Vogelschutz in Ludwigslust : Schaffe, schaffe, Häusle baue

Ernst-Werner Suckrau baut seit 27 Jahren Nisthilfen vor allem für bedrohte Vogelarten. Diesen Nistkasten hat er für Waldkauze gezimmert.
Ernst-Werner Suckrau baut seit 27 Jahren Nisthilfen vor allem für bedrohte Vogelarten. Diesen Nistkasten hat er für Waldkauze gezimmert.

Mehr als 1000 Nistkästen hat Ernst-Werner Suckrau in seinem Leben gebaut – jetzt plant er eine Ausstellung

svz.de von
11. Januar 2018, 21:00 Uhr

Oft reicht ein Blick aus dem Fenster und Ernst-Werner Suckrau weiß, wie er in den Tag startet. Scheint die Sonne, dann steigt er in den Jeep und fährt in den Beckentiner Wald. An einem nebligen Morgen wie gestern entscheidet er sich für seine Werkstatt im Hinterhof. Dutzende Vogelhäuser stehen dort. Große, kleine, runde, eckige. Mit Spitzdach, mit Flachdach, mit runder Haube. Die meisten sind schon einsatzbereit. Bei anderen Kästen muss Suckrau noch nachbessern. Dachpappe erneuern, Luftlöcher freilegen, das Landebrett anschrauben und Sägespäne einstreuen. Auf jedes Häuschen hat Suckrau mit roter Farbe eine Nummer geschrieben. Nummer 662 steht auf dem neuesten. Einem mittelgroßen Kasten mit vergrößertem Einflugloch, damit Hohlbrüter wie Steinkauz, Blauracke oder Wiedehopf den Weg hinein finden. Kasten Nummer 662 wird Suckrau in den kommenden Tagen an einem Baum am Waldrand neben der A 14 befestigen. „Hohlbrüter finden dort oft keine Plätze mehr zum Brüten, weil die Kiefern erst ab einem gewissen Alter hohle Äste haben“, sagt der 83-Jährige.

Vor mehr als zwanzig Jahren hat der gelernte Forstwirt damit begonnen, etwa 200 Nistkästen im Ludwigsluster Schlossgarten anzubringen. „Damals hingen hier überall nur Meisenkästen“, sagt er. „Wir brauchen aber vor allem Nisthilfen für seltenere oder gar bedrohte Vogelarten.“ Der Waldkauz zum Beispiel nistet nur in Höhen über vier Metern, Nischenbrüter wie Grauschnäpper und Gartenrotschwanz bevorzugen Spalten oder ovale Öffnungen.

Bis heute hat der Rentner allein in seinem Jagdrevier mehr als 500 Nistkästen aufgehängt. Für sein Engagement im Vogelschutz bekam er 2015 vom Landkreis den Walter-Dahnke-Umweltpreis verliehen. Menschen sprechen ihn dazu auf der Straße an, erst kürzlich habe ihn jemand in einem Wartezimmer beim Arzt im brandenburgischen Lenzen erkannt und ihm seine Hilfe bei der Nistkästen-Pflege angeboten. „Die brauche ich inzwischen auch“, sagt Suckrau. „Alleine schaffe ich das nicht mehr.“ Das Bauen sei die eine Sache, viel zeitintensiver ist die Pflege. Denn im Herbst müssten alle Kästen kontrolliert und gesäubert werden. Suckraus Einsatz hat sich auch im letzten Jahr gelohnt: „85 Prozent aller Nisthilfen waren beflogen“, sagt er. Glücklich sei er, wenn er den Erfolg direkt vor Ort miterleben könne, sagt Suckrau. So habe er letztes Frühjahr von seinem Hochsitz aus durchs Fernglas beobachtet, wie der Waldkauz in einem von Suckraus Häuschen die Jungen mit Fröschen fütterte.

Spätestens Ende Februar müssen alle Nistkästen wieder an ihren Plätzen hängen. Ein paar Exemplare wird Suckrau dieses Jahr in der Werkstatt behalten. Die Stadt Ludwigslust plant eine Ausstellung. Vom 4. Juni bis 2. Juli sind Suckraus Nisthilfen im Rathaus zu sehen. Dazu werden Tierfotografien von Wilhelm Brüning aus Beckentin ausgestellt. Auch er hilft Suckrau seit Jahren bei der Pflege der Nistkästen.

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