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Dömitz : Runter vom Gas: Modell „Radweg“ wird verlängert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bundesweites Pilotprojekt „Schutzstreifen außerorts“ im Amt Dömitz-Malliß könnte zur StVO-Änderung führen

von
erstellt am 17.Jan.2015 | 08:00 Uhr

„Schutzstreifen außerorts“ – mit diesem Modellversuch für Radwege hatte das Amt Dömitz-Malliß vor drei Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht. Das Projekt sollte Ende 2014 auslaufen. Jetzt wird es verlängert. Mit Aussicht auf dauerhaften Bestand. Denn läuft es weiter so erfolgreich, könnte es am Ende zur Änderung der Straßenverkehrsordnung führen. Bernd Sievers, Referent Radverkehrsnetz im Ministerium für Energie und Infrastruktur, ist zuversichtlich. „Die Vorher- und Nachher-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Autofahrer zwar oft das vorgeschriebene Tempo 70 überschreiten. Doch seit der Schutzstreifen da ist, drosseln durchweg alle Autos hinter Radfahrern die Geschwindigkeit. Das haben sie ohne die Markierung vorher nie gemacht.“ Peter Krausse, selbst passionierter Rennradfahrer, hat das vor Ort erlebt. Der Verkehrsplaner radelte in den vergangenen Jahren oft auf den Kreisstraßen zwischen Grebs und Karenz, Schlesin und Heidhof oder Karenz und Niendorf über die neuen Schutzstreifen. Im Auftrag des Lübecker Verkehrsbüros Urbanus wurden seine Fahrten mit der Videokamera dokumentiert. „Vor Kuppen und Kurven bin ich ohne den Schutzstreifen immer überholt worden“, erzählt Krausse. „Doch seit markiert ist, fahren die Autos langsam hinter mir.“ Krausse war auch dabei, als Autofahrer und Radfahrer auf den Teststrecken im Landkreis Ludwigslust-Parchim für Befragungen von der Polizei gestoppt wurden. „Neunzig Prozent der Radfahrer befürworteten in den Umfragen den Schutzstreifen“, sagt er. Überrascht hat ihn die Reaktion der Autofahrer. „Hier war mehr als die Hälfte für die Markierung.“ Krausse hatte mit mehr Ablehnung gerechnet, weil der Schutzstreifen doch erheblich in das Fahrverhalten eingreife.

Unfälle im Zusammenhang mit der neuen Markierung habe es laut Bernd Sievers vom Ministerium noch nicht gegeben. Weder im Landkreis Ludwigslust-Parchim noch auf den anderen Teststrecken in Niedersachsen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In Stormarn, so viel kann Verkehrsplaner Krausse schon sagen, hätte sich mit Einführung der Schutzstreifen die Zahl der Radfahrer verdoppelt. „Hier trauen sich heute viele mit dem Rad zum nahe gelegenen Reitstall, zu dem sie sonst immer mit dem Auto fuhren.“

Im Frühjahr solle es eine letzte Zählung und Messung im Amt Dömitz geben, bevor die Ergebnisse des Modellversuchs im September dann auf einem Symposium in Berlin vorgestellt werden. Peter Krausse könnte sich vorstellen, dass Gutachter das Modell befürworten. Die Entscheidung, ob künftig deutschlandweit auch außerorts Radwege auf Straßen markiert werden, trifft der Ausschuss „StVO“ im Bundestag. „Das wird eine harte Nuss“, sagt Krausse. „Aber es ist machbar.“

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