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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 21:37 Uhr

Schäfer küren ihren Landesmeister

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2012 | 10:33 Uhr

Schlesin | Sichtlich konzentriert arbeitet Knut Kucznik. Mit wenigen Befehlen dirigiert er seinen Hund, der die 320 Schafe im "engen Gehüt" im Zaum hält. Da die Enge bewirkt, dass die Schafe den Raum verlassen wollen, hat der Hund viel zu tun. Doch geht es heute nicht nur darum das angebotene Futter optimal zu nutzen, sondern es geht um Punkte. Denn Knut Kucznik ist einer von sieben Schäfern, die sich am Sonnabend den Punktrichtern bei der offenen Landesmeisterschaft im Leistungshüten stellten.

Auf der Fläche von Organisator Maik Gersonde in Schlesin mussten die fünf Mecklenburger und zwei Brandenburger Schäfer insgesamt je sechs Elemente mit verschiedenen Hindernissen absolvieren, die ihnen auch im normalen Tagesablauf begegnen. Am Straßenverkehr vorbei und über eine Brücke führten die Disziplinen auch den amtierenden Landes- und Vize-Bundesmeister Riko Nöller, dem die Anstrengung, nach seiner etwa eine Stunde in der Mittagshitze andauernden Übung, sichtlich anzumerken war. "Es ist ganz gut gelaufen und ich bin zufrieden, auch wenn die Herde noch nicht mal richtig eingehütet ist. Die Schafe fordern den Hunden heute alles ab", erklärte er anschließend. Und auch sein Bruder Sven Nöller war mit seinem eigenen Ergebnis zufrieden. "Für das erste Mal ist es gut gelaufen, auch wenn ich vorher ordentlich Respekt hatte."

Diesen Respekt vor dem Beruf des Schäfers und die damit einhergehende Geschichte versucht auch Maik Gersonde durch den Wettbewerb zu vermitteln. "Wir versuchen die Tradition mit viel Mühe aufrecht zu erhalten, denn es gibt heute kaum noch Hüteschäfereien", verdeutlicht der Gastgeber, der die 320 Schafe, die im Wettbewerb gehütet wurden, aus seiner Herde bereit stellte. Vielmehr setzen viele Schäfereien verstärkt auf die Koppelschafhaltung. Das ist auch ein Grund, warum der Nachwuchs oftmals dieses Handwerk nur noch lückenhaft beherrscht. "Noch ist es eine Selbstverständlichkeit, aber wenn man nicht aufpasst, sieht das in 20 oder 25 Jahren bereits ganz anders aus", erläutert der ehrenamtliche Zuchtleiter des Landes Schaf- und Ziegenzuchtverbands Sven Grumbach. Gerade deshalb ist dieser Wettbewerb eine Gelegenheit sich auszutauschen. "Da gibt es dann auch mal spontan Szenenapplaus, weil hier wirklich Erfahrung vertreten ist", erläutert Grumbach. Aber vor allem gab es in Schlesin Gelegenheit sich auszutauschen. "Es ist einfach schön, wenn mal was ist und man die Kontakte pflegen und über das tägliche Brot reden kann", meinte Sven Stapel.

Und so standen in den Gesprächen meist die helfenden Vierbeiner im Mittelpunkt. "Der Hund ersetzt eine Person und es gehört schon eine Passion dazu gut auszubilden", so der Zuchtleiter des Landesverbands. Und selbst ausgebildet haben ihre Hunde hier alle. Und man merkt den Stolz, wenn die Schäfer über ihre Helfer reden. "Das Hüten steckt den Tieren in den Genen. Man muss einen starken Bezug zum Menschen aufbauen und so das Wesen des Hundes prägen", verdeutlicht zum Beispiel Landesmeister Nöller. Und auch Organisator Gersonde hat eine starke Bindung zu seinen Hunden Jack und Brötchen. "Brötchen war bei der Geburt so klein, dass er eben genau so aussah. Deshalb konnte er nur so heißen", erklärt Ger sonde den ungewöhnlichen Hundenamen.

Beim Leistungsvergleich der besten Schäfer konnte letztendlich Riko Nöller aus Lohmen seinen Titel verteidigen. Er vertritt nun Mecklenburg-Vorpommern beim Bundesfinale. Zweiter wurde sein Bruder Sven Nöller.

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