Wenn Sie für Ihr Dorf werben sollten, was würden Sie da anführen?
Die Jubiläen, die Entwicklung der 54 angemeldeten Unternehmen in Brenz, der hervorragende Einsatz unserer Freiwilligen Feuerwehr in bisher 17 Einsätzen, die aktive Vereinsarbeit, das Engagement aller Ehrenamtlichen aus Brenz (wo auch immer), die hervorragende tägliche Arbeit des Teams in der Kita und unseres Gemeindearbeiters, die Arbeit unserer Kirchgemeinde und, und, und… All das sind wichtige Ereignisse für mich, für unser Dorf und zeigen, dass es durchaus lebenswert ist, im ländlichen Raum sein Zuhause zu haben.
Die Gemeinde weigert sich, die Grundsteuer A und B auf den Landesdurchschnitt anzuheben. Und das, obwohl Brenz damit Einnahmen in nicht geringer Höhe entgehen…
Bekanntlich weigern wir Brenzer uns seit 2009, dieses „Spiel“ mitzumachen. Und wir stehen nicht allein in diesem Land mit dieser Position. Zum Beispiel hat sich auch der Bund der Steuerzahler ähnlich geäußert. Schluss mit dem Anpassungswahn zum Nachteil der Einwohner! Es ist eine nie endende Spirale, wenn immer alle mitmachen. Das erfordert aber auch den Mut aller gewählten Vertreter.

Sie stehen auch der Amtsumlage kritisch gegenüber, zumindest so, wie sie gegenwärtig geregelt ist. Warum?
Es ist unseren Einwohnern nicht zu erklären, warum ein Brenzer, der beispielsweise heiraten will, 300 Euro Verwaltungskosten bezahlt, ein Neustädter 160 oder ein Blievenstorfer 150 Euro. Eben über diese Amtsumlage, die zur Finanzierung der Verwaltung da ist. Warum nicht alle gleich? Ist der Brenzer mehr wert? Oder sind es die anderen weniger? Unser Amtsvorsteher sagt kurz: „Das ist Gesetz…“ Gut, sage ich. Die GEZ-Gebühren sind in Deutschland auch Gesetz. Aber wir zahlen doch alle die gleichen Gebühren, oder?
Wir werden 2018 darüber reden. Es gibt durchaus die Möglichkeit, das in einem Amt vertraglich zu regeln.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung Neustadt-Glewe?
Die Mitarbeiter leisten eine sehr gute Arbeit, so weit ich Einblick habe. Es ist ja so, dass wir pro Einwohner zwar den höchsten Kostenbeitrag leisten müssen, aber selbst Null-Einflussmöglichkeiten haben. Ich zum Beispiel hätte mich längst um einen Mitarbeiter gekümmert, der ausschließlich Fördermittel reinholt und bearbeitet. Der holt Millionen ins Amt, wenn es gut gemacht wird.

Die Gemeindevertretung hat kürzlich die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde beschlossen, aber das entsprechende Gesetz sozusagen ignoriert.Warum?

Unsere Gemeindevertreter kamen zu dem Ergebnis, dass dieses Gesetz nicht zur Festigung der Demokratie in MV beiträgt. Es ist in dieser Form überflüssig. Von Freiwilligkeit kann in der Konsequenz keine Rede sein. Die vorhandenen Gesetze reichen für den Zweck einer freiwilligen Gemeindefusion vollkommen aus.

Sehen Sie die Zukunft von Brenz auch künftig im Amt Neustadt-Glewe?
Möglich ist ja alles, aber das haben letztlich unsere Einwohner zu entscheiden.

Wenn Sie junge Familien nach Brenz „locken“ würden, sich hier anzusiedeln, welche Argumente hätten Sie da?
Nur mal so nebenbei bemerkt: Glaubt man den Statistischen Jahrbüchern, dann ist der kleine Ort Brenz nach Lebensalter unserer Einwohner gerechnet mit 42,8 Jahren der 62-jüngste Ort von rund 790 selbstständigen Gemeinden in MV. Neustadt-Glewe wird mit 45,4 Jahren an 695. Stelle genannt. Blievenstorf wird mit 46,8 Jahren an 745. Stelle ausgewiesen. Wir müssen irgend etwas haben, was andere nicht haben.

Was wünschen sich die Brenzer in Richtung Landesregierung?

Statt Gesetze zu schaffen, die uns kleine Kommunen in Bedrängnis bringen, Zehntausende Euro dafür auszugeben, um kommunalen Ehrenamtlern zu erklären, wie sie sich selbst einschätzen sollen, sollten unsere gewählten Landesvertreter prüfen, wie sie ihre Kommunen ausreichend mit Finanzen ausstatten können, damit diese ihre gesetzlichen und freiwilligen Aufgaben erfüllen können. Wir leben doch alle hier. Es ist doch unser Zuhause!
Wir danken für das Gespräch.

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