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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 13:52 Uhr

Neustadt-Glewe : Salto in 4000 Metern Höhe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sebastian Schmidt ist mit 3600 Sprüngen ein erfahrener Fallschirmspring. Heute greift er ins Meisterschaftsgeschehen ein

Wie funktioniert Fallschirmspringen? Was fühlt man im freien Fall? Hat man nach hunderten Sprüngen immer noch ein Kribbeln im Bauch? Wer, wenn nicht Sebastian Schmidt, kann solche Fragen beantworten. Seit 2001 ist er Fallschirmspringer und hat mit bisher 3600 Sprüngen – allein 300 davon in diesem Jahr – genug Erfahrung. Derzeit nimmt er an der Deutschen Meisterschaft im Fallschirmspringen teil und gehört zum Neustädter Team.

Noch ist Sebastian Schmidt bei der Meisterschaft nicht gestartet. „Ich bin erst am Mittwoch dran. An diesem Tag beginnen die Wettkämpfe in meiner Disziplin, der Artistik“, erklärt Sebastian. „Bis dahin sind die Schirmdisziplinen dran. Dabei geht es vorrangig darum, als Vierer- oder Achterteam vorgegebene Figuren so oft wie möglich in der Luft gemeinsam darzustellen.“ Bei seiner Disziplin gehe es darum, sich eine Kür selbst auszudenken. „Dann wird nicht die Korrektheit bewertet oder wie oft man etwas schafft, sondern die Schönheit.“ Das Ganze wird dann von einem Kamera-Mann – oder einer Kamera-Frau – gefilmt. Er bzw. sie ist auch ein Fallschirmspringer und gehört mit zum Team. Aufgabe ist es, die anderen Teammitglieder besonders gut zu filmen und dabei teilweise auch selbst Figuren zu machen. Das sehe später dann auf dem Video, das letztlich bewertet wird, besonders kompliziert aus, so Sebastian Schmidt.

„Das Knifflige ist, dass man nur eine Minute Arbeitszeit hat. Das heißt, in dieser Zeit muss man es schaffen, die gesamte Kür möglichst perfekt zu zeigen. Wir springen bei 4000 Metern raus, haben diese eine Minute Zeit, und dann öffnet sich auch schon der Fallschirm.“

Wenn man nur eine solch kurze Zeitspanne zur Verfügung hat, sind Planung und Vorbereitung umso wichtiger. „Wir üben alles immer wieder am Boden, bis wir es richtig verinnerlicht haben. Denn bei solch einem Sprung kann man sich nicht viel Überlegen erlauben.“ Trotzdem sei es dann in der Luft immer noch anders als unten. Manchmal sogar einfacher. Einen Salto zum Beispiel könne man in der Luft viel einfacher machen, denn man laufe ja nicht Gefahr, mit dem Kopf auf dem Boden zu landen“, so Schmidt.

Eine Minute im freien Fall. Bleibt da überhaupt Zeit zum Nachdenken – oder zum Angst haben? „Ich habe eigentlich keine Angst. Sonst würde ich ja nicht springen“, sagt Sebastian Schmidt. „Wovor sollte ich auch Angst haben? Die Ausrüstung wird jährlich geprüft, und neben dem Fallschirm haben wir auch einen Reservefallschirm und eine Elektronik, die den Fallschirm nach einer bestimmten Zeit von allein öffnet, falls wir es selber nicht getan haben. Es gibt also nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste. Wir sagen höchstens mal, dass wir Respekt haben – aber Angst haben wir eigentlich nie.“

Das Kribbeln im Bauch war bei ihm auch nur bei den ersten Sprüngen da, genauso wie diese großen Adrenalin-Schübe. „Das ist am Anfang echt überwältigend“, sagt Sebastian Schmidt. „Bei mir war es so doll, dass ich mich jetzt nicht mehr an die ersten zehn Sekunden meines ersten Sprunges erinnern kann.“ Aber jetzt habe er eine gewisse Routine und sei nur noch selten aufgeregt – und wenn überhaupt, dann nur im Flugzeug beim Flug nach oben.

Beobachten kann man Sebastian Schmidt und die anderen Fallschirmspringer bei ihren kunstvollen Figuren noch bis Ende der Woche auf dem Flugplatz in Neustadt-Glewe.

 

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