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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 03:06 Uhr

Ludwigslust : Residenz taucht in Geschichte ein

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

19. Barockfest mit farbenfrohen Gewändern, einem kapriziösen Musikinstrument, einer diebischen Fechterin und mehr

von
erstellt am 18.Mai.2015 | 07:00 Uhr

„Ich bin der Marquis Louis de Montignac, Hofmusikus Friedrichs des Großen.“ So stellte sich Professor Harald Scheel vor. Er war extra aus Berlin angereist und hatte zum 19. Barockfest am gestrigen Sonntag auf Schloss Ludwigslust eine barocke Lautenleier mitgebracht. Der Marquis erfreute die Besucher nicht nur mit dem tollen Klang, den dieses empfindliche Instrument hervorbringt. Er hatte zudem Geschichtliches zur Lautenleier parat.

Das Instrument hat die Form einer Laute, also einer aufgeschnittenen Birne. „Sie gehört zur Familie der Drehleiern. Keiner weiß genau, wo sie herkommt“, erklärte der Hofmusikus. „Vermutlich ist sie mit den Mauren im achten Jahrhundert nach Christus nach Andalusien gekommen“, erfuhr das staunende Publikum.

Die Mauren wurden 700 Jahre später aus Europa zurückgedrängt. Die Lautenleier blieb. Sie gelangte nach Frankreich und wurde ein höfisches Musikinstrument. Genau das Richtige für das Ludwigsluster Barockfest. Allerdings verhält es sich kapriziös wie eine barocke Dame. „Mal ist es ihr zu feucht, mal zu trocken, mal zu staubig“, seufzte der Hofmusikus. Er gönnte seiner Lautenleier denn auch erst eine Akklimatisierungsphase, um sie anschließend zu stimmen.

Was er noch verriet, ist die Herkunft eines geflügelten Wortes. „Immer dieselbe Leier“ stammt aus der Zeit, als die Lautenleier als höfisches Instrument ausgedient hatte. „Sie wurde nur noch von Bettlern gespielt, die aber nicht mehr als drei, vier Lieder konnten. Aus der Zeit stammt der Spruch“, so Scheel.

Während er diese erbaulichen Geschichten erzählte und die Leier spielte, ging es nebenan hoch her. Kinder hatten die mit Seilen markierte Arena für sich entdeckt. Sie versuchten sich ebenfalls als Fechter. Die Großen von der Fechtgesellschaft Schwerin hatten es ihnen zuvor vorgemacht. Sie spielten eine Geschichte am Hofe, die zeigte, was passiert, wenn man als Dieb erwischt wird. Vielleicht ist unter den kleinen Festbesuchern ein Fechttalent entdeckt worden. Immerhin ist die Fechtgesellschaft Schwerin Zentrum für Nachwuchsleistungssport des Deutschen Fechterbundes.

Das 19. Barockfest unter dem Motto „Nie war es herrlicher zu leben“ hatte bereits am Sonnabend mit einem festlichen Konzert zur Wiedereröffnung des Goldenen Saales und mit einer Barocken Soirée begonnen.

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