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Ludwigslust : Schlosswände geben verborgene Schätze preis

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Das Ludwigsluster Schloss ist reich an kostbaren Wandbespannungen und Tapeten. Jetzt bei der umfassenden Restaurierung werden sie erstmals genauer untersucht.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2012 | 12:21 Uhr

ludwigslust | Das Ludwigsluster Schloss ist reich an kostbaren Wandbespannungen und Tapeten. Jetzt bei der umfassenden Restaurierung werden sie erstmals genauer untersucht. Dazu hat sich nach Aussage des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften eine Arbeitsgruppe aus Denkmalpflegern und Restauratoren sowie Mitarbeitern der Verwaltung staatlicher Schlösser und Gärten gebildet.

Dabei ist durchaus Erstaunliches zutage getreten, wie Papierrestaurator Lutz J. Walter bei der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch im Schloss berichtet. So fand er bei der Abnahme einer Leinwand einen auf das Mauerwerk geklebten Zettel. Auf ihm ist ersichtlich, dass das Ministerzimmer am 28. August 1870 mit lackierter Goldtapete beklebt wurde. Darauf finden sich auch Hinweise zur Zeitgeschichte, etwa der Vermerk, dass im Krieg mit Frankreich gerade preußische Truppen durch Ludwigslust marschierten. Auch die Namen der Handwerker aus Schwerin sind verewigt. Walter widmet sich seit 25 Jahren der Rekonstruktion und Restaurierung verloren gegangener oder stark geschädigter Tapetenausstattungen, um historische Interieurs wieder erlebbar zu machen.

Heike Kramer, Dezernentin für die Staatlichen Schlösser und Gärten MV, bestätigt, dass mit akribischer Detailarbeit geforscht worden ist. "Mich hat sehr überrascht, wie viele Befunde hier zusammengetragen worden sind", gesteht sie. Sie habe viele Jahre im Ludwigsluster Schloss gearbeitet und immer bedauert, dass so wenig über die historischen Wandbespannungen überliefert worden sei. "Ich bin gespannt auf die weiteren Schritte in der Restaurierung", so Kramer. Sie sei aber bereits sicher, dass das Schloss eine enorme Farbenpracht zurückbekommen werde.

Diplom-Restauratorin Ines Zimmermann schildert ihre Recherchen unter anderem in Archiven von den wenigen Seidenwebereien, die es in Deutschland und Frankreich noch gibt, adäquate Tapetenmuster zu finden, wie sie im Ludwigsluster Schloss verwendet wurden. Zimmermann ist restauratorische Fachbetreuerin bei der Sanierung des Ludwigsluster Schlosses und befasst sich seit drei Jahren mit dessen textiler Raumgestaltung des 18. Jahrhunderts.

Die österreichische Kunsthistorikerin Sigrid Puntigam beschäftigt sich seit langem mit mitteleuropäischen Schlossbauten und deren Ausstattungen. Sie hatte im Herbst 2011 in der Landesbibliothek einen verloren geglaubten Schatz entdeckt - 600 Architekturzeichnungen, wesentlicher Teil der herzoglichen Plankammer, SVZ berichtete. Puntigam hebt hervor, dass Herzog Friedrich der Fromme bereits beim Bau des Schlosses 1772 bis 1776 viel Wert auf kostbare Ausstattung gelegt habe.

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