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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 00:25 Uhr

raddenfort : „Schlichten, nicht richten“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Raddenforter Harald Gerdes ist ehrenamtlicher Schiedsmann im Amt Dömitz-Malliß / 2016 schlichtete er neun Fälle

Im vergangenen Jahr verletzten zwei freilaufende Hunde eine Frau und ihren Bello beim Spazierengehen auf dem Elbdeich. Die geschädigte Hundebesitzerin wandte sich an das Amt Dömitz-Malliß und vereinbarte einen Termin mit Harald Gerdes. Denn der 70-Jährige ist der Schiedsmann des Amtes und damit für die vorgerichtliche Streitschlichtung verantwortlich.

Seit Mai 2014 ist Harald Gerdes bereits in seinem Ehrenamt tätig, davor wirkte er schon als stellvertretender Schiedsmann. „2012 habe ich die Ausschreibung im Amtskurier gelesen und mich daraufhin beworben. Ich will auch als Rentner noch eine Aufgabe haben.“ Seit der Ernennung in das Ehrenamt folgten viele Lehrgänge und Fortbildungen, die bisher letzte Ende 2015. Auch eine Mediatorausbildung hat der Rentner zusätzlich absolviert, um gewisse Gesprächstaktiken zu erlernen und in der Schlichtung anwenden zu können. „Davon habe ich bisher immer profitiert“, so Harald Gerdes.

Insgesamt neun Schlichtungen führte der Schiedsmann im letzten Jahr durch. Darunter auch der Fall der verletzten Hundebesitzerin, welcher als obligatorische Schlichtung durch das zuständige Gericht vorgeschrieben war. „Das kommt auch mal vor, jedoch ist das Schlichtungsverfahren unter Anwälten nicht sehr bekannt“, bedauert Harald Gerdes. Obwohl der Besuch einer Schlichtung eine gute Gelegenheit sei, um Streitigkeiten günstig und schnell zu klären. „Ich muss innerhalb von drei Wochen einen Termin für eine Schlichtung festsetzen, und dazu müssen dann auch alle Parteien erscheinen“, erklärt Gerdes weiter. Die Schlichtung über den Hundeangriff dauerte knapp drei Stunden und brachte letztendlich eine Einigung. „Ziel sollte es immer sein, die Probleme zu klären und keine Sanktionen verhängen zu müssen“, so Harald Gerdes.

Aber nicht in allen Fällen dürfen Schiedsstellen aktiv werden. Schlichtungen zum Familien- und Arbeitsrecht, Probleme zwischen Bürgern und öffentlichen Institutionen oder notarielle Angelegenheiten dürfen nicht angenommen werden.

Neben seiner Tätigkeit als Schiedsmann im Amt Dömitz-Malliß ist Harald Gerdes außerdem der Geschäftsführer der Bezirksvereinigung Schwerin des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. „Das ist eine gute Gelegenheit, um sich mit anderen Schiedsmännern und -frauen auszutauschen und schwierige Fälle zu besprechen.“ Anonym natürlich, denn Schiedsstellen unterliegen der Schweigepflicht.

Jeden ersten Dienstag im Monat bietet Harald Gerdes im Versammlungsraum des Amtes Dömitz-Malliß eine Sprechstunde an. In der Zeit von 16.30 bis 17.30 Uhr können Fragen rund um die Schiedsstelle oder andere Angelegenheiten besprochen werden.

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