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Windkraft Westmecklenburg : Rolf Christiansen: „Es geht nicht um Wünsche“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Rolf Christiansen zum Sinn der aktuellen Planungen neuer Windeignungsgebiete – und zu den Folgen für betroffene Gemeinden

Das Thema Windenergie erhitzt in der Region nach wie vor – oder gerade jetzt – die Gemüter. Noch knapp zwei Wochen haben Bürger, Gemeinden und Behörden Zeit, sich zum Entwurf für das neue Regionale Raumentwicklungsprogramm zu äußern. Darin geht es um die Ausweisung neuer Windeignungsgebiete. Kathrin Neumann sprach mit Rolf Christiansen, dem Vorsitzenden des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg.

Das Thema Windenergie erhitzt in Westmecklenburg nach wie vor – oder gerade jetzt – die Gemüter. Noch knapp zwei Wochen haben Bürger, Gemeinden und Behörden Zeit, sich zum Entwurf für das neue Regionale Raumentwicklungsprogramm zu äußern. Darin geht es  um die Ausweisung neuer Windeignungsgebiete. Kathrin Neumann sprach mit Rolf Christiansen, Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes.

Noch kann der produzierte Windstrom nicht komplett genutzt werden, weil Leitungskapazitäten zu gering und Speichermöglichkeiten begrenzt sind. Halten Sie es  persönlich dennoch für sinnvoll, den Ausbau derart zu forcieren?
Nein, im Moment nicht. Es ist den Menschen schwer vermittelbar, dass Windräder aufgestellt und dann in Spitzenzeiten abgeschaltet werden. Der Zuwachs an Windenergieanlagen sollte nur so hoch sein, wie der Windstrom tatsächlich genutzt oder abtransportiert werden kann. Gleichzeitig muss man Speicherformen weiterentwickeln und ausbauen. Da habe ich gerade ein Pilotprojekt in der Prignitz besucht, bei dem mit Hilfe von überschüssigem Windstrom Wasserstoff erzeugt und ins Erdgasnetz geleitet wird. Es rechnet sich noch nicht, könnte es aber irgendwann.

Warum forciert der Planungsverband die Ausweisung von Windeignungsgebieten jetzt trotzdem?
Weil das Fragen sind, die in einem Raumplanungsverfahren keine Rolle spielen. Und weil die Planung jetzt sinnvoll ist, um Konzentrationsflächen für Windräder an den am besten geeigneten Standorten auszuweisen und dadurch zu verhindern, dass solche Anlagen überall gebaut werden können. Denn laut Baugesetzbuch sind Windenergieanlagen privilegiert und können im Außenbereich überall aufgestellt werden. Und wenn wir das Raumentwicklungsprogramm von 2011 nicht fortschreiben, könnte uns das als Verhinderungstaktik ausgelegt werden.

Kämpfen Sie aus voller Überzeugung für neue Windeignungsgebiete?
Ich mache einen Job, und es gibt rechtliche Vorgaben, die umzusetzen sind. Ich halte Windenergie für eine notwendige Energieform, aber ich könnte mir – ganz privat – auch andere Kriterien vorstellen. Das, was in Schleswig-Holstein passiert, ist ein Unding. Dort wurden die Pläne alle aufgehoben und nun wird auf „Teufel komm’ raus“ gebaut. Ich verstehe nicht, wie die dortigen Genehmigungsbehörden so etwas zulassen können. Man muss die Menschen vor der technischen Überforderung der Landschaft schützen.

Unsere Region gilt als windschwach. Haben Windräder hier überhaupt einen Sinn?
Als 1996 der erste Plan aufgestellt wurde, war die Windhöfigkeit noch ein Hauptargument. Da wurden nur Gebiete ausgewiesen, die als windstark galten. Heute spielt das keine Rolle mehr. Dank der technischen Möglichkeiten kann man auch mit weniger Wind zu guten wirtschaftlichen Ergebnissen kommen.

Einige Bürgermeister argumentieren, dass ein Windpark für die Gemeinde die einzige Chance ist, wieder zu Geld zu kommen und zu überleben. Ein nachvollziehbares Argument?
Es geht nicht um Wünsche der Gemeinden, sondern darum, ob ein Gebiet unsere Kriterien erfüllt. Sicher kann Windkraft zur Entlastung der Gemeindefinanzen beitragen, wenn es vertraglich gut geregelt ist. Dem stehen wir als Kommunalaufsicht aufgeschlossen gegenüber, würden Beteiligungen von Gemeinden genehmigen, wenn die Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen positiv ausfallen.

Das Thema Windkraft führt in einigen Gemeinden zum Riss durch die Gemeinschaft. Ist es das wert?
Welche andere Möglichkeit haben wir? Die Energiewende wollen wir. Also muss irgendwo anders als in Atom- und Kohlekraftwerken Strom erzeugt werden. Dazu ist die Windenergie in dieser Region ein probates Mittel. Dabei sind Grundeigentümer klar im Vorteil, und es gibt keine rechtliche Möglichkeit, alle Menschen gleichmäßig zu beteiligen, auch wenn verschiedene Modelle denkbar wären. Es ist eine ganz schwierige Situation, insbesondere für die Verantwortlichen vor Ort, für Bürgermeister und Gemeindevertreter, die das noch sehr viel stärker aushalten müssen als wir auf der nächsten Ebene. Das ist eine Entwicklung, die nicht gut ist.

Einige Gegenden wie Grabow/Ludwigslust werden mit Windrädern zugestellt, andere bleiben davon fast frei. Ist da keine gerechtere Verteilung möglich?
Dann müsste man dafür sorgen, dass schützenwerte Biotope und bestimmte Vogelarten gleichmäßiger verteilt sind. Wenn sich Eignungsflächen irgendwo konzentrieren, hat das mit der naturräumlichen Ausstattung zu tun.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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