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Ludwigslust : Schimmelpilz ungebetener Gast im Jobcenter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Drei Monate nach dem Umzug der Behörde in ein frisch saniertes Gebäude am Ludwigsluster Grandweg muss schon wieder saniert werden / Arbeiten erfolgen bei laufendem Betrieb

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Ein Vierteljahr ist das Jobcenter in Ludwigslust in seinem neuen Gebäude am Grandweg, und schon muss das Haus wieder in Größenordnungen saniert werden. Schimmelpilzbefall lautet die niederschmetternde Diagnose, die alle Betroffenen aufgeschreckt hat. Bei einem Gespräch am Donnerstag mit den Verantwortungsträgern bestätigt sich: Es besteht sofortiger Handlungsbedarf.

Voraussichtlich ab Februar soll die Sanierung beginnen. Bei laufendem Betrieb, denn, so bestätigt Sigrid Müller, die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Ludwigslust-Parchim: Es bestehe keine akute Gesundheitsgefährdung für die rund 60 Mitarbeiter und die Kunden. Wenn auch nicht akut, so ist auf längere Sicht jedoch eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen, deshalb der sofortige Handlungsbedarf.

Das ist auch der Grund, warum die Geschäftsführung großen Wert auf die körperliche Unversehrtheit der Mitarbeiter lege, so Sigrid Müller. Mitarbeiter, bei denen aufgrund von Vorerkrankungen oder Allergien Auswirkungen auf die Gesundheit zu befürchten sind, sei empfohlen worden, sich dem Hausarzt vorzustellen und gegebenenfalls krankschreiben zu lassen. Den Ärzten werde sogar Einsicht in die Gutachten der Bausachverständigen gewährt. Bisher liege eine Krankschreibung vor, zwei weitere Mitarbeiter befänden sich gegenwärtig noch in der medizinischen Untersuchung.

Die Geschäftsführung des Jobcenters geht davon aus, dass auch während der Sanierungsphase, die sich bis in den Sommer hineinziehen kann, das Jobcenter seine Aufgaben erfüllt. „Wir tun alles dafür, dass unsere Kunden pünktlich die ihnen zustehenden Leistungen erhalten“, unterstreicht Sigrid Müller. Das Team sei auch in der Lage, die Aufgaben zu erfüllen, wenn es weitere Krankschreibungen wegen des Schimmelpilzbefalls geben sollte.

Auf die Mitarbeiter und Kunden des Jobcenters kommen Monate der Einschränkungen zu. Viele fragen sich darum, ob die Mängel nicht bereits während der Sanierungsphase des Gebäudes hätten festgestellt werden können. „Nein“, sagt Jürgen Kurpanek, vereidigter und geprüfter Gutachter. Die geforderten Feuchtemessungen in den Bauteilen seien ordnungsgemäß durchgeführt worden. „Die Protokolle liegen vor.“ Allerdings gebe es noch keine Technik, die ein gesamtes Bauteil durchmessen könne. Doch schadhafte Stellen an dem geteerten Pappdach aus DDR-Zeiten und eine schadhafte Regenentwässerung hätten dafür gesorgt, dass Feuchtigkeit tief in die Betondecken eindrang. Ein zweiter Wasserschaden entstand im Zuge der Sanierung durch eine Leckage an einem Rohr.

Nachdem sich bereits fünf Wochen nach dem Einzug des Jobcenters ein beißender Geruch breitmachte und anzeigte, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, begannen die Untersuchungen. Bereits am 22. November nahm der Gutachter einige hundert Messungen und Untersuchungen im gesamten Gebäude vor, Mitte Dezember lagen dann alle Befunde vor. Von Anfang an sollte die Behebung der Schäden eine konzertierte Aktion sein. Das bestätigt auch Uwe Schwanz, einer der Vermieter von der Paul Ewald Grundstücks GbR. Alle Beteiligten haben sich nach übereinstimmender Aussage sofort zusammengesetzt – sprich Jobcenter, Agentur für Arbeit, Vermieter und Gutachter, der angesichts des Ausmaßes der Schäden auch noch einen Baubiologen hinzugezogen hat.

Für Uwe Schwanz keine angenehme Situation. Der Vermieter muss die Kosten der Sanierung tragen und sich dazu mit seiner Versicherung kurzschließen. Außerdem hat die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters bereits klargestellt, dass die Behörde die Miete mindern werde. Sie hat auf SVZ-Nachfrage auch bereits bestätigt, dass weder die öffentliche Hand noch der Steuerzahler nur einen Cent für die neuerliche Sanierung des Hauses zahlen müssten.

Gutachter Kurpanek hat schon durchblicken lassen, dass die Arbeiten mit äußerster Akribie durchgeführt werden. Bauleute und Jobcenter-Mitarbeiter wie Kunden dürften nicht miteinander in Berührung kommen. Schleusen sind einzurichten. Schutzanzüge werden dominierend die Arbeitsbekleidung der Sanierer sein. Mitarbeiter eines ausgewiesenen Fachbetriebes werden nicht nur die Deckenbereiche wiederherstellen, sondern auch Möbel und Akten reinigen. Abschnittsweise Sanierung des Gebäudes bedeutet aber auch, dass Mitarbeiter in den nächsten Monaten sich Büros teilen müssen.

Die ursprüngliche Feuchtigkeit, resultierend aus dem Wasserschaden, ist bereits raus aus dem Gebäude. Betroffen sind Betondecken des Haupttraktes, nicht aber der neu errichtete Anbau. Am 7. Januar hat es in Vorbereitung der neuerlichen Sanierungsarbeiten Raumluftmessungen gegeben. Eine Woche später fand die erste Auswertung statt und erste Vorstellungen wurden geäußert, wie die Arbeiten konkret vonstatten gehen sollen. In Kürze wird das Procedere konkret festgelegt.

Sigrid Müller bestätigt, dass durchaus die Option durchgespielt worden sei, das Gebäude für die Zeit der Arbeiten leer zu ziehen. Aufgrund der Gesamtsituation, sprich der nicht akuten Gesundheitsgefährdung, und der Kosten habe man sich dann aber dagegen entschieden. Müller bekräftigt, dass die Gesundheit der Mitarbeiter und der Kunden aber auch hierbei oberste Priorität habe.

 

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