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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 00:19 Uhr

Neustadt-Glewe : Schatulle im Mauerwerk entdeckt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Eine Kassette mit Bauzeichnungen, Zeitung von 1927 und Münzen wurde durch puren Zufall gefunden.

von
erstellt am 24.Sep.2016 | 07:00 Uhr

Wenn Eckhard Schön an diesen Augenblick zurückdenkt, strahlt er übers ganze Gesicht. „So etwas erlebt man ganz, ganz selten“, sagt der Bauingenieur und blickt auf das kupferne Kästchen in seinen Händen.

Es war Dienstag, kurz vor Feierabend, als er noch einmal bei den Bauarbeitern in der Turnhalle der Grundschule „Johann Wolfgang von Goethe“ vorbeischaute. Als der Maurer an einer Stelle den Putz abschlug, kam ein Spalt im Ziegelmauerwerk zum Vorschein. „Ich schaute hinein und stellte fest, dass sich dahinter ein Hohlraum befand, der von innen verputzt war“, erzählt der Bauingenieur. Sofort war ihm klar, dass das kein zufällig entstandener Hohlraum sein kann. Er griff hinein und ertastete tatsächlich einen Gegenstand.

„Mir schlug das Herz bis zum Hals, als wir Mauersteine entfernten, um an den Gegenstand heranzukommen“, so Eckhard Schön. Und dann hielt er sie in der Hand: eine sorgfältig zugelötete Kassette aus Kupfer. „Schulhaus-Neubau der Stadt Neustadt-Glewe 1927“ ist auf dem Deckel eingraviert. „Es war tatsächlich die Schatulle, die zur Einweihung des Schulhauses eingemauert worden war“, so Schön. Eingemauert in die Ringmauern der alten Eisengießerei der Johann-Albrechts-Werke, die 1927 für den Neubau genutzt worden waren.

Seinen Fund brachte Eckhard Schön so schnell wie möglich ins Rathaus. „Er kam nicht ins Zimmer gegangen, er schwebte“, beschreibt Silvia Neumann vom Bauamt ihren ersten Eindruck. Zusammen mit Bürgermeisterin Doreen Radelow schauten sie nach, was für die Nachwelt in die Schatulle gelegt worden war. Neben dem Inhaltsverzeichnis, Bauzeichnungen, einer Urkunde über das Schulhaus und Münzen lag darin auch die Ausgabe des Neustädter Anzeigers vom 22. Dezember 1927. „Ein Text war rot markiert. Er berichtete vom Bauprojekt und auch von der Kassette“, so Eckhard Schön.

Die gefundenen Dokumente liegen nun erst einmal im Tresor in Doreen Radelows Büro. „Wir werden uns jetzt erst einmal erkundigen, wie man damit umgehen muss, um sie langfristig zu erhalten“, so die Bürgermeisterin. Kopien davon sollen wieder in den Mauern der Turnhalle verschwinden – aber in einer neuen Kassette. In die jetzt gefundene Schatulle würde man nicht mehr alle Papiere hineinbekommen. „Und außerdem wollen wir aktuelle Dokumente dazulegen“, erklärt Doreen Radelow und zählt auf: Unterlagen von der Sanierung, Berichte von Bauingenieur Schön, den „Neustädter Anzeiger“ und das Ludwigsluster Tageblatt mit dem Bericht über den Fund.

Doreen Radelow denkt beim Anblick der Funde gleich an mehr. „Dass wir die Schatulle mit den historischen Unterlagen gefunden haben, ist für uns der letzte Anstoß, um eine schulgeschichtliche und stadtgeschichtliche Ausstellung anzuschieben“, sagt sie. Exponate gibt es reichlich, sie werden derzeit in einem Haus in der Breitscheid-Straße gelagert. Rita Warnecke, einst Lehrerin am Neustädter Gymnasium, das sich in der heutigen Grundschule befand, hatte sie gemeinsam mit Schülern eines Projektkurses zusammengetragen. Auch Eckhard Schön gefällt die Idee: „Wie schön wäre es, wenn wir in Neustadt-Glewe Räumlichkeiten hätten zur Ausstellung dieser und anderer stadtgeschichtlich wertvoller Gegenstände, die im Museumsarchiv und bei Privatleuten ja vorhanden sind?“

Dass nun neue, ganz besondere historische Dokumente hinzugekommen sind, ist gleich einem doppelten Zufall zu verdanken. „Eigentlich wollten wir den Putz gar nicht von der Wand nehmen“, erklärt Eckhard Schön. „Aber dann haben wir Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk festgestellt und uns doch dafür entschieden.“ Und dass er just in jenem Augenblick auf der Baustelle war, ist die zweite glückliche Fügung. Sonst wäre der Mauerspalt vielleicht verschlossen worden und die Kassette nie wieder zum Vorschein gekommen.

 

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