zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

20. August 2017 | 21:19 Uhr

Neustadt-Glewe : Schlittenhunde ohne Schnee

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Musher aus ganz Deutschland trainierten über den Jahreswechsel bei Neustadt-Glewe / Dank des Vereins an die Forstverwaltung

Bis eben lagen die Hunde dösend am Rande des Neustädter Flugplatzes. Jetzt bellen sie unaufhörlich, zerren an ihren Leinen, knurren sich an. „Das ist die Erregung. Die Tiere wissen, dass es gleich losgeht“, sagt Michael Templin. Der Hundeschlittenführer ist mit Gleichgesinnten in Neustadt-Glewe, um über den Jahreswechsel in den Wäldern der Region zu trainieren. Schnee haben sie hier natürlich nicht vorgefunden. „Aber der sandige Boden ist gut für die Pfoten der Tiere“, sagt Templin. Und so gehen er und seine Mitstreiter nicht mit Schlitten auf die Strecke, sondern mit drei- oder vierrädrigen Trainingswagen.

Rolf Ewald und Lukas Sommer spannen einen Grönländer nach dem anderen vor den Wagen. „Drei, zwei, eins…“, ruft Ewald. Die Hunde rucken an – und sind augenblicklich still. Nur ihr Hecheln und das Scheppern des Wagens, wenn er über eine Bodenwelle hüpft, sind noch zu hören. „Rechts“, ruft der erfahrene Musher, der – mit kurzer Unterbrechung – schon seit 23 Jahren Hundeschlittensport betreibt. Das Sechsergespann biegt auf einen Waldweg ab. Wenig später erreichen wir den Deich an der Müritz-Elde-Wasserstraße. Schwerarbeit für die Hunde. Mehr als 350 Kilogramm – drei Menschen auf zwei Trainingswagen – müssen sie über den unebenen Untergrund ziehen. Denn Rolf Ewald chauffiert nicht nur mich über den Kurs. Auf dem zweiten Wagen rollt Lukas mit. „Falls uns Hunde begegnen“, erklärt Ewald. „Sicherheit geht vor.“

Unser Wagen hoppelt über den welligen Boden. Dann eine 90-Grad-Kurve. Ich mache das linke Auge zu, stemme meine Füße gegen die Metallstrebe und schließe die Hände etwas fester um das Gestell neben der Sitzfläche. Dann ein relativ ebener und fester Weg. „Has“, ruft Rolf Ewald und noch einmal „Has“. Akiro, Akiva, Anna, Akiak, Kyrill und Nuka rucken an, obwohl weit und breit kein Hase zu sehen ist. Jetzt wird es richtig schnell – auch weil wir Lukas, natürlich ganz absichtlich, mitsamt seinem Wagen „verloren“ haben. Später – zurück auf dem Deich – sammeln wir ihn wieder ein. Die Hunde haben inzwischen wohl schon etwas Durst. Akiro zieht es immer wieder an den kleinen Wasserlauf zu unserer Rechten. „Die Hunde sind noch jung. Das müssen sie noch lernen“, sagt Rolf Ewald entschuldigend, nachdem er das Gespann wieder in die Spur gebracht hat. „Später passiert das nicht mehr.“

Der Musher aus dem Raum Minden hat sich mit dem Grönlandhund nicht nur eine der ältesten Rassen, sondern auch eine schwierige ausgesucht. „Die Grönländer sind sehr robust und belastbar, aber auch rauflustig und haben einen bärenschlechten Ruf“, sagt Michael Templin. „Das hat sie aber davor bewahrt, ein Modehund zu werden.“ Für Rolf Ewald kein Problem. „Ich mag Herausforderungen“, sagt der 48-Jährige, der im Alltag Vorarbeiter in der Kunststoffindustrie ist. Er ist mit seinen Tieren schon deutscher Meister und im Vorjahr Vizeeuropameister geworden. Im Februar könnte er bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz antreten. „Bei so einem Wettkampf sind mehr als 1000 Tiere. Das ist eine Belastung für alle“, begründet er sein Zögern. An der Fitness der Tiere würde es jedenfalls nicht scheitern. „Die sind schon richtig gut drauf“, sagt Lukas. Am Silvestermorgen war eine Gruppe von ihnen mehr als 30 Kilometer gelaufen. Und dabei sind die derzeitigen Bedingungen nicht gerade ideal. Es ist zu warm. „Bei minus zehn bis minus 15 Grad sind die Hunde am leistungsfähigsten“, sagt Rolf Ewald. Offiziell als Schlittenhunde anerkannt sind neben den Grönländern nur drei weitere Rassen: der Samojede, der Siberian Husky und der Alaskan Malamute.

Schlittenhunde seien wie Topathleten, betont Michael Templin. „Sie werden systematisch für die Saison aufgebaut“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Schlittenhundesportclubs für Langstreckenrennen und Touren (DSLT). Das beginne im Herbst mit Strecken von drei bis fünf Kilometern und werde nach und nach gesteigert. Im Januar beginnt dann die eigentliche Rennsaison mit den ersten Wettkämpfen im Schnee.

Der DSLT e.V. kommt schon seit Jahren zum Trainingscamp in die Region. „Wir werden hier sehr gut aufgenommen. Und das ist nicht selbstverständlich“, sagt Michael Templin und dankt vor allem der Forst für die jahrelange Unterstützung. Und auch interessierte Bürger kommen immer mal wieder vorbei. Weil der Verein das angestammte Gelände an der Hechtsforthschleuse nicht mehr nutzen kann, haben sich die Musher nun erstmals am Flugplatz niedergelassen. Gestern reisten sie wieder ab.

 

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen