Ludwigslust : Schiefes Haus: Erstes Gerüst ist weg

Das Gerüst am Haus soll bis Mitte Dezember abgebaut sein. Fotos: andreas münchow
1 von 3
Das Gerüst am Haus soll bis Mitte Dezember abgebaut sein. Fotos: andreas münchow

Sanierung des fast 290 Jahre alten Gebäudes in Neustadt-Glewe: Jetzt werden Anschlüsse für Wasser und Fernwärme verlegt

von
01. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Bis Mitte Dezember sollen die Gerüste verschwunden sein, gestern fiel bereits das Gerüst an der Rückseite des Hauses. Die Arbeiten am „schiefen“ Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 22 in Neustadt-Glewe schreiten voran. Auf der jüngsten Bauberatung wurden jetzt die nächsten Schritte besprochen.

Das fast 290 Jahre alte Haus wird seit dem Frühjahr komplett saniert (SVZ berichtete). „Das größte Problem während der Arbeiten waren die Schieflage des Hauses und der sehr marode Zustand der tragenden Konstruktion“, erläuterte Bauleiter Michael Kube gegenüber SVZ. Man habe ungewöhnlich viele Abstützungen errichten müssen, um einen Einsturz zu verhindern, ergänzt Planer Thomas Rebhan vom Ludwigsluster Büro Architekten und Ingenieure Kaschig+Schilling.

Nachdem gestern nun auf der Hofseite das Gerüst abgebaut wurde, sollte mit der Verlegung des Wasseranschlusses ins Haus begonnen werden. In der kommenden Woche folgt dann der Fernwärmeanschluss. Ebenfalls in der kommenden Woche soll laut Plan das Dach völlig eingedeckt sein. Im Winter werden die Arbeiten dann im Innenausbau fortgesetzt. Dafür kommt dann auch eine Bauheizung in das Gebäude, die nicht nur den Handwerkern Wärme spenden soll, sondern auch die Restfeuchtigkeit beseitigt.

Klappt alles, wie geplant, ist das Haus mit seinen zwei Mieteinheiten im Frühjahr fertig. Dann seien lediglich noch Restarbeiten vorgesehen, blickt Silvia Neumann vom Bauamt Neustadt-Glewes voraus.

Übrigens gab es noch ein unvorhergesehenes Ereignis im Zusammenhang mit der Baumaßnahme. Bei Schachtarbeiten für das Fundament der Einfriedung auf der Rückseite des Hauses wurden Skelettteile entdeckt. Wie Planer Thomas Rebhan sagt, werde vor weiteren Schachtarbeiten an dieser Stelle die Bodendenkmalpflege informiert und dann vor Ort sein.

Hintergrund: Das heutige „schiefe“ Haus wurde um 1730 nach dem Stadtbrand von 1728 gebaut. Bis dahin gehörte das Land hier zum Friedhof um die Kirche. Der Neustädter Hobbyforscher und Autor Gerhard Düker weist in diesem Zusammenhang in seinem jüngst erschienenen Buch „Neustadt-Glewe – Eine mecklenburgische Kleinstadt von den Anfängen bis zur Gegenwart“ auf eine interessante Niederschrift von Lehrer Langner für das Jahr 1729 hin: „…20.VI. schreibt Carl Leopold, daß zu seinem gnädigsten Gefallen der Kap. Meritz und einige andere Bürger in Unserer abgebrannten Stadt Neustadt sich erklärt haben, ihre Hausstellen zur Erweiterung der Hauptgassen u. Ergänzung ihrer benachbarten Stellen… abzutreten…“

Gerhard Düker: „Zu vermuten ist, dass durch diesen Schritt der Friedhof verkleinert wurde, denn bekanntlich erfolgte 1795 seine Verlegung in die Schweriner Straße. Nur so ist es zu erklären, dass auch in Fundamentnähe von Gottliebs Haus Knochenreste gefunden wurden.“

Auf jeden Fall ist gesichert, dass die jetzt gefundenen Skelettreste ihre Ruhe finden werden. Pastorin Silke Draeger: „Wir werden sie unmittelbar an der Kirche bestatten.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen