Grabow : Rumms, weg ist er...

<p>Abschied mit dumpfem Knall.</p>
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Abschied mit dumpfem Knall.

Abriss der Alten Gärtnerei in Grabow macht Platz für Photovoltaikanlage

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05. November 2015, 07:00 Uhr

Drei Mal bläst  Sprengmeister  Karl-Heinz Bühring ins Signalhorn. Ein Mal lang, zwei Mal kurz. Wenig später  bebt die Erde. Ein dumpfer Knall bringt die geparkten Autos in 400 Meter Entfernung zum Wackeln. Noch steht der Schornstein. „Er braucht eine Weile, bis er weiß, was er will“, sagt Bühring. „Verharr-Zustand“, nennt es der Sprengmeister.  Aber dann -  drei, vier  Sekunden später - kippt der 60 Meter hohe Turm. Genau dorthin, wo Karl-Heinz Bühring ihn haben wollte.   Fotoapparate klicken, Handys filmen, und die Bauarbeiter, die für eine halbe Stunde ihre Arbeit unterbrechen, kommentieren  das Spektakel lautstark mit einem: „Astrein“.

Drei Tage haben sich Sprengmeister Karl-Heinz Bühring und sein Kollege Thomas Sonderhof auf diesen einen Moment vorbereitet. Sie haben Löcher in den Fuß des Betonturmes gebohrt, Eisen mit Schneidbrennern durchtrennt und zwei Kilogramm  Sprengstoff so angebracht, dass der herausspringende Keil am Fundament den Turm zum Umfallen bringt. „Wir überlisten die Statik“, sagt Thomas Sonderhof. „Das ist ein bisschen wie Baumfällen.“ Nach der Sprengung können die beiden wieder scherzen. Vorher waren sie  angespannt, hoch konzentriert und streng mit den  umstehenden  Zuschauern und Bauarbeitern. „Man hat immer einen Riesenrespekt vor dem Turm“, sagt Bühring „Das Herz klopft und man hofft jedes Mal, dass alles so  abläuft, wie geplant.“ Der 60 Meter hohe Schornstein neben dem Heizwerk auf dem Gelände der Alten Gärtnerei ist der 552. Turm, den Karl-Heinz Bühring sprengt. „Zur Routine wird das nie“, sagt er. „Und wenn es so wäre, dann müsste ich sofort aufhören mit dem Job.“

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Gebäude, Brücken, Fundamente, Windräder und Schornsteine - für die Sprengungen ist der Magdeburger  Abbruch-Experte in ganz Deutschland unterwegs. Nicht jeden Auftrag nimmt er an. „Sicherheit geht vor. Wenn irgendetwas nicht stimmt, das Gelände zu klein ist oder Gebäude zu dicht stehen, sage ich ab.“ Erst kürzlich habe er eine Schornsteinsprengung abgelehnt, weil Gefahr bestand, der Turm falle auf ein angrenzendes asbestverseuchtes Gebäude. Auch in Grabow vermeidet der Sprengmeister möglichst jedes Risiko. Mit einem Radlader wird der in sicherer Entfernung liegende Radweg gesperrt. Und Kollege Thomas Sonderhof  steht vorn an der B 5 und gibt ein Zeichen, wenn die Straße frei ist - damit Bühring auf den Knopf drücken kann.  „So bleibt den  Autofahrern die   Schrecksekunde  während des Knalls erspart.“

Für die Bauarbeiter beginnen jetzt die Aufräumarbeiten. Der Turm hat einen halben Meter tiefen Krater in die Erde gerissen. Noch in diesem Monat will Grundstückseigentümer Dietmar Sörgel das Areal komplett beräumt haben. Der Forstunternehmer hatte die Fläche vor sieben Jahren gekauft. „Zwischen den Ruinen der Gärtnerei hat sich immer mehr Müll angesammelt“, sagt er. Das hat jetzt ein Ende: Sörgel verpachtet das elf Hektar große Gelände an die Hamburger Enerparc AG. Spätestens in drei Monaten soll hier ein Solarpark entstehen.

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