Grabow : Rohrschüler beweisen Courage

Sie sind die Initiativgruppe des Projektes: Lorraine Staniczek (r.) und Kim Leon Helbig aus der Klasse 9a sowie Schulsozialarbeiterin Sabine Wendt.
Sie sind die Initiativgruppe des Projektes: Lorraine Staniczek (r.) und Kim Leon Helbig aus der Klasse 9a sowie Schulsozialarbeiterin Sabine Wendt.

Über 87 Prozent wollen bei einem Anti-Diskriminierungsprojekt mitmachen / Grabower Neuntklässler geben Anstoß

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15. September 2015, 07:00 Uhr

Es ist ein Weilchen her, da wurde an der Grabower Friedrich-Rohr-Schule ein Politik-Projekt durchgeführt. „Es war erschreckend, wie viele Schüler damals hätten die NPD gewählt, wenn sie wahlberechtigt gewesen wären“, erinnert sich Schulsozialarbeiterin Sabine Wendt.

Das hat sich grundlegend gewandelt. Aktuell haben sich 87,8 Prozent aller Schüler auf einer Unterschriftenliste zum Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekannt. „Und das Schöne ist: Schüler selbst sind an mich herangetreten, ob wir uns nicht an dem Projekt beteiligen könnten“, freut sich die Schulsozialarbeiterin.


Europäische Initiative auch in Grabow


Kim Leon Helbig aus der 9a hat von dem Projekt gelesen. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist eine europäische Jugendinitiative, die es seit 27 Jahren gibt und die bereits eine Abkürzung erhalten hat: SOR-SMC. Entstanden ist sie 1988 in Belgien. Schulen, die in diesem Netzwerk mitmachen wollen, einigen sich mehrheitlich darauf, aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Aber noch mehr als das. Seit einer Neuorientierung stehen alle Formen der Diskriminierung auf der No-Go-Liste. Eigentlich hätte es gereicht, wenn sich 70 Prozent der Rohrschüler zu dem Projekt bekannt hätten. Dass es 87,8 Prozent geworden sind, hat alle überrascht. Das Ergebnis ist aber nicht vom Himmel gefallen. „Wir haben ganz viele Projekte zum Thema Rechtsextremismus und Diskriminierung gemacht“, so Sabine Wendt. „Warum sollen wir dann nicht bei ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ mitmachen?“, hat Kim Leon sie eines Tages gefragt. Ja, warum eigentlich nicht. Die Entscheidung war gefallen. Eine Initiativgruppe wurde gebildet, der neben der Schulsozialarbeiterin auch Kim Leon und seine Klassenkameradin Lorraine Staniczek angehören. Lorraine erzählt von der Projektwoche, in der altersspezifisch von Klasse 5 bis 10 die unterschiedlichsten Themen auf der Tagesordnung standen. In der ersten Schulwoche nach den Sommerferien war das. Es gab 14 Projekte an drei Tagen. Während sich die Jüngeren mit dem Basteln von Buttons beschäftigten und mit Helium gefüllte Ballons, bestückt mit Karten, steigen ließen, setzten sich die Älteren mit den verschiedensten Formen der Diskriminierung auseinander, von Cybermobbing bis zu Ausgrenzungen wegen sexueller Orientierung.

Zunächst aber galt es, den Mitschülern die Begriffe zu verdeutlichen, was sich hinter Diskriminierung verbirgt.

Darüber hinaus sind die Rohrschüler mit ihrer Unterschrift eine Verpflichtung eingegangen. Sie wollen sich auch in dem jetzt begonnenen Schuljahr mit dem Inhalt von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auseinandersetzen.


„Wir sind ganz stolz auf unsere Schüler“


„Wir sind ganz stolz auf unsere Schüler und besonders auf die Klasse 9a“, gesteht Sabine Wendt. Die Jugendlichen hätten zum Beispiel mitgeholfen, die Ballons mit Helium zu füllen.

Um den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen zu bekommen, ist also die erste Voraussetzung erfüllt – die Selbstverpflichtung, künftig gegen jede Form von Diskriminierung einzuschreiten. Die zweite: Jedes Jahr soll mindestens ein Projekttag zu dem Thema stattfinden. Das dürfte an der Rohrschule auch kein Problem sein. Die dritte Voraussetzung für den Titel ist noch etwas knifflig. Es gilt einen Förderer zu finden, der das Projekt an der Schule künftig unterstützt. Das ist noch nicht geklärt. Aber schaffen werden sie es, da ist sich die Initiativgruppe sicher.

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