Boxsport in Grabow : Ring frei für Phils rechten Haken

Fixiert seinen Gegner: Der neunjährige Phil Evert (l.) mit seinem Trainer Tim Drossel.  Fotos: Sabrina Panknin
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Fixiert seinen Gegner: Der neunjährige Phil Evert (l.) mit seinem Trainer Tim Drossel. Fotos: Sabrina Panknin

Beim Grabower SV können Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene sich mit Boxen fit halten. Boxsport gibts seit 1959 in Grabow

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05. März 2018, 12:00 Uhr

Jab, Cross, Hook, Uppercut – Boxer wissen jetzt genau, worum es geht. Doch für Nicht-Boxer klingen diese Worte erst einmal wie Fach-Chinesisch. In Grabow allerdings können Kinder und Jugendliche mittlerweile wieder etwas mit dem linken und rechten Haken – dem Jab und dem Cross – anfangen. Auch der Seitwärts- und Aufwärtshaken gehören für die Kinder zum Alltag. Mehrere Jungs stehen in Kampfposition vor ihren Sandsäcken. Sie warten auf das Kommando ihres Trainers. Beim Grabower SV Boxen wird trainiert – hart, diszipliniert, ausdauernd. „Im nächsten Jahr feiern wir unser 60-jähriges Bestehen“, sagt Reinhard Sternberg, einer, der es wissen muss. Schließlich hat er selbst das Boxen mit zwölf Jahren angefangen. Trainiert wurde er damals von keinem geringeren als Karl-Heinz Apenburg. Auch er mischt noch mit in Grabow. Trainiert nicht nur die Erwachsenen in der Freizeitgruppe, sondern auch die Kinder.

Aufs Kommando gehts los. Die Arme sind oben, die Hände sicher geschützt in Handschuhen. Deckung muss sein. Es wird geboxt. Der Gegner. Ein Sandsack. „Seid ihr kaputt?“, ruft Markus Richter, einer der Trainer, in die Runde. „Nein? Dann runter. Zehn Liegestützen.“ Gemeint sind alle. Markus Richter und Tim Drossel wissen, wovon sie reden, wenn sie den Kindern das Boxen beibringen. Schließlich waren beide einmal aktive Boxer. Jetzt trainieren sie den Nachwuchs – für Wettkämpfe. „Beim Boxen geht es nicht darum, einfach draufzuschlagen“, erklärt Markus Richter, der als Kind in der Landesauswahl von Mecklenburg-Vorpommern geboxt hat. „Es geht um die alten Tugenden“, sagt sein Trainer-Kollege Tim Drossel. Um Schlagtechnik, Balance, Gleichgewicht, Körpersprache... „Vor allem aber um Pünktlichkeit, Disziplin, Respekt. Im Ring wie auch außerhalb“, sagt der 28-Jährige Tim. Wie eine große Familie sind alle beim Grabower SV Boxen. Alle packen mit an, jeder hilft. Auch Dirk Dobbertin, er hat ebenfalls ein Herz für den Grabower Boxsport. Gemeinsam mit den Trainern hat er jetzt einen Punching-Ball in der Halle eingeweiht. Ein Trainingsgerät, das im Boxsport nicht fehlen darf.

Während die einen mit dem Sandsack kämpfen, laufen John und Laura ihre Runden in der Halle. Sie müssen fit sein – für das Finale der Landesmeisterschaften. „Beide sind richtig gut“, sagt Tim Drossel. Der Nachwuchs wächst nach. Ein Auge darauf haben Reinhard Sternberg und Karl-Heinz Apenburg. „Sie schicken uns die Kinder in die Wettkampfklasse“, sagt Markus Richter. Demnächst kommt wieder einer nach. Phil Evert. Noch neun Jahre alt. Wettkämpfe darf er erst nach seinem zehnten Geburtstag bestreiten. Doch darauf freut er sich schon jetzt. Trainiert hart dafür. Dreimal in der Woche – dienstags, freitags, sonntags. „Er wird mal ein richtig Guter“, sagt auch Reinhard Sternberg. Doch jetzt muss er sich beweisen – im Ring gegen Tim Drossel. Der 28-Jährige erklärt ihm, was er fordert. Der Neunjährige setzt es sofort um. Unter den Augen seiner Mutter Melanie Evert. Immer einfach ist das nicht. „Er hat Spaß an dem Sport. Was soll ich machen“, sagt sie und lächelt.

Markus Richter und Tim Drossel haben sich gemeinsame Ziele gesetzt: Den Boxsport wieder gesellschaftsfähig machen. Dazu zählt vor allem auch der gute Kontakt zum Olympiazentrum in Schwerin. Und noch eines: Die Jugend von der Straße holen. „Wir wollen Jugendarbeit betreiben“, sagt Tim Drossel. Er sagt es nicht einfach, er meint es ernst. Der Grabower SV Boxen will Mädchen und Jungen eine sportliche Perspektive geben – mit Jab, Cross und Uppercut.

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