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Verschwendungsvorwurf der Steuerwächter : Sanddorn-Forschung im Visier

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Ist die Sanddorn Storchennest GmbH Ludwigslust an einer Steuerverschwendung sechsstelligen Ausmaßes beteiligt? Der Bund der Steuerzahler Deutschland behauptet genau das. Wir fragten bei einem Projektbeteiligten nach.

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2012 | 10:19 Uhr

ludwigslust | Ist die Sanddorn Storchennest GmbH Ludwigslust an einer Steuerverschwendung sechsstelligen Ausmaßes beteiligt? Der Bund der Steuerzahler Deutschland behauptet genau das. Er hat eine Broschüre unter dem Titel "Frühjahrsputz" herausgebracht, die unter 30 Beispielen angeblicher Steuerverschwendung auch das Projekt "Naturkosmetik aus Sanddorn" auflistet. Das Bundesverbraucherschutzministerium hatte es mit einem Wertumfang von 390 000 Euro aufgelegt (SVZ berichtete). Der Vorwurf: Wer im Internet nach "Sanddorn-Kosmetik" suche, erhalte in gängigen Shopping-Suchmaschinen bereits nahezu 900 Treffer.

Herausgeworfenes Geld? Wie sieht ein Projektbeteiligter das? SVZ fragte nach bei Dr. Jörg-Thomas Mörsel von der Untersuchungs-Beratungs-Forschungslaboratorium GmbH in Altlandsberg bei Berlin. Sie ist zusammen mit der Uni Freiburg und den Ludwigsluster Sanddornproduzenten an dem Projekt beteiligt. Wobei letztere lediglich die Sanddornblätter zuliefern, wie Geschäftsführerin Ilona Schreiber betont.

Mörsel reagiert gereizt auf den Vorwurf der Steuerwächter: "Es ist bedauerlich, dass sachunkundige Personen sich ein Urteil über Forschungsarbeiten anmaßen", sagt er.

Sanddornblätter werden bei der Ernte vollständig verworfen, müssen kostenintensiv entsorgt werden. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Dschingis Khan seine Reiter die Pferde mit den Blättern des Sanddorn abreiben ließ, um deren Fell zu pflegen. Auch weiß die Forschung, dass in dem Sanddorn (-öl) Substanzen enthalten sind, die die Haut pflegen und Wunden heilen. Russische Astronauten haben über Jahrzehnte Sanddornöl gegen die Strahlenschäden mit an Bord gehabt. Die östliche Medizin verwendet Sand dorn öl und Auszüge aus Blättern für Hunderte von Heilungen.

"Trotz intensiver Arbeiten ist es bis heute nicht gelungen, eine Leitsubstanz für diese Wirkung zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass eine derartige Wirkung aus der Gesamtheit der Inhaltsstoffe des Sanddorn erwächst und nicht aus einer Wundersubstanz. In Russland ist ein gewonnener Extrakt aus Holz seit etwa zehn Jahren als antivirales Mittel in Apotheken auf dem Markt", erläutert Jörg-Thomas Mörsel.

Daraus resultierend sei es durchaus Erfolg versprechend und sinnvoll, nach Extrakten aus den Blättern des Sanddorn zu suchen, die diese Wirkung haben. Genau das sei das Ziel des Projektes. Naturkosmetika ohne Zusatz von chemischen Hilfsstoffen sei nur ein Beispiel. Es könne auch ein Hautpflegemittel, ein Medizinprodukt, vielleicht ein homöopathisches Produkt, ein Tierpflegemittel oder auch ein Arzneimittel sein. Etwa nur 15 Prozent des Arbeitsvolumens bezögen sich auf die strittige Kosmetik-Anwendung.

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