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Ludwigsluster Tageblatt

23. August 2017 | 02:49 Uhr

Grabow : Schätze schlummern im Stadtarchiv

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Vom Bleiglasfenster für die Weltausstellung in London bis zu historischen Urkunden, Schriften und Büchern gibt es in Grabow viel zu bewundern

Mit Rahmen und Ständer ist es rund 80 Kilogramm schwer, ein Zeugnis handwerklicher Meisterschaft, das seit geraumer Zeit im Obergeschoss des Rathauses Grabow zu bewundern ist. Die Rede ist von einem Bleiglasfenster, eingearbeitet sind das Stadtwappen und eine Seerose, das ein Grabower Glaser für die Weltausstellung 1851 in London anfertigte. „Dabei handelte es sich um eine Industrieausstellung, die viele Aussteller aus aller Welt unter dem Motto ,World Fair’ vereinigte. Das Besondere daran war, dass die Schau im komplett aus Stahl und Glas bestehenden Kristallpalast in der britischen Hauptstadt stattfand und von Queen Victoria eröffnet wurde. Die Exposition fand vom 1. Mai bis zum 11. Oktober 1851 statt“, erzählte Grabows Bürgermeister Stefan Sternberg.


Privatperson schenkte der Stadt das Weltausstellungsexponat


Soweit zur Geschichte. Das Bleiglasfenster fand dann seinen Weg zurück nach Grabow, wurde der Stadt von einer Privatperson als Schenkung übergeben. „Dank der Hilfe von Glasermeister Bernd Lange wurde das Bleiglasfenster restauriert, Unterstützung gab es bei diesem Projekt auch von den Firmen Mrowiec und Giemsch“, berichtete der Bürgermeister weiter. Der zugleich hinzufügt, dass es in Grabow noch viele weitere Geschichtsgüter und historische Zeugnisse zu bewundern gibt. Diese zu bewahren, zu erhalten und zu archivieren, ist eine besondere Aufgabe - dieser hat sich in besonderem Maße Simona Pries verschrieben. Eine junge Frau, 29 Jahre jung, in Neustadt-Glewe zu Hause. Ursprünglich kommt sie aus Litauen, lebt seit fünf Jahren hier in Deutschland und ganz konkret hier in der Region. Im Jahre 2008 nahm sie ihre Tätigkeit als Archivarin der Stadt Grabow und des Amtes Grabow auf. „Wir haben hier in Grabow ein schönes historisches Archiv mit wunderbaren Beständen. Dazu gehören ältere aus dem 17. und 18. Jahrhundert und neuere Gerichtsakten nach 1945. Das Sammlungsgut umfasst Zeitschriften und Zeitungen. Seit 1981 werden auch Zeitungsausschnitte zur Stadtgeschichte erfasst“, so Simona Pries. Alles zu verwalten und zu archivieren, bedeutet für die studierte Fachfrau, die zum Abschluss ihrer Ausbildung ein Praktikum in der Bibliothek der Stadt Ludwigslust absolvierte, ein großes Pensum an Arbeit. „Denn mit der Ämterfusion sind im Jahre 2005 auch die Dokumente und Unterlagen von 13 Gemeinden hinzugekommen. Und da wird natürlich auch von jenen, die in ihren Dörfern eine Chronik erarbeiten, die eine oder Information bei mir im Archiv erfragt“, freut sich Simona Pries über die Resonanz und das Interesse an regionaler Geschichte.

Sorgsam öffnet Simona Pries dann einen Karton aus speziellem Material, der die darin liegenden Unterlagen vor äußerlichen Schäden schützen soll. Die junge Frau, die dafür Schutzhandschuhe angezogen hat, nimmt eine Mappe mit Aktennotizen heraus. Protokolle von Gerichtsverhandlungen und Erbschaftsangelegenheiten aus dem Grabow des Jahres 1942 kommen zum Vorschein.


Urkunde zum Dienstjubiläum von Bürgermeister Franz Floerke


Zu den Besonderheiten im historischen Archiv gehört zum Beispiel die Urkunde zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Bürgermeister Franz Floerke, der im Jahre 1839 sein Amt antrat und in seiner Amtszeit viel für die Stadt Grabow getan hat. Ein besonderes Dokument ist die Urkunde zur Stadtgründung von Grabow aus dem Jahre 1252 durch die Grafen von Dannenberg. Ein weiterer Schatz im Archiv ist die Urkunde zur Schenkung des Dorfes Fresenbrügge der Kirche zu Grabow durch den Grafen Volrad von Dannenberg. Das Dokument stammt aus dem Jahre 1285.

Beim Gang durch das Archiv im Obergeschoss kann der Laie nur erahnen, wie viel Dokumente, Unterlagen, Bücher, Urkunden und weitere gedruckte Zeitzeugnisse hier lagern. „Rund tausend laufende Meter Akten“, lässt sich dazu Bürgermeister Stefan Sternberg vernehmen. Und beim Rundgang wird auch deutlich, dass die Räumlichkeiten für das jetzige Archiv nicht mehr ausreichen. Die tonnenschwere Last des Archivbestandes führte dazu, dass in der Vergangenheit schon der Fußboden mit Stahlträgern verstärkt werden musste. Deshalb plant die Stadt, einen Teil des Archivs auszugliedern, mit dem Verwaltungsarchiv nach 1990 an einen anderen Standort umzuziehen. „Wir prüfen, ob es möglich ist, das alte Maschinenhaus der ehemaligen Rose-Brauerei als Standort für einen Archivneubau nutzen.“

Das Archiv der Stadt Grabow wurde seit 1955 zunächst von einer Sekretärin, dann von einer Archivarin verwaltet. Alle Unterlagen wurden fachlich behandelt und auch ordentlich geführt, sagte Simona Pries. „Die im Archiv der Stadt Grabow befindlichen Unterlagen datieren alle nach 1725, in jenem Jahr gab es den großen Stadtbrand. Das Schloss, Rathaus mit Archiv, Kirche und fast die ganze Stadt wurden Opfer der Flammen. Im Jahre 1725/26 erfolgte der Wiederaufbau des Rathauses.“

In Grabow gab es einst auch ein Gericht. „Ein Teil der Akten ist in das Stadtarchiv gewandert, den anderen Teil hat das Amtsgericht Ludwigslust“, ergänzte Simona Pries, die an dieser Stelle hinzufügt, dass die alten Gerichtsakten sehr häufig auch von Familienforschern eingesehen werden. „Das ist schon spannend und interessant, etwas über Familie und Angehörige zu erfahren, sei es zu Nachlassangelegenheiten oder zu Vormundschaften. Wichtige Informationen über die Menschen, die hier gelebt und gearbeitet haben.“

Die junge Archivarin ist mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden. „Die Arbeit im Archiv ist eine Lebensaufgabe“, so Simona Pries. „Das Auswerten und Forschen ist sehr interessant, es sind schöne Sachen, die wir hier im Bestand haben, und diesen wollen wir auch erhalten. Und wer zu uns ins Archiv kommt, dem können wir auch meist eine Antwort auf seine Anfrage geben.“



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erstellt am 22.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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