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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 13:41 Uhr

Leussow : Rostige Schönheit vom Heuboden

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Klaus Thomas macht mit bei der Suche nach dem ältesten Rad – sein Exemplar fand er unter dem Dach eines alten Kolonialwarenladens

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 21:00 Uhr

„Ist das nicht wunderschön?“ Ganz vorsichtig streicht Klaus Thomas über den Rahmen des alten Fahrrads. Rost krümelt zwischen seinen Fingern. Die Farbe des Gestells ist kaum noch zu erkennen. Und um die Marke eindeutig zu identifizieren, muss der Rentner kräftig mit Spucke am Finger auf dem Steuerschild unter dem Lenker rubbeln. „Steyr“ steht dort in lang gezogenen Großbuchstaben. „Oh das ist alt“, sagt der 67-Jährige. „Vielleicht aus den zwanziger oder dreißiger Jahren.“ Das Rad lag jahrezehntelang auf dem Dachboden über dem Raum des ehemaligen Kolonialwarenladens Leussows. Richard Klinge betrieb hier früher erst eine Tankstelle, dann einen Laden und später eine Kneipe. „Ich wusste von dem Schatz“, sagt Klaus Thomas, dessen Frau die Nichte von Richard Klinge ist. Nach dem Tod der Tante zog zog das Paar aus Dresden nach Leussow. Nichts von alldem, was Händler Klinge hinterließ, wollte Klaus Thomas wegwerfen. Im Gastraum steht noch der originale Schubladenschrank. Klinge hat darin auch Fahrradzubehör geordnet: Messingluftpumpen, Karbidbehälter, Ölkännchen, Bremsgummis, Klingeln, Katzenaugen, alte Fangnetze... Sogar einen Katalog von 1928 für Fahrräder und Automobile findet Klaus Thomas im Nachlass.

Für das alte Steyr-Rad waren sogar noch die passenden Ersatzfelgen vorhanden. Originalverpackt. „Das ist Geschichte zum Anfassen. Das schmeißt man nicht weg“, sagt Klaus Thomas. Noch in diesem Jahr will er das Rad wieder flott machen. „Erst wird es mit dem Sandstrahler entrostet, dann ein bisschen poliert. Wahrscheinlich muss ich nur die Speichen austauschen.“ Doch egal, wie weit der Rentner mit der Restauration kommt – sein Fahrrad ist so oder so im Rennen um den Titel „Ältestes Rad der Region“, der dieses Jahr im Vorfeld der Velo Classico vergeben wird. Etliche Anmeldungen sind bereits eingegangen. Auch aus Plau am See und aus Parchim. Wegen der großen Resonanz hat der Veranstalter den Einsendeschluss auf Ende April verlegt. „Wir wollen sehr sorgfältig bei der Auswahl vorgehen“, sagt Detlef Koepke vom Organisationsteam. Deshalb arbeite man hier mit dem Verein Historische Fahrräder e.V. zusammen. Koepke hat die Velo Classico vor drei Jahren in Ludwigslust ins Leben gerufen. Er ist selbst großer Fan alter Fahrräder. Noch heute schwärmt er von seiner letzten Ausfahrt auf einem Rad anno 1923. „Fahrräder waren damals Luxusartikel von hervorragender Qualität. Erst als sie Massenwaren wurde, hat man bei der Produktion geschlampt.“

Das Alter der Räder bestimmen die Experten übrigens anhand der Rahmennummer, die sich unter dem Sattel oder am Tretlager befindet. Klaus Thomas konnte an seinem Rad keine finden. Noch nicht. Spätestens, wenn der Rost fällt, wird auch die Nummer wieder glänzen.

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