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Ludwigsluster Tageblatt

17. Oktober 2017 | 17:20 Uhr

RocknRoll im Kaufhaus

vom

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erstellt am 09.Sep.2013 | 11:10 Uhr

Ludwigslust | Der Mond in Ludwigslust hatte sich in der Nacht zu Sonntag verdreizehnfacht - vor jedem der diesmal insgesamt 13 Veranstaltungsorte in der Innenstadt lud dieses längst zum Wahrzeichen der Kunst- und Kulturnacht gewordene leuchtende Gesicht zum Besuch ein. Obwohl sich die Zahl der Veranstaltungsorte gegenüber dem Vorjahr verringert hatte, war es in den fünf Stunden Programm kaum möglich, alles zu sehen.

Ins Kaufhaus Nessler in der Lindenstraße 27 lockte diesmal der von der ersten Minute an mitreißende Auftritt der Rostocker Band "The Crazy Boys", die mit cooler Musik der 50er-Jahre älteres, mittelalterliches und auch ganz junges Publikum begeisterte und schon kurz nach Beginn sogar zwei stilecht in der damaligen Damenmode gekleidete junge Frauen zum Tanzen bewegte. Das brachte den beiden Tänzerinnen und der Band um den Gitarristen und Sänger Lars Wechselbaum, die auf europäischen Musikfestivals genauso zu erleben ist wie bei privaten Geburtstagsfeiern, viel Beifall ein.

Im Zebef war die Tanz-Performance des Ensembles "Treme Terra" aus Brasilien zu erleben, und im Rathaus luden die Stadtbibliothekarinnen Manuela Gawlick und Manuela Ulrich zu einer Begegnung mit literarischen Merkwürdigkeiten und Ludwigsluster Originalen wie dem Stadtkirchenorganisten Willi Pitschner und Fräulein Susemihl ein. Im Rathaussaal erfuhr man auch, warum sich die Unteroffiziere der Dragoner beim Hauptgottesdienst immer in das Gestühl am Gang setzten und wie die um die vorige Jahrhundertwende in Ludwigslust existierende lustige Tafelrunde "Hermann" zu ihrem ungewöhnlichen Namen gekommen war. Schade, dass nur gelesen wurde und nicht wenigstens eines der Originale auch besichtigt werden konnte.

Im Hof der Familie Prey in der Schlossstraße 33 schlüpfte der Medizinprofessor Dr. Peter Clemens zu seiner Lesung über und aus dessen Texten traditionell in die Rolle seines berühmten Urgroßvaters, des Ludwigsluster Rechtsanwalts, Schriftstellers und Senators Otto Kaysel.

Im "Gelben Salon" des Ludwigsluster Kunst- und Kulturvereins in der Schlossstraße 29 stellte Katrin Neumann auf der Gitarre klassische lateinamerikanische Kompositionen des 20. Jahrhunderts vor. Anwesend war dort auch Maler und Bildhauer Klaus Freytag, der zum einen für Gespräche über seine derzeit dort gezeigte Ausstellung mit "Männer"-Porträts zur Verfügung stand und zugleich die Zeit für Menschenbeobachtungen nutzte. Denn ihn interessiere vor allem der Mensch, wie der Künstler erläuterte.

Schräg gegenüber auf dem Hofgelände Schlossstraße 14 warteten schon die beliebten "Flaschenlichter"-Lichterflaschen von Gabi Pläge, die natürlich bei Dunkelheit erst recht reizvoll aussehen, sowie Glas, Porzellan und Perlen von Kirsten Grundler und Schmuckstücke von Christiane Wermann und nicht zuletzt auch Schmalzstullen und Bierbowle auf die hungrig und durstig gelaufenen Kukuna-Nachtschwärmer.

In der sanierten Orangerie in der Friedrich-Naumann-Allee waren Schauspielerin und Sängerin Jana Kühn und ihr Partner Anton Kryukov am Bajan - einem russischen Knopfakkordeon - zu Gast. Gut aufeinander eingespielt präsentierten die beiden Künstler ein ebenso leidenschaftliches wie mitunter melancholisches Fünf-Runden-Programm von Bach bis zu den Beatles, aber vor allem mit deutschen, französischen und russischen Chansons. Und obwohl Kühn eigentlich aus Nauen stammt und in Schwerin und Berlin zu Hause ist, fühlte sie sich an diesem Abend und bei den "sehr freundlichen Leuten" in der Orangerie sehr wohl und nach eigener Aussage fast wie eine echte Ludwigslusterin. Auch Heike und Detlef Reimann, die bereits zum vierten Mal Gäste der Kukuna waren, gefiel es dort. Sie freuen sich bereits auf die achte Kukuna-Ausgabe am 13. September 2014.

Zum Ausklang einer nicht nur wegen der lauen Witterung gelungenen Kukuna zog es viele Gäste in die evangelische Stadtkirche. Dort verabschiedeten Organistin Annegret Böhm mit Stücken von Bach bis Mendelssohn und Gemeindepädagoge Hans-Joachim Marschall mit anregenden Worten zur Nacht ihre Besucher in den neuen Tag, einen gesegneten Sonntag. Gesamtprädikat: niveauvoll unterhaltsam, vergnüglich und wiederholenswert. Viel Kultur und Kunst für wenige Euro - Mondscheintarif eben.

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